Einer der beiden von Fernand »gelieferten« Namen schläft. Die Tür seines Zimmers wird aufgestoßen. Handfeuerwaffen und drohend geschwenkte Maschinengewehre, Hände hoch, Taschenlampen mitten ins Gesicht. Sie drücken auf den Lichtschalter. Fabien erhebt sich benommen, aber er versteht sehr genau, was passiert. Schöne Grüße von Iveton, schiebt einer der Offiziere nach, als wäre nicht alles schon klar. Das Zimmer wird auf den Kopf gestellt, in einer Pappschachtel unter ein paar Hosen werden Kabel gefunden. Fabien kriegt einen Faustschlag ins Sonnengeflecht, und während er zusammengekrümmt nach Atem ringt, streckt ihn ein weiterer rechts ins Gesicht zu Boden. Bastelst du damit die Bomben? Schert euch zum Teufel, gibt er zurück, bevor ihm ein Stiefel in die Rippen springt.
Auch Hachelafs Frau wird festgenommen. Man fährt sie ins selbe Revier, um beide einander gegenüberzustellen – sie tun, als kennten sie sich nicht, nein, sein Gesicht sagt mir nichts, nie gesehen, tut mir leid. Fabien wird ausgezogen, Stockschläge auf die Fußsohlen, Elektroden an die Hoden, er schickt sie weiter zum Teufel und in die Hölle, Imperialistenpack, man schmiert ihn mit einem seltsamen Gel ein, dessen Namen er nicht kennt, Pomade, höhnen die Bullen. Das Lachen ist das spezifische Merkmal des Menschen, sagt man, und das sieht nicht schön aus. Sie reiben es ihm auf »die Weichteile«, doch selbst die Anführungszeichen schmerzen: ein Gefühl von Säure, brennt, nagt, frisst, er brüllt, rede und du leidest nicht mehr, er weiß nicht, wo die hergestellt werden, nein, und auch nicht, wer sie bastelt, Fabien beißt sich von innen auf die Wangen, nicht ein Wort dringt aus seinem Mund.
Die Nacht streicht über seinen mit Narben übersäten Körper hinweg.
Fernand wacht auf. Das heißt, er wird geweckt. Wie zerschlagen, kaum fähig, gerade zu gehen. Er kratzt sich die Nase – ein ständiges Gefühl von Wasser darin. Die Presse ist da für dich, sie warten schon, zieh deine Klamotten an. Der Direktor der Nationalen Sicherheit hat sich in voller Montur aufgebaut, der Kommissar, ein gewisser Parrat, versucht, es ihm gleichzutun. Ihnen gegenüber ein Dutzend Journalisten und Fotografen. Fernands Hände sind vor seinem Körper in Handschellen gelegt. Grelles Blitzlichtgewitter, weiße Spucke. Er kneift die Augen zusammen, das Haar zerzaust und fettig, den Blick am Boden. Man teilt ihm mit, sein Name prange auf den Titelseiten sämtlicher algerischer Zeitungen.Sicher hätte er seine tödliche Waffe nach der Arbeit irgendwo in einem Bus, einer Straßenbahn oder einem Geschäft ablegen sollen, wo sie weitere Frauen und Kinder grausam verstümmelt und Unschuldige getötet hätte, behauptetLa Dépêche quotidienne … Fragen hageln auf ihn ein und prallen zurück, Geifer für die Meinung, das ausgelieferte Tier im Schlachthof. Er antwortet, so gut er kann, ohne Einzelheiten zu nennen und ohne mehr zu sagen als nötig. Seine Worte zittern, erschöpft vom Hunger und den Martern des Vorabends. Nein, seine Zelle hat nichts mit den Attentaten in der Milk-Bar und im La Cafétéria zu tun; nein, er ist kein Mörder, sondern ein politischer Aktivist, seine Operation war ausschließlich auf die Gasfabrik gerichtet, auf Betriebsanlagen, nicht mehr, niemand sollte bei der Explosion zu Schaden kommen, darauf hatte er sich persönlich mit seinen Kameraden verständigt, alles war so geplant, dass kein Blut fließen würde; ja, er ist Kommunist. Er antwortet und knetet dabei unruhig die Hände. Man erklärt ihm, eine zweite Bombe, auf der der Name »Jacqueline« stehe (auf seiner »Betty« – eine Freundin von Taleb, auch das wissen die Journalisten), sei im Morgengrauen in einem Mannschaftswagen der