: Rebekka Pax
: Codex Sanguis - Septemberblut
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962150396
: 1
: CHF 3.60
:
: Fantastische Literatur
: German
: 430
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Los Angeles: Nach dem Freitod ihres Bruders erbt Amber Connan eine geheimnisvolle Waffe. Der Unsterbliche Julius Lawhead hat den Auftrag eben dieses Messer zu finden, und er setzt alles daran um sein Ziel zu erreichen. Bald schon geraten die beiden sehr unterschiedlichen Charaktere immer tiefer zwischen die Fronten eines erbitterten Krieges zweier Unsterblichen-Clans. Ein Kampf, den sie nur gemeinsam überstehen können.

Rebekka Pax wurde 1978 in Mülheim an der Ruhr geboren. Nach Abschluss ihres Studiums der Skandinavistik, mittelalterlichen Geschichte und Archäologie absolvierte sie mehrere Praktika in Los Angeles als Drehbuchlektorin. In den folgenden Jahren arbeitete sie für die Kölner Produktionsfirma Zeitsprung Entertainment im Bereich Story Development und Lektorat. In der Frauenunterhaltung schreibt sie unter dem Pseudonym Rebecca Maly erfolgreich historische Romane, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielen.  

BUCH 2


Julius

Curtis’ Befehl, Amber Handschellen anzulegen, damit sie für die Vampire des Lafayette keine Gefahr darstellte, war unumstößlich, auch wenn sich alles in mir dagegen wehrte. Ich hatte ihr Vertrauen ausgenutzt, damit sie mir trotz der verbundenen Augen die Hände reichte, wohl wissend, dass ich damit einen tiefen Keil zwischen uns trieb. „Es tut mir leid, dir wird nichts geschehen“, brachte ich heraus, ehe Steven blitzschnell die Handschellen schloss. Als sie mit einem leisen Klacken einrasteten, erstarrte Amber für den Bruchteil einer Sekunde – und verwandelte sich im nächsten Moment in eine Furie.

Mit aller Kraft, die ihr menschlicher Körper aufbringen konnte, warf sie sich uns entgegen. Sie schrie so laut, dass man es sogar auf der Straße hören musste.

Steven bekam einen saftigen Tritt ab, ich einen zweiten, der überraschend genau mein Knie traf. Steven hielt ihre Hände fest, während ich ihren Körper umklammerte. Wir hätten ihr mit Leichtigkeit die Knochen brechen können.

„Tu ihr nicht weh, Steven!“, schrie ich. „Bitte!“

Ich riss die Augenbinde von ihrem Kopf. „Amber, Amber, beruhige dich!“

Keine Chance. Das Messer, das in ihrem Gürtel steckte, sandte in alle Richtungen Morddrohungen aus.

Stevens Gesicht war schmerzverzerrt.

Dava, die nicht viel älter war als er, rannte in Panik davon. Und auch ich hatte das Gefühl zu verbrennen.

Ambers Körper strahlte heiß wie glühende Kohlen.

Unter Aufbietung meiner gesamten Willenskraft riss ich ihr das Messer aus dem Gürtel.

Sobald ich es berührte, zerrte ein heftiger Sog fast alle Lebensenergie aus meinem Leib. Es fühlte sich an, als hätte mir jemand mit einem Ruck alle Nerven aus den Gliedern gerissen.

Ich schrie auf, ließ die Waffe fallen und taumelte zur Seite.

Meine Hand brannte wie Feuer. Ich wagte kaum, sie anzuschauen, sah im Geiste verkohlte Stümpfe anstelle der Finger, dachte an den sterbenden Vampir, den das Messer getroffen hatte. Doch mir war nichts passiert.

Amber verstummte. Ihr Brustkorb bebte, und sie starrte wie ein in die Enge getriebenes Tier in die Runde.

Aber sie besaß Kampfgeist, und sie war noch lange nicht bereit, aufzugeben.

Plötzlich ließ sie sich auf den Boden fallen und warf sich mit aller Kraft in Richtung Messer.

Steven wurde vorwärtsgerissen, doch zum Glück hatte er die Handschellen fest im Griff. Als Amber merkte, dass sie gegen ihn nicht ankam, gab sie endlich auf und blieb liegen.

Ich stützte mich schwer atmend gegen die Wand.

Die verlorene Energie kehrte nicht zurück. Mein Körper war ausgelaugt wie nach einer mehrwöchigen Fastenkur. Ich blinzelte immer wieder, doch der Raum wollte einfach nicht aufhören, sich zu drehen. Amber schien sich auf dem Boden zu krümmen und doch wieder nicht, der Teppich unter ihr kreiste und die Muster darin verwischten sich zu verschwommenen Flächen.

Für einen Augenblick herrschte gespenstische Ruhe.

Brandon, der indianische Vampir, war hinter seine Dienerin getreten, als könne sie ihn vor dem Mess