: Marion Alexi
: Familie mit Herz 5 Kinder, Katzen - Kuppeleien
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732554737
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Die fünfjährige Nele fühlt sich als Einzelkind und ohne Papa oft sehr einsam. Doch eines Nachmittags beim Spielen entdeckt das Mädchen eine Katze im Garten. Das arme Tier ist völlig ausgehungert und erschöpft - und erwartet außerdem Nachwuchs!

Nele kümmert sich liebevoll um die schwarze Katze, die sie auf den Namen Tinka tauft. Die Kleine weiß: Sie darf ihre neue Freundin jetzt nicht im Stich lassen! Doch Neles Mutter wehrt sich vehement gegen den Familienzuwachs: zu viel Arbeit, zu viel Dreck, zu teuer! Aber diese Argumente zählen für Nele nicht, und so will sie ihre Mutter ablenken. Wie das funktioniert? Na, am besten mit einer neuen Liebe. Und so zieht die kleine Nele los zum Nachbargrundstück, wo Rolf mit seinen beiden Kindern lebt ...

Der erste schöne Sonntag seit vielen Wochen. Prall schien die Vormittagssonne auf den schmalen lang gestreckten Garten, der hinter dem rot verklinkerten Reihenhaus ganz still und friedlich im Sonnenschein dalag.

Drüben auf dem Nachbargrundstück regte es sich. Ein etwa zehnjähriger Junge trottete mit mürrischer Miene über den Rasen und holte ein vergessenes Spielzeug ins Haus. Durchs weit geöffnete Fenster drang die schrill keifende Stimme seiner Mutter nach draußen, verlor sich aber schnell im Flimmern des Vormittags.

Etwas Hoffnungsloseres als den Anblick eines traurigen Kindes gibt es wohl nicht, dachte Amrei Gebert.

Die schlanke junge Frau stand regungslos auf der noch schattigen Terrasse und schaute in den Garten. Die fast strenge Reinheit der Züge in ihrem Gesicht passte zu der Blässe des Teints.

Nur der Hauch von Melancholie in ihrem Blick störte die Ausgewogenheit ihrer Miene.

Amrei Gebert war eine auffallend hübsche Frau mit ihren blauen Augen und dem ganz leicht gewellten Haar von der Farbe honigfarbenen Bernsteins. Sie trug es in der Mitte gescheitelt, und an den Schläfen krauste es sich wie jene komischen Wellen auf den Zeichnungen ihrer Tochter Nele.

Im vollen Sonnenschein, der nach heißen Blättern und süßem Flieder duftete, saß Nele Gebert im Schneidersitz im Gras und beobachtete mit gespannter Aufmerksamkeit die schwarze Katze, die sich mit Heißhunger über das Fleisch auf dem Teller hermachte. Das Tier schien völlig ausgehungert und war in einem erbärmlichen Zustand. Am Rücken waren Stücke aus dem Fell herausgerissen, zerschunden und blutig schimmerte die Haut hervor.

Als Nele sie vorhin vor der Gartentür gefunden hatte, hatte sie besonders der angstvolle Blick aus dem verstaubten Katzengesicht jäh beklommen gemacht.

»Sie frisst immer noch, Mami!«, ließ sich Nele jetzt vernehmen und sah ihre Mutter flüchtig aus den Augenwinkeln an.

Amrei Gebert putzte jetzt das große Terrassenfenster und nickte ihrer Tochter zu. Die Arbeit war anstrengend, weil der Tag ungewöhnlich heiß zu werden versprach. Schon jetzt standen der jungen Frau feine Schweißperlen auf der Sti