11
Das Schloss war umgeben von einer dichten Schneedecke und blickte majestätisch auf den rapsgelben Kleinwagen herab, der abgebremst hatte und nun zitternd die Kurve nahm, um direkt auf den Parkplatz für Angestellte zuzusteuern, anstatt zum Portal, vor dem ausschließlich schwarze und marineblaue Audis standen.
Barbara schmerzten ihre rauen Finger, sie setzte ihre riesige Samsonite-Kiste aus den frühen Neunzigern auf den mit einer Schicht Schnee überzuckerten Kieselboden und atmete lautstark aus. Alexander schnaufte wie nach einem Sprint und schüttelte seine Hand, in die sich der Abdruck des Griffes gegraben hatte.
Hätten sie mit ihren Hartschalenkoffern in Mexico City gestanden, es hätte sich nicht fremder angefühlt.
Sie blickten auf das weiß gerahmte Portal und Alexander wurde klar, dass er es in seinem Leben zu nichts gebracht hatte. Über fünfundvierzig Jahre hatte er einfach nur gearbeitet, weil man arbeiten musste, hatte sich jedes Jahr mehr dabei gelangweilt, diese verdammten orthopädischen Schuhe herzustellen, sich gewünscht, er hätte einen Beruf, bei dem er noch etwas Überraschendes lernen, bei dem sich wirklich Grundlegendes verändern würde in der Art, wie er seine Tage verbrachte.
Und wenn er es sich recht überlegte, war das hart verdiente Geld, das er in die Kinder gesteckt hatte, auch keine gute Investition gewesen. Es war ja nicht so, dass man sie jetzt noch um etwas würde bitten können. Sie waren schließlich nicht in Indien, wo man die Kinder bekam, damit sie einmal für einen sorgten. Deutsche Kinder konnte man noch nicht einmal fragen, ob sie einen besuchen kämen, wenn man nicht schwer erkrankt war oder einen runden Geburtstag beging. Der nun hoffentlich zum letz