: Barbara Edelmann
: Mordsdepp Allgäu Krimi
: Emons Verlag
: 9783960412649
: 1
: CHF 3.60
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 368
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein humorvoll-bissiges Krimi-Schmankerl aus dem Allgäu. 'Wir trauern doch, wir können es nur nicht so zeigen!' - mehr erfährt die Memminger Kommissarin Sissi Sommer von den Hinterbliebenen nicht, als Sepp Güthler tot in seiner Güllegrube liegt. Alle Verdächtigen lügen wie gedruckt, und gemeinsam mit ihrem Kollegen Klaus Vollmer aus Berlin muss sie tief in die Trickkiste greifen, um dem Täter auf die Schliche zu kommen.

Barbara Edelmann, geboren in Mindelheim, lebt seit Jahrzehnten glücklich und zufrieden im Allgäu und möchte nirgendwo anders auf der Welt sein. Ihre Beobachtungen und Erfahrungen verarbeitet sie in ihren Allgäu Krimis.

Montagmittag, Güthlerhof


In der blitzsauberen Küche des Güthlerhofes roch es verführerisch nach Kraut und Wammerl. Trotz der brütenden Junihitze hatte die Hausherrin kräftig aufgekocht, denn ihre Männer brauchten Fleisch – die gaben sich mit ein paar Dampfnudeln oder Maultaschen nicht zufrieden und zogen zur Not selbst los, um sich einen Braten im Wald zu holen, wenn ihnen das Essen nicht passte. All das hatte die leidgeprüfte Martha Güthler schon erlebt und wollte es nicht mehr darauf ankommen lassen, denn ihr Mann, der Sepp, war ein – wie man im Allgäu sagt – »Zorabinkel«, was von dem Wort »Zorn« abgeleitet ist.

Der Güthlerhof, eines der schönsten Gebäude im Landkreis, lag inmitten weiter grüner Wiesen etwas außerhalb von Legau, dem schmucken, prosperierenden Dorf im Herzen des Unterallgäus. Seit vielen Generationen im Familienbesitz, machte das Anwesen für jeden Fremden, der sich ihm zufällig näherte, beste Werbung für »Urlaub auf dem Bauernhof«.

Dunkelgrüne aufwendig bemalte Holzläden zierten die schneeweiße Fassade, und an jedem Fenster rankte sich ein Meer aus verschiedenfarbigen Petunien dem Besucher entgegen, von der Hausherrin liebevoll gepflegt und gedüngt. Neben dem Haupthaus in den angeschlossenen Stallungen war nur gelegentlich leises Muhen zu vernehmen.

Der ganze Hof zeugte von Fleiß, Sauberkeit und unermüdlicher Arbeit. Nicht umsonst wurden die Güthlers von vielen im Dorf beneidet, und Sepp Güthler hatte schon oft lukrative Verkaufsangebote erhalten, aber jedes Mal herzlich darüber gelacht und anschließend den Vogel gezeigt. Nie im Leben würde er sich von seinem Schmuckstück trennen, das wurde jedem potenziellen Käufer mit mehr oder weniger sanftem Nachdruck klargemacht.

Jetzt, zur Mittagszeit, konnte man nicht einmal die Stallkatzen auf dem Asphalt sitzen und sich in der Wärme räkeln sehen, denn die Junisonne brannte mit unbarmherziger Kraft auf grün gestrichene Blumenkübel und die frisch lackierte Holzbank neben der Tür. Drinnen im Haus war es angenehm kühl, nur in der Küche nicht, wo Martha seit mittlerweile einer Stunde hektisch mit Töpfen und Pfannen klapperte, um pünktlich das Mittagessen auf den Tisch zu bringen.

»Wo ist der Vater?« Bertram Güthler, ein hochaufgeschossener schlanker Mann Mitte dreißig, der sich beiläufig durch das dunkelblonde verstrubbelte Haar fuhr und seine Arbeitsmütze achtlos neben sich auf die hölzerne Eckbank warf, sah seine Mutter fragend an.

»Der Papa ist gewiss noch im Stall. Da geht jetzt besser keiner rein«, entgegnete Martha, eine schlanke Frau Ende fünfzig, unter deren blauem Kopftuch sich ein paar von Küchendünsten gekräuselte Locken vorwitzig in die Stirn ringelten. Martha war drahtig mit harten, wie eingekerbt wirkenden Gesichtszügen, vor allem um die Mundwinkel. Besonders um die tief in den Höhlen liegenden hellwach funkelnden Augen hatten sich markante Kummerfalten eingegraben.

Aus dem Stall war weiterhin kein Mucks zu ve