: Ingar Johnsrud
: Der Bote Thriller
: Blanvalet
: 9783641186838
: Fredrik Beier
: 1
: CHF 8.90
:
: Spannung
: German
: 560
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zwei rätselhafte Mordfälle, ein zwanzig Jahre zurückliegendes Verbrechen - und ein Mann, der eine grausame Rache plant ...
In einer Villa in einem reichen Vorort Oslos wird die Leiche eines kürzlich verstorbenen Mannes gefunden. Von der Bewohnerin des Hauses, einer alten Witwe, fehlt jede Spur. Der Tote wird als ihr Sohn identifiziert - der vor zwanzig Jahren bei einem Militäreinsatz ums Leben kam. Kurz darauf entdeckt man am anderen Ende der Stadt eine zweite Leiche. Der Körper des unbekannten Mannes weist schwere Folterspuren auf. Hauptkommissar Fredrik Beier glaubt an eine Verbindung zwischen den beiden Fällen, doch irgendjemand scheint verhindern zu wollen, dass diese ans Licht kommt - Akten werden gesperrt, Beweismittel verschwinden ...
Alle Bände der Fredrik-Beier-Reihe
De Hirte (Bd. 1)
Der Bote (Bd. 2)
Der Verräter (Bd.3)

Ingar Johnsrud, Jahrgang 1974, wuchs in Holmestrand auf. Er studierte Film- und Medienwissenschaften und arbeitete fünfzehn Jahre als Journalist bei einem der größten norwegischen Medienunternehmen. Sein erster Thriller, 'Der Hirte', wurde als bestes Krimidebüt für den Maurits Hansen Prisen nominiert und eroberte international die Bestsellerlisten.

11

Der wasserblaue Lichtschein über der Treppe zum Kellergeschoss des Krankenhauses war ebenso kalt wie das Stahlgeländer.

»Mortui vivos docent«, raunte Andreas Fredrik zu, als sie sahen, wer sie dort unten erwartete.

Rechtsmediziner Konrad Heissmann stand vor einer cremefarbenen Tür mit der Aufschrift »Sektionssaal« und streckte die Hand aus. Sie hatte die Größe eines Buches.

»Mortui vivos docent – die Toten lehren die Lebenden«, sagte er zur Begrüßung. Dann bat der Österreicher sie herein. Er bückte sich, um dem Türsturz auszuweichen – nicht weil die Tür zu niedrig gewesen wäre, sondern weil der kahlköpfige Pathologe mit den leicht nach innen gewölbten Schläfen die beiden Polizisten fast um einen Kopf überragte. Im Vorraum hielt er inne. An den türkisfarbenen Wänden hingen vergilbte Schautafeln zur menschlichen Anatomie. In den Regalen standen Behälter mit verblassten Herzen, Hirnen und Lungen, die in Formalin eingelegt waren: ein Vorgeschmack dessen, was sie dort hinter den Türen zur Frischwarenabteilung der Seligkeit erwartete.

Fredrik hatte bereits genügend Leichen gesehen – in allen erdenklichen Zuständen. Es waren nicht die Leichen an sich, die ihn am meisten berührten. Woran er sich nie ganz hatte gewöhnen können, war die klinische Sachlichkeit in der Wortwahl der Mediziner. Die Schöpfkelle, die der Pathologe zur Hand nahm, um die Toten ihres Blutes zu entleeren. Die Tische aus gebürstetem Stahl, der hellblaue Mundschutz, der beim Ein- und Ausatmen vibrierte, das Skalpell, der Rippenspreizer, die Knochensäge auf dem weißen Laken … Wann immer es sich einrichten ließ, zog Fredrik den Vorraum vor. Das Gleiche traf auch auf Andreas zu. Andreas Figueras lernte bereitwillig von den Toten, ihren Anblick jedoch mochte er nicht.

»Ich nehme an, es eilt, wenn Sie nicht auf den Bericht warten können?«

Die Grammatik war korrekt, die Satzmelodie jedoch irgendwie merkwürdig. Der Österreicher lehnte sich an ein schmales Katheder und hatte seine charakteristische Körperhaltung eingenommen: die Hände über dem kahlen Schädel verschränkt, die Daumen in die Schläfen gebohrt. Vielleicht sah er ja deshalb so aus, wie er aussah.

»Eigentlich nicht«, antwortete Andreas. »Aber die Identität des Toten ist nach wie vor unbekannt. Wir hatten gehofft, Sie könnten uns dahingehend ein bisschen behilflich sein.«

Der Arzt ließ das Gummiband einer Mappe mehrmals auf das Plastik schnippen.

»Mann in den Vierzigern, dem Aussehen nach Nordeuropäer. Der Tod ist vor zwei bis drei Wochen eingetreten. Er wurde in einem Kanalschacht gefunden, war es nicht so?«

Fredrik nickte. »Gestern.«

»Die Leiche kann erst vor einigen Tagen dort hintransportiert worden sein. Hätte er länger dort gelegen, wäre nicht viel von ihm übrig gewesen.«

Es war keine leichte Aufgabe gewesen, den Toten aus dem Schacht nach oben zu hieven. Erst als auch noch die Kollegen von der Spurensicherung in den Schacht gekrochen waren, waren die Ratten widerwillig zurück