Raschen Schrittes durchquerte Andrea Gräfin von Warwitz den Innenhof des großen Schlosses, das seinen Platz am Ufer eines idyllischen Sees in Bayern hatte. Die Gräfin strebte das Büro der Fürstin an, das sich im Erdgeschoss des Mittelflügels befand.
Seit einem halben Jahr arbeitete sie nun für Johanna von Erlbach und hätte es nicht besser treffen können. Die Fürstin war eine freundliche, aufgeschlossene Frau, die nicht hochmütig auf Menschen herabsah, denen es verwehrt war, in die goldene Wiege hineingeboren worden zu sein oder denen das Schicksal übel mitgespielt hatte, wie Andreas Familie.
Einst von angesehenem Adel und mit einem großen Besitz in Litauen gesegnet, war ihr Großvater Bernhard Graf von Warwitz nach dem Krieg in bittere Armut abgerutscht. Man hatte ihn enteignet und mit seinen Angehörigen außer Landes gejagt.
Als er starb, war seinem einzigen Sohn Lorenz nicht mehr als der altehrwürdige Name geblieben und eine kleine Entschädigung vom Staat für das verlorene Gut. Trotzdem hatte Andreas Vater den Adelstitel nicht abgelegt, sondern ihn auch weiterhin mit Stolz getragen. Da tat es auch nichts zur Sache, dass er den Unterhalt für die Familie als Angestellter eines kleinen Betriebs verdienen musste.
Als der Vater dann vor sechs Jahren überraschend starb, hatte Andrea geschworen, ihren Namen ebenfalls immer mit Stolz zu tragen. Das war nicht einfach. Sie hatte gerade erst ihren einundzwanzigsten Geburtstag gefeiert, und der jähe Tod des Vaters hatte alle ihre Zukunftspläne zerstört. Sie hatte Pädagogik studiert und Erzieherin werden wollen.
Doch nun musste sie die Familie unterstützen. Die kränkelnde Mutter und die fünf Jahre jüngere Schwester Gabriele konnten von der mageren Witwen- und Waisenrente nicht leben. Zwar hatte der Vater für seine Familie Vorsorge getroffen. Aber die Versicherung weigerte sich aufgrund eines Formfehlers, zu zahlen.
Daraufhin hatte Andrea schweren Herzens ihr Studium aufgegeben und war dem Rat einer alten Tante gefolgt, sich als Gesellschafterin adeliger Damen zu verdingen. Das hatte ihr manchen Hohn und Spott eingetragen.
Aber sie hatte sich nicht unterkriegen lassen und sich zur persönlichen Assistentin einer schon betagten Baronin hochgearbeitet. Als diese in eine Seniorenresidenz umzog, hatte sie Andrea der Fürstin von Erlbach empfohlen, die gerade händeringend nach einem Ersatz für ihre jahrelange Assistentin suchte, die in Pension gegangen war.
Andrea konnte ihr Glück noch immer nicht fassen und wäre rundherum zufrieden – gäbe es da nicht den Wermutstropfen.
In ihren grüblerischen Gedanken gefangen, stolperte die junge Gräfin über eine Stufe der Freitreppe, die zum Portal des Mittelt