Kapitel 1
»Man kann das gar nicht zu dritt spielen.«
»Sagst du jedes Mal.«
»Weil es stimmt!«
»Selbst wenn es stimmen sollte, es hat nun mal Tradition. Wenn Schafkopf zu dritt geht, geht Flaschendrehen ja wohl auch!«Schwungvoll dreht Rebecca die leere Rotweinflasche und sieht zu, wie sie immer langsamer kreiselt und schließlich auf Rebecca selbst zeigt.
»Ha!« Mia beugt sich begeistert nach vorne. »Okay, ich nehm’s zurück, vielleicht könnte das hier doch noch Spaß machen.«
»Wieso muss ich die Erste sein?«, beklagt sich Rebecca. »Ich hab doch Geburtstag!«
»Deshalb spielen wir das ja überhaupt nur, Hasi«, sage ich mitleidslos. »Und du wolltest es mit harten Fragen spielen. Uns wären zarte auch recht gewesen.«
»Menno!« Rebecca zieht sich ihre rote Mähne vors Gesicht wie einen Vorhang. »Wer fragt?«
»Ich!« Mia grinst. »Das wollte ich dich schon lange fragen, aber ich bin zu gut erzogen.«
Genau deshalb spielen wir das hier nämlich jedes Jahr zu Rebeccas Geburtstag: Damit wir einander endlich den Kram fragen können, den man normalerweise nicht mal die besten Freundinnen einfach so fragen würde. Dass wir alle drei – Rebecca, Mia und ich, Carla – bereits ziemlich einen sitzen haben, ist sehr hilfreich.
»Also, mal ehrlich: Nervt es dich nicht zu Tode und killt es nicht völlig euer Sexleben, dass die Zwillinge nachts immer noch in euer Bett gekrochen kommen?«
»Wahnsinn, Mia«, rufe ich bewundernd, während Rebecca leise jault. »Wie schaffst du es eigentlich, dass jede Frage irgendwie mit Geschlechtsverkehr zu tun hat?«
»Ich übe diesen Quatsch ja schon seit zehn Jahren mit euch!« Mia wendet sich an das Geburtstagskind. »Und?«
»Jaha!« Rebeccas Augen blitzen uns böse an. »Ja, es nervt. Aber sag das mal als Stiefmutter. Das klingt echt egoistisch!«
»Uns kannst du es ja sagen, unsere Stiefmutter bist du nicht«, wende ich ein.
»So, und der zweite Teil meiner Frage?«
»Wieso darfst du überhaupt eine Doppelfrage stellen? Das ist unfair!«
»Stimmt, aber der Protest kommt laut Reglement zu spät.«
»Wir haben ein Reglement?«
»Beantworte einfach die Frage.« Manchmal merkt man sehr genau, warum Mia mit Anfang dreißig bei einer internationalen Bank ein eigenes Team leitet.
»Also, nein.« Rebecca seufzt. »Es ist j