: Genki Kawamura
: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden Roman
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641214944
: 1
: CHF 6.20
:
: Erzählende Literatur
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sinnsuche auf Japanisch - was im Leben wirklich zählt

Ein junger Briefträger erfährt überraschend, dass er einen unheilbaren Hirntumor hat. Als er nach Hause kommt, wartet auf ihn der Teufel in Gestalt seines Doppelgängers. Er bietet ihm einen Pakt an: Für jeden Tag, den er länger leben möchte, muss eine Sache von der Welt verschwinden. Welche, entscheidet der Teufel. Der Briefträger lässt sich auf dieses Geschäft ein. Am Tag darauf verschwinden alle Telefone. Am zweiten Tag die Filme, am dritten alle Uhren. Als am vierten Tag alle Katzen verschwinden sollen, gebietet der Briefträger dem Teufel Einhalt. Und macht etwas völlig Überraschendes ...

Genki Kawamura stellt in seinem Roman, von dem in Japan über eine Millionen Exemplare verkauft worden sind, die einfache Frage: Was macht ein gutes und erfülltes Leben aus?

Genki Kawamura, 1979 in Yokohama geboren, ist ein japanischer Filmproduzent und hat mit seinen ersten Roman einen internationalen Bestseller vorgelegt, der auch erfolgreich verfilmt worden ist.

Mir fielen keine zehn Dinge ein, die ich vor meinem Tod noch unbedingt tun wollte. Ich hatte einmal einen Film gesehen, in dem die Heldin kurz vor ihrem Lebensende eine solche Liste zusammenschrieb.

Aber diese ganze Situation war mehr oder weniger erlogen.

Vielleicht ist »erlogen« nicht das richtige Wort, aber zumindest ist so eine Liste nicht realistisch, soll heißen, sie ist völlig ohne Belang.

Ob das mein Ernst ist?

Ja, ist es.

Woher ich das weiß?

Ich habe es ausprobiert. Und es ging ziemlich daneben.

Folgendes geschah:

Obwohl mich eine hartnäckige Erkältung plagte, ging ich jeden Tag meiner Arbeit als Postbote nach. Ich hatte Fieber und verspürte ein Stechen in meiner rechten Kopfhälfte. Mit rezeptfreien Medikamenten kam ich irgendwie über die Runden (denn ich hasste es, zum Arzt zu gehen), doch als nach zwei Wochen noch immer keine Besserung eintrat, ließ ich mir einen Termin geben. Das war vor sieben Tagen.

Es stellte sich heraus, dass ich nicht erkältet war.

Ich hatte einen Gehirntumor. Im Endstadium.

So die Diagnose. Der Arzt gab mir bestenfalls noch ein halbes Jahr, aber vielleicht bleibe mir nicht einmal mehr eine Woche. Er klärte mich über die verschiedenen Möglichkeiten auf: Bestrahlung, Chemotherapie, Aufnahme in einem Hospiz. Aber ich bekam überhaupt nichts mit.

In meiner Kindheit waren wir in den Sommerferien immer ins Schwimmbad gegangen, wo ich in das blaue, kühle Becken sprang. Es klatschte und spritzte, und ich ging unter.

»Du musst dich vorher abkühlen«, sagte meine Mutter. Aber ihre Stimme drang nur gedämpft durch das Wasser, ich hörte sie nicht gut.

So ähnlich erging es mir jetzt.

Endlich waren die langwierigen Untersuchungen beendet.

Der Arzt hatte kaum zu Ende gesprochen, als ich meine Tasche fallen ließ und mit weichen Knien aus dem Raum wankte. Er wollte mich aufhalten, aber ich rannte schreiend aus der Klinik, rempelte Leute an, fiel hin, stand wieder auf, rannte um mich schlagend weiter, rannte und rannte bis auf eine Brücke, wo ich zusammenbrach