: Elfi Hartenstein
: Moldawisches Roulette Krimi
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955309190
: 1
: CHF 2.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 277
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Pia Ritter lebt seit kurzem als Deutschlehrerin in der moldawischen Hauptstadt Chi?inau. Wolf, ihr Freund, ist weit weg, zu Hause in Deutschland. Sie telefonieren fast täglich, aber das ändert nichts daran, dass sie in diesem Land, in dem vieles nicht zu stimmen scheint, allein zurechtkommen muss. So fällt ihr eines Abends im Spielcasino auf, dass am Roulettetisch offenbar Geld gewaschen wird. Ein paar Tage nach einem Besuch in der berühmten staatlichen Weinkellerei Cricova meldet das Fernsehen, dass aus der Schatzkammer einige wertvolle Flaschen gestohlen wurden, die einst Hermann Göring gehörten. Kurz darauf wird Pia erpresst. Hinzu kommen nicht nur sprachliche Verständigungsprobleme und die Tatsache, dass die Menschen wegschauen - sie haben andere Sorgen, alltäglichere. Immer tiefer gerät Pia in den bis in höchste Regierungskreise hineinreichenden Sumpf aus Bestechung, Vetternwirtschaft, Autodiebstahl, Schieberei, Devisenschmuggel, Geldwäsche und politischem Mord. Zum Glück aber gibt es Tamara, Pias Kollegin - und Wolf, der zu Hause in Deutschland detektivischen Spürsinn entfaltet. Ein spannender, einfühlsamer Politthriller über das Leben und Überleben in der ehemaligen Sowjetrepublik Moldawien fünf Jahre nach der Unabhängigkeit, noch heute einem der ärmsten Länder im Osten Europas.

Elfi Hartenstein, 1946 in Starnberg geboren, arbeitete nach dem Studium der Germanistik und Geschichte als Lehrerin in Bremen. Seit Ende 1989 ist sie freiberuflich als Autorin, Übersetzerin, Lektorin und Ghostwriterin tätig.

3


Endgültig vorbei war der Abenteuerurlaub, als Wolf eine Woche später nach Hause aufbrach.

Fünf Tage lang hatten wir im Hotel National zähneknirschend Ausländerpreise berappt, was uns zwar nicht den Luxus eines Kühlschranks oder eines Fernsehers mit Kabelanschluss einbrachte, aber zumindest die Sicherheit, dass das Auto mit meinen Habseligkeiten auf einem umzäunten bewachten Parkplatz stehen konnte. An der Universität, zu der wir uns am ersten Tag durchfragten, stellten wir fest, dass außer der Pförtnerin und ein paar Putzfrauen noch keine Menschenseele auf dem Posten war. Auch unter meiner Kontakttelefonnummer war niemand zu erreichen. Als wir zwei Tage später endlich Tamara, die gerade von ihrer Datscha in die Stadt zurückgekommen war und noch gar nicht damit gerechnet hatte, dass ich schon hier sein könnte, an die Strippe bekamen, hatten wir die Erkundung der Stadt weitgehend beendet und begriffen, warum die Vertreter der Tourismusbranche hier keine Goldgruben wittern.

»Möchte wirklich gern wissen, wer auf die Idee gekommen ist, ein verschlafenes Fünfzigtausend-Einwohner-Städtchen innerhalb von vierzig Jahren auf Metropolenmaß zu bringen«, hatte Wolf kopfschüttelnd gesagt. »Achthunderttausend Menschen in hässliche riesige Wohnblocks zusammenzupferchen – wer sich so etwas ausdenkt, sollte zur Strafe selbst lebenslänglich da wohnen müssen.«

Wir waren uns einig, dass ich mich unter keinen Umständen in eine Wohnung irgendwo an der Peripherie verfrachten lassen würde. Diese Tristesse zu ertragen, traute ich mir nicht einmal für die geplanten zwei Jahre zu. Obwohl anzunehmen war, dass die Wohnungen selbst nicht so verlottert waren, wie der äußere Eindruck es vermuten ließ.

Zum Glück hatte auch Tamara sich darüber Gedanken gemacht.

Über die Wohnung, die sie für mich auftrieb, kann ich mich nicht beklagen, auch wenn angesichts der hiesigen Einkommensverhältnisse eine Miete von 150 Dollar für zwei Zimmer krass überhöht ist. Doch dass man von Ausländern gern ein bisschen mehr nimmt, hatten wir ja bereits im Hotel erfahren. Immerhin aber haben die Häuser in dieser schmalen, von hohen Akazien gesäumten Einbahnstraße nur acht Stockwerke. Es gibt ein paar kleine Läden, eine Bushaltestelle, einen Taxistand und abends meistens auch Licht aus Straßenlampen. Und zur Uni kann ich, wenn mir danach ist, sogar zu Fuß gehen.

Einziehen konnten wir zwei Tage später. Und weil Wolf, vorausschauend, wie er ist, nicht nur Werkzeug, sondern auch Unmengen von Telefonkabeln eingepackt hatte, konnte er, während ich Möbel hin- und herrückte und meine Siebensachen verstaute, Telefon, Fax und Internetanschluss in Gang bringen. Dann machten wir uns auf den Weg zu Tamara, die zwei Straßen höher am Berg wohnt und es sich nicht hatte nehmen lassen, ein Abschiedsabendessen für Wolf vorzubereiten. Am nächsten Vormittag musste er los.

»Pass bloß auf«, sagt er, als wir uns im Flughafen zum letzten Mal im Arm hielten. »Ich meine, Tamara und Igor haben es ja sicher gut gemeint, aber dieser selbst gekelterte Wein … Ich behaupte gar nicht, dass ich Kopfschmerzen habe, aber so richtig wohl ist mir nicht unbedingt.«

Ich nickte gehorsam. Obwohl es wahrscheinlich nicht am Wein lag, warum auch ich mich im Moment nicht besonders wohl in meiner Haut fühlte.

»Aber bis ich in sechs Wochen wiederkomme«, sagte Wolf, »hast du bitteschön die nettesten Kneipen ausfindig gemacht.«

»Selbstverständlich«, sagte ich und hoffte, dass ich nicht allzu kläglich klang. Mitte Oktober schien Lichtjahre entfernt. Und dass es hier irgendwo