: Ruth Rendell
: Die Tote im Pfarrhaus Ein Inspector-Wexford-Roman
: Blanvalet Verlag
: 9783641155858
: 1
: CHF 11.70
:
: Spannung
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein idyllischer Vorort in England, ein schrecklicher Mord und zu viele Verdächtige ...

Eigentlich wollte Inspector Wexford seinen Ruhestand genießen. Doch das Nichtstun erweist sich als ziemlich langweilig. Umso erfreuter ist er, als ihn sein alter Freund Mike Burden um Hilfe bei einem Fall bittet: Reverend Sarah Hussein wurde erwürgt im Pfarrhaus aufgefunden. Eine alleinerziehende Frau mit indischen Wurzeln als Geistliche? Das war vielen Einwohnern von Kingsmarkham ein Dorn im Auge. Doch auch ein brisantes Geheimnis aus ihrer Vergangenheit könnte der Grund für ihren Tod sein ...

Ruth Rendell wurde 1930 in London geboren und lebte dort bis zu ihrem Tod 2015. Zunächst arbeitete sie als Journalistin, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Romanen widmete. Sie hat über sechzig Bücher veröffentlicht, einige davon unter dem Pseudonym Barbara Vine. Dreimal erhielt sie den Edgar-Allan-Poe-Preis und viermal den Golden Dagger Award. 1997 wurde sie mit dem Grand Master Award der Mystery Writers of America, dem renommiertesten Krimipreis, ausgezeichnet und darüber hinaus von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben.

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Maxine war stolz darauf, drei Jobs zu haben. Immerhin gab es heutzutage immer mehr Leute, die gar keinen hatten. Für die hatte sie zwar kein Verständnis, beglückwünschte sich jedoch selbst zu ihrem eigenen Tatendrang. Zwei Vormittage in der Woche putzte sie bei Mrs. Wexford, zwei bei Mrs. Crocker und an den Nachmittagen bei zwei weiteren Frauen in Kingsmarkham. Sie erledigte die Gartenarbeit, wusch die Autos von Mr. Wexford und Dr. Crocker und babysittete jeden Abend, wenn sie gebraucht wurde, bei denen, deren Kinder noch so klein waren, dass sie beaufsichtigt werden mussten. Sie putzte für die Frauen und kümmerte sich um die Gärten und Autos der Männer, weil sie nie an diesen feministischen Gleichstellungsmist geglaubt hatte. Immerhin war es eine altbekannte Tatsache, dass Männer sich nicht um die Sauberkeit im Haus scherten, während eine normale Frau sich weder für Autos noch für den Rasen interessierte. Fürs Babysitten verlangte Maxine den Höchstpreis, außer wenn es um ihren eigenen Sohn und seine Lebensgefährtin ging. Ihre Enkelin versorgte sie kostenlos. Was die anderen betraf, mussten sie eben zahlen, wenn sie Kinder hatten. Schließlich hatte sie selbst vier zur Welt gebracht und wusste Bescheid.

Sie war eine gute Angestellte, zuverlässig, pünktlich und verhältnismäßig ehrlich, und stellte nur die Forderung, dass sie in bar bezahlt wurde. Wexford, immerhin ein kürzlich pensionierter Polizeibeamter, hatte sich zunächst quergestellt, aber schließlich genauso nachgegeben wie der Finanzbeamte am Ende der Straße. Immerhin hätten mindestens ein Dutzend anderer Haushalte fast jede Summe hingeblättert, um sich Maxines Dienste zu sichern. Sie hatte nur einen Fehler: Sie redete zu viel. Nicht nur während der Teepause oder wenn sie ging oder die Gartengeräte wegräumte, sondern ständig bei der Arbeit, und zwar mit jedem, der sich zufällig im Raum befand. Die Arbeit selbst wurde ordentlich erledigt, auch wenn sich ein steter Redestrom aus ihrem Mund ergoss.

Ihre Geschichte an diesem Tag handelte davon, wie ihr Sohn Jason, inzwischen Filialleiter des Questo-Supermarkts in Kingsmarkham, einen Kunden zurechtgestutzt hatte, der glaubte, sich über eine seiner Kassiererinnen beschweren zu müssen. Offenbar hatte die Frau ihn als »alten Mann« bezeichnet. Doch Jason hatte die Wogen elegant geglättet, den Mann beruhigt und ihn von der Schichtleiterin nach Hause fahren lassen. »Tja, mein Jason war ein richtiger Rabauke«, ergänzte Maxine, und das nicht zum ersten Mal. »Aber in keiner dieser Banden. Ich will nicht behaupten, dass er nicht ein paar Verwarnungen abgekriegt hätte, ein bisschen Ladendiebstahl, das lag ihm irgendwie im Blut. Und die ganze Nacht auf Achse, obwohl er noch minderjährig war … Getrunken hat er auch, na ja, Komasaufen nennt man das wohl. Und was das Ecstasy betrifft, ach, Designerdrogen heißt das ja inzwischen. Hoffentlich ist Mr. Wexford außer Hörweite und hat das jetzt nicht mitgekriegt. Die Sachen eben, weswegen er eingefahren ist. Doch seit er und Nicky ein Kind haben, hat er sich völlig verändert. Ein Mustervater, ich kann es noch immer kaum fassen.« Von erneutem Tatendrang beseelt, machte sie sich mit einem in Putzmittel getränkten Lappen über das Silber her, schwang anschließend den Staubwedel und widmete sich dann wieder dem Silber. »Inzwischen ist sie