: Tomas Sjödin
: Wo du richtig bist Vom Aufbrechen und Heimatfinden
: R.Brockhaus
: 9783417228960
: Ruhe und Achtsamkeit
: 1
: CHF 12.60
:
: Religion/Theologie
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Suchen Sie nach Ihrem Platz im Leben? Oder fragen Sie sich, ob Sie am richtigen Ort angekommen sind? Auch Tomas Sjödin bewegen diese Lebensfragen und er macht sich auf die Suche nach Antworten: Er folgt der Spur seines 'Zwillings', des zweifelnden Apostels Thomas. In ihm findet Sjödin einen Seelenverwandten, jemanden, den er versteht und von dem er sich verstanden weiß. Er begibt sich auf eine persönliche Spurensuche, bei der er die Stationen seines Lebens, und die seines 'Zwillings' bereist. Und er macht Entdeckungen, die er am heimischen Schreibtisch nicht gemacht hätte. Hoffnungsvoll fordert das Buch Sie heraus, alles infrage zu stellen, aus dem Vertrauten aufzubrechen und den eigenen Platz und die eigene Berufung zu finden.

Tomas Sjödin (Jg. 1959) wohnhaft bei Göteborg, ist ein schwedischer Schriftsteller und pensionierter Pastor. Er kommt aus der Pfingstbewegung, ist aber seit vielen Jahren ökumenisch tätig, darunter in vielen Radio- und Fernsehsendungen. Seine Bücher und Zeitungskolumnen sind oft autobiografisch grundiert und humorvoll. Seit der schweren Erkrankung und dem Tod von zweien seiner drei Söhne beschäftigen sie sich aber auch immer wieder mit Leid und Trauer.

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Caravaggio, Thomas und ich


In den Wochen, bevor ich mich nach Deutschland aufmachte, verging die Zeit im Sauseschritt. Unsere karitative Arbeit explodierte förmlich, die Not wurde immer bedrückender und unsere Kirche hatte das Glück, zu einem Ort zu werden, den viele aufsuchten, um Hilfe zu finden.

Bei so etwas dabei zu sein und die wachsende Schar Freiwilliger anzuleiten, ist zutiefst befriedigend. Zusehen zu dürfen, wie sie die kleinen Dinge tun, die möglich sind, das ist, als beobachte man ein loderndes Feuer der Hoffnung, welches gegen alles steht, was unmöglich erscheint. Aber es ist auch ermüdend. Die Not ist real, und es ist schwer, nach Hause zu gehen und Dinge zu genießen, die vergleichsweise luxuriös sind, während andere Menschen sich für das Lebensnotwendige abmühen.

Auf dem Weg zu einer Lesung in der Nähe von Heidelberg leiste ich mir einen zusätzlichen Tag in Potsdam. Es ist eine Art Ironie des Schicksals, dass Michelangelo Merisi da Caravaggios GemäldeDer ungläubige Thomas ausgerechnet in einem Schloss mit dem Namen Sanssouci hängt, was doch »ohne Sorge« heißt. Ich reise dorthin, um das Bild »in echt« zu sehen.

Es fühlt sich an, als würde ich von einer vollen Autobahn auf eine stille Dorfstraße abbiegen. Ich gelange an den vielleicht stillsten Ort, den ich je besucht habe. Dabei ist das Schloss keinesfalls menschenleer, aber es herrscht jene Sonntagsstille, nach der ich mich gesehnt habe.

Ich glaube fest daran, dass man seinen Impulsen folgen soll, und ich habe mein Leben lang dieser Überzeugung entsprechend gehandelt. Mit den Jahren habe ich es sogar noch häufiger getan, habe auf die schwachen Signale zu hören gewagt und dann tatsächlich umgesetzt, was ich für richtig hielt. Von Interesse und Sehnsucht geleitet, bin ich auch schwer begreiflichen Impulsen gefolgt.

Wenn man etwas Wertvolles finden möchte, muss man genau hinschauen. Wenn man sich damit begnügt, nur die Oberfläche der Dinge zu scannen, muss man nehmen, was man findet. Eine oberflächliche Allgemeinbildung ist im Vergleich zu vertieftem Wissen breit und leicht, aber die Vertiefung kann per Definition nur in einem kleinen Bereich geschehen. Wenn man unter die Oberfläche gelangen möchte, muss man Grenzen ziehen, sich mit dem beschäftigen, was einen neugierig macht, und anderes beiseitelassen. Es gibt vieles, was man nicht muss.

Mein plötzlich aufflammendes Interesse für Kirchenglocken führte mich durch die Slowakei und später zu einer zweitägigen Glockenkonferenz auf dem englischen Land. (Ich habe darüber in meinem BuchEtt brustet halleluja –Ein gebrochenes Halleluja2 geschrieben.) Johannes vom Kreuz lockte mich auf eine Pilgerreise nach Andalusien, und mein Wunsch, Jean Vanier, den Gründer der Arche-Kommunität, kennenzulernen, hat mich dazu gebracht, mich für eine fünftägige französischsprachige Retraite in Trosly wenige Kilometer nördli