Der Himmel brannte.
Grelle Flammen loderten über den Horizont und züngelten weiter hinauf. Die ersten Wolkenbänke fingen Feuer, und unter der Glut, die von ihren Säumen hinabtroff, färbte das Meer sich rot.
Knisternd schwebte noch der Nachhall von Schüssen über dem Wasser. Ein Echo des scharfen Klirrens von Klinge gegen Klinge. Dazwischen trieb die schwache Erinnerung an Männerstimmen umher, zerrissen im Kampf und zersprengt in der Schwärze der Nacht.
Er wusste nicht mehr, wie er über Bord gegangen war, in jener Stunde, ehe die Sterne verblassten und die Dunkelheit zerfaserte. Bevor sich die Sonne am Horizont entlangrieb und den ersten Lichtfunken entzündete.
Ob er das Gleichgewicht verloren hatte, als er einem Schwertstreich auswich. Durch den Stoß der Kugel, die ihn traf. Oder ob er sich einfach hatte fallen lassen, vielleicht sogar gesprungen war, gepackt von einem unbändigen Lebenswillen, getrieben von beschämender Feigheit.
Wie ein Fels war er untergegangen in den finsteren Wassern, die ihre Fangzähne aus Salz in seine Wunden schlugen, und rasender, brüllender Schmerz hatte seinen Leib zerfetzt.
Ein Augenblick benommener Leere. Eines uferlosen Nichts.
Dann war sein Bewusstsein wieder aufgeflackert.
Seine Rippen zusammengepresst, die Lunge vor dem Bersten, hatte er um sich geschlagen und getreten. Endlich, endlich war er aus den Fluten aufgetaucht, hatte gierig Luft in sich hineingeschlungen.
Der Wind schmeckte rauchig auf der Zunge, nach rotem Staub und Asche. Ein Bein, ein Arm taub und nutzlos, paddelte er vorwärts. Durch ein Licht, golden wie geschmolzener Safran, das sich mit dem blauen Dunst des frühen Morgens mischte. Unter den Schattenrissen der Vögel, die ihre Kreise zogen und heiser den neuen Tag wachriefen. Der Insel entgegen, auf die sein innerer Kompass unbeirrbar zuhielt. Wie eine Schildkröte, die Jahrzehnte durch die Ozeane streift und doch stets zu dem Strand zurückfindet, an dem sie einstmals schlüpfte.
Das Meer verlor die Geduld, bedrängte ihn von allen Seiten, stieß ihn rau umher. Noch bevor er sie hörte, spürte er die Welle heranrollen. Gehorsam unterwarf er sich ihrem Willen, ließ sich von ihr packen und mitreißen, auch dann noch, als sie ihn jäh unterpflügte. Und wie die letzte starke Wehe, die ihn aus dem Mutterleib in diese Welt gedrängt hatte, spie sie ihn schließlich an Land wieder aus.
Ein Dröhnen in den Ohren, sein Herzschlag ein wildes Toben, robbte er atemlos voran, fort von der Flut, die ihn umtoste. Scharf rieb sich Sand in seine Wunden, Steine und Gräser scheuerten seine Haut auf.
Das glatte Weiß der Häuser warf das Licht der aufgehenden Sonne zurück, und geblendet kniff er die Augen zusammen. Schlanke Schatten lösten sich zu Bäumen auf, stumme Wächter über die gepflegten Gärten hinter niedrigen Mauern. Keiner davon stand einsam, und doch blieb dazwischen eine großzügige, luftige Weite, die keine Zuflucht bot.
Sein Blick fiel auf eine dunkle Blätterwolke. Eine übrig gebliebene Insel der Wildnis