Kapitel 1
Das Wasser schimmerte schwarz im Halbdunkel der gedämpften Scheinwerfer, als ob jemand die Wasseroberfläche mit Diamantenpulver bestäubt hätte. Immer wieder berührte mich dieser Anblick aufs Neue, denn gleich würde König Ludwig aus den Fluten auftauchen. Ich sah ihn schon unter Wasser, mit großen Zügen schwamm er an den Beckenrand.
»So, mein Lieber, jetzt bist du dran!«, zischte Andreas Fischbach zwischen den Zähnen hervor und schlich langsam Richtung Bassin, ohne mir Beachtung zu schenken.
Ich traute meinen Augen nicht. Was machte Fischbach hier? Der Geschäftsführer befand sich doch sonst nie um diese Zeit hinter der Bühne.
König Ludwig tauchte mit der dunklen Haarpracht aus dem Wasser auf, wollte sich gerade am Beckenrand hochstemmen, als Fischbach ihm mit einer Holzlatte so auf den Schädel schlug, dass dieser benommen im Wasser zurücktaumelte. Blut ergoss sich als schwarze Flüssigkeit in das Becken. Oder bildete ich mir das nur ein?Was verdammt noch mal soll das? Ich geriet in Panik, fühlte, wie meine Nackenhaare sich aufstellten. Und war dabei wie gelähmt. König Ludwig fasste sich mit einer Hand an die Kopfwunde, wollte zurück zum Beckenrand schwimmen, dachte wohl, das wäre ein Unfall, aber wieder holte Andreas Fischbach aus, um auf den ahnungslosen König einzudreschen.
Das kann ich nicht zulassen, dachte ich, rannte um das Bassin herum. Dabei machten meine Krallen auf den Holzdielen klackernde Geräusche. Um Schlimmeres zu verhindern, biss ich Fischbach in die Wade. Nicht gerade sanft.
Dieser konnte es nicht fassen, wollte mit dem Holz nach mir schlagen, doch dank seiner stark blutenden Wunde, die nun all seine Aufmerksamkeit auf sich zog, konnte er mich weder mit der Latte treffen noch mich verfolgen.
»Du Sauhund. Ich bring dich um«, schrie er.
Da erschien endlich Sissi in der Türe zur Hinterbühne. Keine Sekunde zu früh. Sie eilte zu mir, und ich sprang mit meinen Vorderbeinen an ihr hoch. Schützend hob sie mich auf ihre Arme.
»Du bringst hier niemanden um«, fauchte sie Fischbach an, ihre grünen Augen funkelten bedrohlich und wirkten noch grüner als sonst.
Nun tauchte König Ludwig wieder auf und kletterte aus dem Wasserbecken. Sissi schrie um Hilfe. Alles ging unglaublich schnell, während das Orchester im Zuschauerraum unbehelligt von dem Tumult, der hinter der Bühne ablief, weiterspielte. Thomas Gubath alias König Ludwig hielt sich geschockt die blutende Platzwunde. Die hohen, schwarz gestrichenen Betonwände und ebenholzfarbenen Holzdielen ließen das ganze Geschehen noch unheimlicher wirken.
Es herrschte ein wildes Stimmengewirr. Andere Schauspieler, Bühnentechniker und Giovanni Bellini, Intendant und Regisseur, rasten auf den hinteren, für die Zuschauer nicht sichtbaren Teil der Bühne, wo sich das Wasserbecken