1. KAPITEL
„Ich bin in der Londoner Wohnung, wir können uns bald sehen. Jake ist nicht da … Nein, ich habe ihm nichts davon erzählt. Lass uns darüber sprechen, wenn wir uns sehen, jetzt muss ich aufhören,Darling. Aber wir sehen uns, versprochen.“ Claire Winter legte den Hörer auf, während ein leichtes Lächeln ihre elegant geschnittenen Gesichtszüge umspielte. Doch auf einmal überkam sie eine seltsame Vorahnung. Sie drehte sich langsam auf dem mit Seide bezogenen Sofa um, und ihre wasserblauen Augen zogen sich zusammen, als sie bestätigt sah, was sie befürchtet hatte.
„Ich dachte, du bist in Rom“, stammelte sie und ärgerte sich gleichzeitig über diese dumme Bemerkung. Der Mann ihr gegenüber zog eine Augenbraue hoch und gab seinem Blick einen spöttischen Ausdruck.
„Nett, dass du mich aufklärst. Ich dachte, in Mayfair zu sein.“
Sie betrachtete ihn, wie er sich langsam von dem Türpfosten löste, an den er sich gelehnt hatte. Wie lange hatte er dort schon gestanden? Und was hatte er von dem Telefonat gehört …? Meine Güte, sah er gut aus! Immer, wenn sie ihn so anschaute, war sie von seiner männlichen Ausstrahlung fasziniert. Er war der leidenschaftliche Traummann, der die Fantasie aller Frauen beherrschte.
Und dessen war er sich sehr wohl bewusst. Er hatte mehr Sex-Appeal als gut für ihn war, was seine Überheblichkeit dem anderen Geschlecht gegenüber erklärte. Jede Frau, die ihm über den Weg lief, verfiel ihm auf der Stelle. Selbst seine Mutter hatte diesem Charme nicht immer entgehen können, und sie musste doch wissen, dass mit ihm nicht immer gut Kirschen essen war. Er hatte alles, was es brauchte, um Frauen den Kopf zu verdrehen: blendendes Aussehen, strotzende Kraft, Macht und eine starke Persönlichkeit.
Claire stand entschieden auf. Er erwartete von ihr, dass sie sich jederzeit im Griff hatte, und so gab sie sich nach außen kühl, gepflegt und elegant. Das dunkle Haar trug sie kurz geschnitten, ein zweiteiliges Seidenkostüm unterstrich ihre schlanke, feine Gestalt.
„Ich war davon ausgegangen, dass du erst in einigen Tagen zurückkommst.“ Sie versuchte, ihrer Stimme einen kühlen Tonfall zu geben, doch trotz aller Anstrengungen schwang eine vorwurfsvolle Nuance mit. Jake war das offenbar nicht entgangen, denn er gab scharf zurück:
„Das scheint mir auch so. Mit wem hast du telefoniert? Oder ist das eine Frage, die ein Ehemann nicht stellen sollte?“
„Mit Liz“, antwortete Claire eine Spur zu schnell. In seinen Augen lag ein beunruhigendes Glitzern. Offensichtlich glaubte er nicht, dass sie mit ihrer Mutter gesprochen hatte.
Sie schaute ihm zu, wie er langsam in das prachtvoll eingerichtete Wohnzimmer ihrer Londoner Wohnung trat und das graue Jackett ablegte, reckte das Kinn vor und gab sich ein hartnäckiges Aussehen, obwohl es in ihr ganz anders aussah.
„Ich hoffe, es geht ihr gut.“ Er legte die Krawatte ab. „Ich habe überraschenderweise einige Tage frei. Vielleicht sollten wir sie besuchen. Sicher würde sie preisgeben, was du mir nicht erzählen willst.“
Der offene Hohn ließ Claire rot werden. Sie war so durcheinander, dass ihr nicht die rechte Antwort einfiel. Deshalb beschloss sie, dass Angriff die beste Verteidigung sei. Sie griff zu der Zeitung, die neben ihr auf einem Beistelltisch lag und schlug sie auf. Wie schon so oft an diesem langen Samstag. Wieder hatte sie das Foto vor Augen: Ihr Ehemann, wie er den Arm lässig um eine wunderschöne Frau legte. Die Buchstaben tanzten ihr vor den Augen, doch gelang es ihr zu lesen: Romanze zwischen dem Multimillionär Jake Winter und der unwiderstehlichenprincipessa Lorella Giancetti?
„Die Paparazzi haben euch erwischt“, kommentierte sie und reichte ihrem Mann die Zeitung. Um die Winkel seines strengen, doch fein geschnittenen Mundes spielte ein leichtes Lächeln, als er das Foto betrachtete.
„Eifersüchtig, Claire?“ Einen Augenblick lang schaute er ihr tief in die Augen, und wieder lag unverhohlener Spott darin. Dann ließ er den Blick langsam über ihren Körper wandern, so als wollte er den schlanken Körper mit den üppigen Formen der italienischenprincipessa, die kaum von einem knappen, sündhaft teuren Abendkleid verhüllt wurden, vergleichen.
„Nein, tut mir Leid“, gab Claire zurück. „Bevor wir geheiratet haben, haben wir eine Reihe von Abmachungen getroffen. Wenn ich mich recht erinnere, war eine davon, dass wir beide bei außerehelichen Affären mit größter Diskretion vorgehen wollten.“ Sie zeigte auf das Foto. „Das da kann man wohl kaum Zurückhaltung nennen, oder?“
„Nein. Ich entschuldige mich dafür.“ Er legte die Zeitung beiseite, während Claire aufstand, um Jackett und Krawatte wegzuräumen. So konnte sie es wenigstens verm