Ich bin hier, und du liegst drunter
»Ich hätte es wissen müssen, als du darauf bestanden hast, dass wir uns auf dem Kiez treffen. Das ist so oberpeinlich!«
Obwohl ich eigentlich total sauer war, nahm ich den von meinen Mädels selbstgebastelten Haarreif ganz vorsichtig vom Kopf. Sie hatten sich wirklich Mühe gegeben, und, ja, der Barbie-Mann sah – nicht zuletzt wegen des Dieter-Bohlen-Stickerei-Hemdes – meinem letzten Exfreund Dominic sehr ähnlich. Die Puppe auf dem Haarreif war so auf eine andere weibliche Puppe geklebt, dass es ohne Kleidung sehr unanständig ausgesehen hätte. Dazu passte der Schriftzug auf unseren T-Shirts: »Ich bin nur noch hier, weil du auf mir liegst«. Sabine, meine Chefin, hatte überzeugende Argumente für mich, das Oberteil anzuziehen: Sie hatte mir angedroht, keine neue Kaffeemaschine für die Agentur zu kaufen, wenn ich mich weigerte, das T-Shirt zu tragen.
Allerdings war mir die Kaffeemaschine egal, wenn es darum ging, Kleiner Feigling und Kondome aus einem extra für mich angefertigten Bauchladen zu verkaufen. Und zwar hier, im Nieselregen, Samstagabend, halb zehn, auf der noch nicht sehr belebten Reeperbahn.
»Ich HASSE Junggesellinnenabschiede, es gibt nichts, was ich mehr hasse als Junggesellinnen- und Junggesellenabschiede, außer vielleicht Fenchel, und sollte ich jemals heir ... «
Weiter kam ich nicht.
»Das ist doch kein Junggesellinnenabschied. Es ist das Gegenteil!«, fuhr mir meine – bis dahin jedenfalls – beste Freundin Caro ins Wort und blies sich eine Strähne ihrer feuerroten Locken aus dem Gesicht. »Wir feiern, dass du endlich wieder Single bist, nach diesem dämlichen Dominic! Und den ganzen anderen Arschgeigen davor. Du bist frei! Du hast sie überstanden, diese Monate der Demütigung, der Missachtung, mit diesem egozentrischen, hirnlosen, von seiner Exfrau noch nicht abgenabelten Langweiler!« Sie drückte mir einen dicken Schmatzer auf die Wange. »Hoch lebe das Singleleben, genieß es, hab One-Night-Stands und wirf dich nicht gleich wieder in die nächste Beziehung! Und dass du jetzt frei bist, bis endlich der Richtige kommt, das feiern wir!«
Wir? Eigentlich waren von uns vieren nur Caro, meine wirklich allerbeste Freundin, mit der ich schon im Sandkasten die besten Sandkuchen gebacken hatte und die mehr über mich wusste als mein Tagebuch, ihre ältere Schwester Bela, die gerade aus München zu Besuch war, und Sabine, meine Chefin, in Feierlaune. Sie hatten sich wohl schon mit Prosecco etwas in Stimmung gebracht, bevor ich dazugestoßen war.
»Na, nicht jetzt doch auch einen Schluck?«, fragte Sabine kichernd. Mit ihrer zarten, geradezu knabenhaften Gestalt vertrug sie überhaupt nichts. Das konnte ein interessanter Abend werden. Aber um ihn halbwegs gut zu überstehen, sollte ich wohl versuchen, mich auf das Niveau meiner Freundinnen zu begeben.
»Habt ihr