: Martin Cruz Smith
: Im Schatten von San Marco Roman
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641212636
: 1
: CHF 2.70
:
: Spannung
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Venedig, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs: Eines Nachts entdeckt der junge Fischer Cenzo in der Lagune eine junge Frau, die scheinbar leblos im Wasser treibt. Doch Giulia Silber ist nicht tot, sie schwimmt um ihr Leben, denn das Versteck, in das sich ihre Familie mit anderen Juden geflüchtet hatte, wurde verraten, und sie hat als einzige überlebt. Cenzo entscheidet sich, Giulia zu helfen. Doch nachdem er versucht hat, sie in Sicherheit zu bringen, verliert sich von ihr jede Spur. Cenzo macht sich auf die Suche, es ist ein Rennen gegen die Zeit, denn nicht nur er will das schöne eigenwillige Mädchen finden...

»Im Schatten von San Marco« ist ein spannender Liebesroman und eine mitreißende Schilderung der letzten Kriegstage in Norditalien.



Martin Cruz Smith, 1942 in Philadelphia geboren, gelang mit dem Thriller"Gorki Park" ein Welterfolg, der auch in der Verfilmung mit William Hurt und Lee Marvin ein Millionenpublikum begeisterte. Seither hat der russische Ermittler Arkadi Renko eine große Fan-Gemeinde. Martin Cruz Smiths Romane wurden bereits in 14 Sprachen übersetzt.

2

Starrend von Maschinengewehren zu beiden Seiten und auf der Brücke, beherrschte das Kanonenboot die Lagune. Die entspannten »Kameraden«, die ursprünglich in Venedig stationiert gewesen waren, hatte man durch Veteranen von der Ostfront ersetzt, und die gute Laune angesichts der frühen Siege der Wehrmacht war jetzt, im Frühling 1945, der Erschöpfung eines aussichtslosen Krieges gewichen.

Das Gehirn eines Soldaten war ein einfaches Ding, ein Verbündeter, der bis zum bitteren Ende an seiner Seite kämpfte. Es warf nicht mitten im Krieg das Handtuch und brauchte nicht gerettet zu werden, und es begrüßte den Gegner auch nicht mit Wein und Rosen. Was war Mussolini jetzt –il Duce oder ein Clown? Und was waren die Italiener anderes als Verräter?

Die Soldaten warfen eine Leine zurFatima hinüber, zogen sie längsseits zu sich heran und winkten Cenzo, er solle sein Segel einholen und herüberkommen. Auf dem Kanonenboot stießen sie ihn grob in die Kabine, wo zwei Offiziere in grauen Uniformen im Licht einer abgeschirmten Verdunklungslampe eine Seekarte studierten. Auch wenn das Kanonenboot die Lagune beherrschte, war es nur ein Insekt im Vergleich zu einem Kampfflugzeug der Alliierten. Der ältere der beiden wirkte abgespannt, während der jüngere, sicherlich von derSS, Frustration ausstrahlte. Um seine Würde zu bewahren, stülpte Cenzo sich seine formlose Mütze auf den Kopf. Soldaten lachten über seine bloßen Füße.

»Sie sind genau der Mann, den wir suchen.« Der ältere Offizier winkte Cenzo heran. »Sie müssen uns helfen, eine Wette unter Ehrenmännern zu entscheiden. Untersturmführer Hoff befürchtet, wir haben uns verirrt.«

Der andere Offizier protestierte. »Nein, Oberst Steiner. Ich habe nur die Meinung geäußert, dass wir uns auf die einheimischen Karten nicht verlassen können. Wir trauen den Leuten hier zu viel zu. Das Fischen in einer Lagune ist wie das Fischen in einer Regentonne.«

»Stimmt das?« Der Oberst sah Cenzo an. »Ist es so einfach wie das Fischen in einer Regentonne?«

»Ja, wenn man weiß, wo die Tonne ist.«

»Genau. Hoff, Sie können selbst von einem schlichten Fischer noch etwas lernen. Es ist bekannt, dass Italiener besser fischen als kämpfen. Meine Frage also: Wo sind wir?«

»Woher soll ich das wissen?«, knurrte der Jüngere. »Es ist stockfinster.«