: Gabriele Ketterl
: Edinburgh on the Rocks Roman
: Forever
: 9783958181700
: 1
: CHF 4.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 350
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Für die 21-jährige Anabel erfüllt sich ein Traum, als sie ihre Zusage zum Studium an der Kunsthochschule in Edinburgh bekommt. Kurzerhand lässt sie ihr altes Leben hinter sich und zieht in eine WG in Schottland. Als sie eines Nachts jedoch alleine durch den verlassenen Holyrood Park nach Hause läuft, steht sie plötzlich einer Truppe betrunkener Hooligans gegenüber. Zum Glück kommt ihr ein mysteriöser, schwarz gekleideter Motorradfahrer zu Hilfe. Zwar ist dieser ihr fast so unheimlich wie ihre Angreifer, doch seine faszinierenden blauen Augen gehen ihr von da an nicht mehr aus dem Kopf. Einige Tage später wird Anabel von ihren Mitbewohnern auf das Konzert einer angesagten Rockband mitgeschleppt. Sie traut ihren Augen kaum, als sie in dem attraktiven Sänger der Band ihren Retter wiedererkennt ... 

Gabriele Ketterl, geboren in München, studierte Amerikanistik und Theaterwissenschaften an der Ludwig Maximilians Universität. Inspiration für ihre Geschichten sammelte sie durch zahlreiche Auslandsaufenthalte, unter anderem in Los Angeles, London und Madrid. Über zwei Jahre lebte sie auf den Kanarischen Inseln, weshalb sie Teneriffa als ihre zweite Heimat bezeichnet. Die Autorin hat 2013 ihren ersten Roman veröffentlicht und es folgten bereits viele weitere. Heute lebt Gabriele Ketterl wieder in München.

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Kunsthochschule München, März 2016

»Anabel, die Bilder sind wirklich der Wahnsinn. Und Sie wissen genau, wenn ich das sage, dann hat es etwas zu bedeuten.«

Ja, das wusste sie allerdings. Wenn sich Professor Klaus Hübner zu einer derartigen Aussage hinreißen ließ, dann war das von einem Ritterschlag nicht allzu weit entfernt.

»Meinen Sie wirklich? Ich war mir noch ein wenig unsicher.« Erneut ließ Anabel ihren Blick über die vor ihnen auf dem Tisch ausgebreiteten Zeichnungen und Aquarelle schweifen.

»Sehen Sie, genau daran müssen wir dringend arbeiten. Sie müssen endlich Selbstbewusstsein an den Tag legen. Na los, sehen Sie sich an, was Sie geleistet haben, das muss Ihrem Ego doch einen Schubs in die richtige Richtung geben, oder?« Sichtlich neugierig musterte er sie.

Anabel zog die Schultern hoch. »Ja, schon. Zumindest ein bisschen.«

Nachdenklich schüttelte ihr Professor den Kopf. »Anabel, Anabel, was soll ich nur mit Ihnen tun? Ach, wissen Sie was? Da überlegen wir jetzt gar nicht lange. Mein lieber Freund Ivo hat in Schwabing diese etwas abgefahrene Galerie. Ich weiß, dass er für die nächste Ausstellung noch junge Künstler sucht. Ich melde Sie da an, basta.«

»Aber …« Weiter kam sie nicht.

»Nichts da, ich will kein ›aber‹ hören. Sie werden sich nun endlich einmal, zusammen mit Ihren Werken, der Öffentlichkeit präsentieren. Ich habe das beschlossen und somit gibt es kein Zurück.« Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und er kratzte sich nachdenklich an seinem schon ergrauten Bart. »Dass man euch Jungvolk immer zu eurem Glück zwingen muss. Komisch, die mit wesentlich weniger Talent glauben immer, dass sie mindestens im Prado in Madrid ausstellen müssten. Also, Anabel, Schultern zurück, Brust raus, Kopf hoch und los geht’s!«

Professor Hübner klopfte ihr noch einmal aufmunternd auf den Rücken und entschwand sodann in seine nächste Vorlesung.

Da stand sie nun: unglaublich stolz und zugleich dermaßen aufgeregt, dass ihre Hände zitterten, während sie ihre Bilder vorsichtig wieder zusammenrollte und in die Hülle steckte. Das erste Jahr war eine Katastrophe gewesen, was nicht zuletzt in ihrer eigenen Unsicherheit begründet lag. Doch seitdem war es stetig bergauf gegangen.

Eine Ausstellung, noch dazu in einer sehr angesagten Galerie, war in München eine unglaubliche Chance, selbst wenn sie nur eine von vielen sein würde.

Voller Freude packte Anabel ihre Sachen zusammen und beeilte sich, den Zug nach Starnberg zu erreichen. Hoffentlich waren ihre Eltern nun endlich einmal stolz auf das, was ihre Tochter vorweisen konnte.

»Bellchen, Mäuslein, da bist du ja endlich. Wir warten schon seit einer Stunde.«

Der leicht anklagende Ton in der Stimme ihrer Mutter ließ prompt einen Teil ihrer Freude verpuffen. Himmel noch mal, konnte sie denn nicht einmal nach Hause komm