: Peter Huth
: Berlin Requiem
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962150228
: 1
: CHF 3.60
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 336
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Tag, an dem das Ende beginnt ... Berlin im Hier und Jetzt: Ein rätselhafter Virus ist ausgebrochen. Die Infizierten fallen zunächst in ein Koma und erwachen dann wieder - regiert vom rasenden Instinkt, alles und jeden zu töten. Erste Medienberichte verunsichern die Bevölkerung: Angeblich sind nur Mitbürger mit Migrationshintergrund betroffen, Kreuzberg und Neukölln gelten als kontaminiert. In einer Blitzaktion wird eine Mauer um das betroffene Gebiet errichtet, Innensenator Sentheim verhängt den Ausnahmezustand. In diesen dunklen Stunden erhält der investigative Journalist Robert Truhs einen politisch hochbrisanten Hinweis, der die noch bestehende Ordnung endgültig kippen könnte ... Packend, aktuell, außergewöhnlich: Peter Huths großer Berlin-Thriller ist ein gnadenlos scharfer Kommentar zur Lage der Nation. 'Berlin ist voller Zombies, endlich schreibt es mal jemand auf' Benjamin von Stuckrad-Barre

Peter Huth, geboren 1969 in Kleve, volontierte beim «Mitteldeutschen Express» in Halle/Saale, arbeitete später als Reporter. Er wurde 2008 Chefredakteur der »B.Z.« und 2017 Chefredakteur der »Welt am Sonntag«.

2


Die Schüsse, die Sarah hört, werden aus einem SG-550-Präzisionsgewehr abgefeuert, Schweizer Fabrikat. Mike Fegin stellt das Gewehr neben sich ab. Er spuckt auf den Boden. Der junge Polizist sieht sich zu Polizeihauptmeister Karsten Seiks um, Schichtführer des Berliner PSK, des Präzisionsschützenkommandos.

»Das war’s. Gut gemacht, Junge«, sagt Seiks.

Fegin nickt, greift zum Feldstecher und betrachtet sein Opfer aus der Nähe. Die Leiche liegt genau auf der roten Linie, die exakt hundert Meter vor der Mauer auf den Boden gemalt ist.

Fegin holt ein Aufnahmegerät hervor. »Männlich, etwa fünfunddreißig Jahre alt. Schwarze Haare, Bartträger. Offensichtlich Migrationshintergrund ...«

»Was auch sonst, Junge?«, unterbricht ihn Seiks.

Mit träger Beamtenstimme spricht Fegin weiter auf den Rekorder.

»Der erste Schuss wurde um 5:38 Uhr abgegeben, als sich das Subjekt langsam auf die Demarkationslinie innerhalb der Kontrollierten Zone zubewegte und auf mehrmalige Warnrufe nicht reagierte. Das Projektil traf gezielt das rechte Bein, trat wieder aus. Mobilität sollte final unterbunden werden. Das Subjekt bewegte sich dennoch kriechend weiter in Richtung der D-Linie. Der nach Rücksprache mit PHM Seiks abgegebene Schuss traf die Stirn im seitlichen Bereich. Durch den Austrittsdruck wurde der größte Teil des Schädels zerstört. Das Subjekt wurde somit in seiner Vorwärtsbewegung gestoppt und endgültig eliminiert.«

»Genau so, mein Junge.«

Seiks zieht sich die schwarze Sturmmaske, die zur Standardausrüstung des PSK gehört, vom Kopf und klopft Fegin auf die Schulter.

»Noch drei Stunden, dann haben wir es für heute geschafft.«

Die beiden Männer sind seit neun Stunden auf dem provisorischen Wachturm, schon den siebzehnten Tag in Folge. Jeder von ihnen beobachtet die Häuserflucht der Oranienstraße für genau sechzig Minuten durch das Zielfernrohr, dann wechseln sie sich ab, wie es Vorschrift ist. Die Person, die Fegin vor wenigen Minuten ausgeschaltet hat, wird unter der Ziffer 364 dokumentiert werden. Fünfundzwanzig davon hat Fegin getötet, achtzehn Seiks, alle von diesem Wachturm aus. Die übrigen Todesschüsse wurden von den anderen Schichten sowie an den Kontrollstationen Oberbaumbrücke, Mehringdamm Süd und von der Bahnlinie aus abgegeben. Insgesamt sind mehr als hundertfünfzig Beamte des PSK im Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, zu verhi