: Nina Gregor
: Silvia-Gold 41 Hand in Hand ins Land der Liebe
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732555079
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Wer weiß schon, wie einsam man sich neben einem Ehemann fühlen kann, den man zwar als Freund achtet, aber nicht liebt?

Beatrice kennt die Antwort, denn das Fundament ihrer Ehe ist längst nicht mehr Liebe, sondern Pflichtbewusstsein. Seit mehr als zwanzig Jahren sitzt ihr Mann im Rollstuhl, ist oft ungeduldig und verbittert. Doch den Wunsch, ihn zu verlassen und ein neues Leben zu beginnen, hat Beatrice immer weit von sich geschoben.

Einmal im Jahr jedoch nimmt sie sich eine Auszeit und fährt ans Meer. Immer in dasselbe kleine Ostfriesenörtchen - immer zu demselben Mann ...

»Du bist doch nicht böse, Bea?« Henrik griff über den Frühstückstisch hinweg nach Beatrices Hand und drückte sie zärtlich. »Aber ich habe das Treffen mit Peer schon lange vor deinem Besuch ausgemacht. Gesines Tod macht ihm immer noch schwer zu schaffen …«

»Wundert dich das? Die beiden waren über dreißig Jahre verheiratet.« Beatrice erhob sich und küsste ihn auf die Wange. »Natürlich habe ich nichts dagegen, wenn du Peer besuchst. Richte ihm liebe Grüße von mir aus.«

Auch Henrik war aufgestanden, und ehe sie damit beginnen konnte, den Tisch abzuräumen, zog er sie in seine Arme.

»Wir könnten unsere Silberhochzeit auch längst hinter uns haben«, erinnerte er mit rauer Stimme. Seine Augen verdunkelten sich.

»Ach, Henrik, das bringt doch nichts«, wehrte Beatrice ab. »Es ist lange her, und wir hatten doch auch so eine schöne Zeit, nicht wahr?«

»Es hätte aber noch viel schöner sein können«, beharrte er. »Wie oft habe ich mir in all den Jahren gewünscht, dich bei mir zu haben. Du hast mir in jedem Augenblick gefehlt, und sei es auch nur auf einem Spaziergang oder wenn ich dir spontan etwas erzählen wollte – und du warst nicht da …«

»Für mich war es auch nicht immer leicht, das darfst du mir glauben«, murmelte Beatrice bedrückt.

»Aber du hattest wenigstens Lena. Und dann ist da auch noch Johannes. Du warst nie wirklich allein.«

Ach, was wusste er schon davon, wie einsam man sich neben einem Ehemann fühlen konnte, den man zwar als Freund achtete, aber nicht mehr liebte? Nein, es machte keinen Sinn, jetzt darüber zu debattieren.

»Wir haben uns für diesen Weg entschieden, gemeinsam«, erinnerte Beatrice ihn sanft. »Im Übrigen habe ich nie darauf bestanden, dass du allein bleibst. Es wäre sicher nicht leicht für mich gewesen, wenn es da eine andere gegeben hätte, die dir mehr bedeutete als ich. Aber ich hätte es verstanden und damit umgehen können.«

»Eine andere als dich?« Henrik schüttelte den Kopf und sah ihr mit zärtlichem Lächeln in die Au