: David Ross
: Schottenrock Roman
: Heyne
: 9783641206451
: Schottland Trilogie
: 1
: CHF 12.60
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: Erzählende Literatur
: German
: 448
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Traum von der Unsterblichkeit. Diesen Traum verfolgen in der tristen schottischen Provinz vier Jugendliche. Und es kommt einem Wunder gleich, als sie 1984 mit ihrer Band plötzlich einen Smash-Hit landen. Eine internationale Karriere scheint möglich. Doch in Kilmarnock gehen die Uhren anders. Weitab vom Großstadtdschungel gerät die Band zwischen die Fronten der sich bekämpfenden Familienclans und Kleinstatdtgangster. Und plötzlich taucht auch noch Boy George auf ...

Schottenrockist eine wahnsinnig witzige, rasante und doch auch zutiefst menschliche Geschichte über Kleinstadtrivalität, Musik, Erwachsenwerden und die Hoffnung auf ein besseres Leben.



David F. Ross wurde 1964 in Glasgow geboren. Nach diversen Gelegenheitsjobs ist er heute Design Director bei einem der größten Architekturbüros Schottlands und hält weltweit Vorträge. NachSchottendiscoundistSchotte dichtder Abschluss seiner großen Schottland-Trilogie. Mit Frau und zwei Kindern lebt er in Kilmarnock.

KAPITEL 2

20. Juni 1982

Grant Dale drehte das Radio lauter. Das Runterzählen der Charts war nach wie vor ein fester Termin für ihn, und er versuchte, sich sonntags immer die kompletten Top 40 anzuhören, mit dem Höhepunkt der Nummer eins um fünf vor sieben. Es war allerdings schon eine ganze Weile her, dass eine seiner Lieblingsplatten die Spitze der Charts erreicht hatte. Das Jahr hatte vielversprechend begonnen, als Human League die britische Musiklandschaft mit ihrem »Don’t You Want Me« dominierten. Grant hatte regelmäßig Fantasien über einen New-Romantic-Dreier mit den beiden Human-League-Ladys, Joanne und Suzanne, bei dem das andere Bandmitglied,der Wichser mit dem überhängenden Scheitel, allerdings zugucken musste. Der Look der Kerle, die allesamt aussahen wie reiche Londoner Schwuchteln, war die einzige Kehrseite an der New-Romantic-Welle. In Onthank reichte es schon aus, im Boots dabei erwischt zu werden, wie man sich Rimmel-Kosmetika kaufte, um als Typ derbe auf die Fresse zu bekommen.

Auch die Kraftwerk-Nummer »The Model« hatte Grant geliebt. Er besaß die 7-Inch- und die 12-Inch-Version des Songs, fand die £3.99 für die LP allerdings ein bisschen happig. Kraftwerk sahen cool aus, ein bisschen zu cool vielleicht. Ihr Look – diese Mischung aus Schaufensterpuppen und Geheimdienstaufzug – eignete sich ebenfalls bestens, eine amtliche Abreibung zu kassieren, wenngleich aus vollkommen anderen Gründen.

Ein weiterer Favorit von Grant waren Japan – auch wenn er sich gut genug auskannte, um zu wissen, dass die Typen, ähnlich wie viele andere Acts im aktuellen Pop-Business, bloß Möchtegern-Bowie-Imitatoren waren. Immerhin war der Frontmann von Japan ein verdammt gut aussehender Kerl, der auch manchmal Gitarre spielte, anstatt ausschließlich auf Synthie-Sound zu setzen. Grant hatte sich die Haare wachsen lassen, sie gebleicht und nach dem Vorbild des Japan-Sängers David Sylvian zu einem Feather Cut geschnitten. Sein Dad – allgemein unter dem Namen Hobnail bekannt – hasste die neue Frisur natürlich, doch weil der Alte vor Kurzem abgetaucht war, hatte sich zumindest dieser Ärger erledigt.

Es war Hobnails permanentes Generve gewesen, das Dale bewogen hatte, zu Hause auszuziehen und sich als Handlanger für Fat Franny Duncan zu verdingen, einen örtlichen Kredithai und ausgemachten Spinner, für den auch sein Vater arbeitete. Der Königsweg, um es seinem alten Herrn einmal richtig heimzuzahlen, das wusste Dale, wäre sein fester Einstieg in Fat Frannys Bruderschaft. In Wahrheit jedoch war Grant weder motiviert noch angsteinflößend genug für den Job. Irgendwelchen Rentnern zu drohen, sie mit kochendem Wasser zu verbrühen, nur weil sie dem Halsabschneider des Viertels einen Zehner schuldeten, schien ihm dann doch eine reichlich überspannte Maßnahme, se