: Martin Schemm
: Der Goldschatz der Elbberge Ein historisch-fantastischer Roman
: Ellert& Richter Verlag
: 9783831910175
: 1
: CHF 11.70
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 576
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Jahr 1065 lässt der Hamburger Erzbischof Adalbert eine Gruppe Männer durch einen alten Stollen in die Tiefe des Sollonbergs (Süllberg in Blankenese) hinabsteigen, um dort einen sagenumwobenen Schatz der zwergenhaften Schwarzalben zu heben. Mit der Beute hofft der Kirchenfürst seine politische Macht im Norden Europas und im Reich König Heinrichs IV. ausweiten zu können. Als die Männer tatsächlich in das Zwergenreich gelangen und Hand anlegen an den goldenen Schatz, vollzieht sich ein alter Fluchzauber, der das Land an der Elbe in Angst und Schrecken versetzt, während zugleich das Machtgefüge des Erzbischofs zerfällt ... Ein packender Roman, der Historisches geschickt mit alten Sagen verwebt und eine bislang wenig beachtete Epoche Hamburgs weit vor den Tagen der Hanse faszinierend in Szene setzt.

Martin Schemm, geboren 1964 in Duisburg, ist aufgewachsen im nördlichen Kraichgau bei Heidelberg. Seit 1996 lebt er mit Frau und Tochter in der Wahlheimat Hamburg und ist tätig beim Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit. Der Historiker studierte an der Universität Heidelberg mittelalterliche Geschichte und lateinische Philologie des Mittelalters. Literarisch kreativ ist er seit 1996, zumeist in den Genres Phantastik, Historischer Roman, Science Fiction und Horror. Neben den Romanen 'Das Geheimnis des goldenen Reifs' (2013), 'Der Goldschatz der Elbberge' (2010), 'Todeskontakt' (2005) und 'Das Heidenloch' (2000) sind im Laufe der Jahre auch zahlreiche Kurzgeschichten entstanden. Mit der Story 'Das Lazarus-Projekt' hat er 2007 den Deutschen Phantastik Preis gewonnen. Weitere Infos bietet die Autorenwebsite martinschemm.de

Prolog

Begegnung im Krummen Tal

Seit jeher standen die Berge am nördlichen Ufer der Elbe in zweifelhaftem Ruf. Jeder, der sie kannte, vermied es nach Möglichkeit, einen Fuß in die urwüchsig bewaldeten und weitgehend weglosen Gefilde zu setzen. In einem langen Rücken, der sich mit steilen Abhängen zur Flussseite hin von Westen nach Osten erstreckte, reihten sich die Berge aneinander. Zwischen ihnen klaffte manch tief ins Land hineingreifende Tal, dessen dunklen, verwucherten Grund selten ein Sonnenstrahl erreichte.

Im Westen erhob sich die Bergkette aus den sumpfigen Auen und Mooren nahe der Siedlung Wadil, wo von alters her eine Furt den Auenfluss querte, ehe dieser in die Elbe mündete. Wegen ihres hellen, sandigen Bodens trugen die Hänge dort den Namen Weiße Berge. Ohne jedwede menschliche Ansiedlung zog sich der Rücken von dort durch Wald und Täler nach Osten hin bis zum Sollonberg, der mit kegelförmiger Gestalt herausstach und zugleich den Ostrand der Bergkette bildete. Zu dessen Füßen ragte eine geschwungene Nase weißen Strandes weit in die Elbe hinein, das Blanke Neeß. An diesem Ort existierte seit langer Zeit eine Fähre über den mächtigen Strom, die einzige weit und breit, nebst einer kleinen Siedlung. Auf der Kuppe des darüber thronenden Sollonbergs waren jüngst noch, in den Jahren seit 1058, eine Burg und ein kleines Kloster hinzugekommen. Zwischen diesen beiden Landmarken, den Weißen Bergen im Westen und dem Sollonberg im Osten, erstreckte sich jene unbewohnte Bergkette auf eine Länge hin von etwa einem halben Tagesmarsch.

Nun, die Menschen mieden die Gegend. Für die Nordelbinger der grafschaftlichen Gaue Holsten und Stormarn und auch für die Bewohner der nahen Stadt Hammaburg gab es dafür zum Mindesten zwei gute Gründe. Zum einen die handfeste Tatsache, dass sich übles Raub- und Mordgesindel in den Wäldern verbarg und von dort aus sein bösartiges Unwesen trieb. Zum anderen die von alters her überkommenen und von Generation zu Generation weitergereichten Schilderungen über seltsame Wesen auf und unter der Erde jener Berge. Das reichte von Mahren und Geistern im Allgemeinen bis hin zu zwergenhaften Unterirdischen, Keulen tragenden Hünen und anderen fragwürdigen Kreaturen im Besonderen. Jeder Einheimische war von Kindesbeinen an mit solchem Erzählgut aufgewachsen und verspürte folgerichtig keinen allzu großen Drang, jene Gegend zu betreten. So waren denn Unerschrockene, die das Ganze als Altweibergerede hätten abtun können, nur selten zu finden. Und wenn doch einmal, so waren es allenfalls die gefühlskalten Schurken und Mörder des dort hausenden Raubgesindels selbst.

Auch die junge Hedda war keineswegs unerschrocken. Und doch wagte sie sich immer wieder um einiges weiter in die düsteren Wälder vor, als es die meisten aus ihrem kleinen Fischerdorf am Blanken Neeß taten. Als kräuterkundige Wickerin blieb ihr allerdings auch kaum anderes übrig. Wo sonst sollte sie die Pflanzen, die die Grundlage ihrer Heilarbeit bildeten, finden? Moose, Flechten, Wurzeln, Sträucher und Kräuter wuchsen nun einmal vornehmlich im Wald, und der begann bereits wenige Schritte hinter den letzten Hütten der Siedlung am Fuß des Sollonbergs.

Großmutter Geske, die im letzten Winter verstorben war, hatte Hedda seit den Kindheitstagen das heilende Wicken beigebracht und ihr viele nahe gelegene Stellen im Wald gezeigt, an denen wichtige Heilpflanzen wuchsen. Die Orte lagen im unteren Bereich des Krummen Tals, eines leicht gebogenen Einschnitts auf der Westseite des Sollonbergs, der diesen vom benachbarten Wahsberg trennte. Manchmal jedoch waren die dort zu findenden Pflanzen für die anstehende Aufgabe nicht die richtigen, weitere oder gar seltenere Wirkstoffe waren vonnöten. Dann zögerte Hedda nicht, andernorts im Wald nach ihnen zu suchen.

So auch am Tag des heiligen Bartholomäus im Jahre des Herrn 1065. Unter der drückenden Schwüle, die selbst das beschattete Unterholz des Waldes erhitzte, war die junge Wickerin unterwegs auf der Suche nach Heilkräutern. Das seitlich über die Schulter geschlungene Tragetuch wölbte sich an ihrer Hüfte bereits von den darin