: Guillermo del Toro, Daniel Kraus
: The Shape of Water Roman
: Verlagsgruppe Droemer Knaur
: 9783426452677
: 1
: CHF 14.00
:
: Fantasy
: German
: 432
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein unglaubliches Geheimnis und eine unmögliche Liebe, die alle Grenzen überschreitet Der Mystery-Erfolg von SPIEGEL-Bestseller-Autor Guillermo del Toro Ein geheimes US-Militärlabor 1963: Im streng gesicherten Labortrakt F-1 wird eine Kreatur aus dem Amazonas gefangen gehalten, deren Erforschung einen Durchbruch im Wettrüsten des Kalten Krieges liefern soll. Doch eines Nachts entdeckt die Reinigungskraft Elisa das Wesen, das halb Mann und halb Amphibie ist. Die stumme junge Frau tut etwas, woran noch kein Wissenschaftler gedacht hat: Sie bringt dem Wasserwesen die Gebärdensprache bei und beginnt so entgegen aller Regeln eine vorsichtige, geheime Freundschaft mit ihm. Als sie erfährt, dass das »Projekt« schon bald auf dem Seziertisch enden soll, muss Elisa alles riskieren, um ihren Freund zu retten... Die ungewöhnlichste Liebesgeschichte des Jahres: Daniel Kraus und Guillermo del Toro erzählen ein ebenso unheimliches wie anrührendes Märchen für Erwachsene. Das neue Meisterwerk von Kultregisseur Guillermo del Toro und die Romanvorlage zum preisgekrönten Blockbuster 'Shape Of Water - Das Flüstern des Wassers': nominiert für 13 Oscars!

Guillermo del Toro wurde 1964 in Guadalajara, Mexiko, geboren, wo er auch die Filmschule besuchte. Heute zählt Del Toro, der mit Werken wie Pans Labyrinth und Hellboy Filmgeschichte schrieb, zu den bekanntesten Regisseuren der Welt. Daniel Kraus arbeitet als Autor und Filmemacher in Chicago. Er schrieb zahlreiche preisgekrönte Bücher, die in 15 Sprachen übersetzt wurden.

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Als Strickland ihnen auch noch Bonbons anbietet, bekommt die grässliche Szene eine ekelhaft süßliche Note. Elisa hat den Appetit auf Bonbons in einer Zeit verloren, in der die meisten anderen Kinder dafür alles tun würden. Sogar die süßen Kuchen, die Giles ihr im Dixie Doug’s aufdrängt, bekommt sie nur mit Mühe und Not herunter. In ihrer Erinnerung an den Ursprung ihrer Abneigung sieht sie alles aus kauernder Perspektive und blickt zu den erwachsenen Gorgonen auf, die ebenso unergründlich sind wie Strickland. In den Augen dieser Aufsichtspersonen war Elisa nicht behindert, sondern dumm und aufsässig. Das Waisenhaus trug den schönen NamenBaltimores Heim der kleinen Wanderer, aber jene, die dort lebten, nannten es nur »Heim«. Der Name entbehrte nicht einer gewissen Ironie, angesichts dessen, wasHeim in Märchen bedeutet: Sicherheit, Geborgenheit, Gemütlichkeit, Freude, Schaukel, Sandkästen, Umarmungen.

Die älteren Kinder kannten Nebengebäude, in denen noch Gegenstände standen, auf denen der frühere Name des Heims zu finden war:Fenzlers Schule für Schwachsinnige und Zurückgebliebene. Zu der Zeit, als Elisa dort eintraf, wurden Kinder, deren Akten sie einst alsmongoloid,verrückt oderzurückgeblieben ausgewiesen hatten, jetzt unterretardiert,langsam oderverwahrlost eingeordnet. Anders als in den jüdischen und katholischen Waisenhäusern ein Stück die Straße entlang bestand die Mission dieses Heims darin, einen am Leben zu erhalten, notdürftig jedenfalls, damit man, wenn man mit achtzehn in die Welt entlassen wurde, einen untergeordneten Arbeitsplatz fand, an dem man den Überlegenen dienen konnte.

Die Kinder dort hätten sich ebenso zusammentun können wie die Mitglieder der Putzkolonne in Occam. Stattdessen ließ die Knappheit an Lebensmitteln und Zuneigung Grausamkeit entstehen, und jedes Kind kannte die Schwachstellen seiner Rivalen ganz genau. Du wurdest ins Heim geschickt, weil deine Eltern im Armenhaus gelandet sind? Dann bist du die Brotlose Betty. Du kamst nach dem Tod deiner Eltern ins Heim? Da nennt man dich Toten-Tom. Du bist Immigrant? Hallo, Rote Rosa und Harold der Hunne. Elisa hatte die wirklichen Namen einiger Kinder erst an dem Tag erfahren, an dem sie vor die Tür gesetzt wurden.

Ihr Spitzname lautete »Stille«, aber die Hausmütter bezeichneten sie als »22«. Zahlen brachten Ordnung in die chaotische Welt der ungewollten Kinder, und jedem Kind war eine zugewiesen. Jeder Gegenstand, der ihnen überlassen wurde, trug diese Nummer, sodass man sofort erkennen konnte, ob etwas, das ihnen gehörte, andernorts auftauchte, wo es nicht hingehörte. Geächtete Kinder wie Stille waren am schlimmsten dran. Ihre Widersacher mussten nur ihre Bettdecke unter der Jacke verstecken, sie in den Schlamm werfen und darauf warten, bis die »22« auf dem Schild entdeckt und Stille bestraft wurde.

Die Bestrafung konnte von jeder Hausmutter ausgeführt werden, allerdings übernahm die Oberin das häufig selbst. Ihr gehörte das Heim nicht, aber es war alles, was sie hatte. Schon im Alter von drei Jahren hatte Elisa gespürt, dass die Oberin die ungezogene Brut im Heim als Widerspiegelung ihres instabilen Geistes betrachtete und diese daher unter Kontrolle behalten musste, um nicht den Verstand zu verlieren. Das funktionierte aber nicht. Zuweilen lachte sie so laut, dass die Kleinsten zu weinen anfingen, dann wieder schluchzte sie so heftig, dass die Kinder noch mehr verwirrt waren. Sie hatte immer einen Rohrstock für die Rückseite von Armen und Beinen dabei, ein Lineal für die Fingerknöchel und eine Flasche Rizinusöl, das sie einem unter Zwang einflößte.

Heimtückischerweise hatte die Oberin auch immer Bonbons dabei. Da sie sich so sehr am Flehen und Weinen ergötzte, schlug sie Stille mit Vorliebe. Sie bezeichnete sie als unbelehrbares kleines Monster und bezichtigte sie, geheimniskrämerisc