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Im Morgengrauen waren sie auf dem Weg zu ihm, um ihn zu holen; in scharfem Galopp preschten sie die römische Straße entlang. Die aufgehende Sonne ließ jeden Schwertknauf golden funkeln und fing sich feurig in den gebogenen Klingen zahlreicher Äxte. Unter den sich bauschenden schlammbespritzten Umhängen waren die wattierten Brigantinen – die mit Eisenplättchen besetzten Panzerhemden der Soldaten – deutlich zu erkennen. Die Männer gaben ihren Pferden die Sporen, bis jedes Tier blutete; ihre Muskeln schmerzten ob des gnadenlosen Tempos, und sogar unter den ledernen Handschuhen bildeten sich auf ihren Handflächen offene Blasen. Die feuchte, schneidende Luft verwandelte den Atem der Pferde in weiße Wölkchen, die ihren geblähten Nüstern entquollen. Raureifflecken auf der Straße zerstoben unter trommelnden Hufen.
Über den Köpfen der Truppe wehten keine Banner, auch trugen sie keine Livreen, denn an diesem Aprilmorgen waren sowohl Anonymität als auch Eile ihre Verbündeten. Dort, wo die Watling Street schnurgerade auf den Great Ouse zuführte, stieß der letzte der Wachposten, die vorausgeritten waren, um zu verhindern, dass sich die Nachricht von ihrem Kommen verbreitete, zu der Gruppe, und gemeinsam donnerten die Reiter auf den kleinen Marktflecken Stony Stratford und das Ziel ihrer wilden Jagd zu: den Jungen, der König geworden war.
Thomas Vaughan stieß die Gasthaustür auf und schützte die Augen vor dem goldenen Glanz des Morgens. Heute war Markttag, und auf der Hauptstraße vor demRose and Crown herrschte geschäftiges Treiben. Er trat in das Getümmel hinaus und ging die Straße hinunter. Es war noch früh, doch die Frühlingssonne, die voll auf die weiß getünchten Gebäudefassaden fiel, verströmte bereits eine zaghafte Wärme. Ihre strahlende Helligkeit spiegelte sich in den Gesichtern der Händler wider, die die Vorübergehenden ansprachen. Die meisten derer, die sich auf der Straße drängten, waren bereits seit einigen Stunden auf den Beinen und in Werkstätten oder draußen auf den Feldern tätig gewesen. Jetzt waren sie auf der Suche nach einer Mahlzeit, um ihr Fasten zu brechen, hierhergekommen, angelockt von dem Duft fetttriefender Pasteten und der in Kesseln köchelnden Eintöpfe aus Fleisch und Gerste.
Während Vaughan sich einen Weg durch die Menge bahnte, spürte er, dass zahlreiche Augen auf ihm ruhten, und die Rufe der Händler wehten laut und eifrig in seine Richtung. Obwohl seine Hose und seine Stiefel nach dem Ritt von Ludlow hierher Pferdeschweißflecken aufwiesen und seine Kleider eher zweckmäßig als modisch geschnitten waren, hob er sich mit seiner Federkappe und seinem reich mit Brokat verzierten Wams und Umhang von diesen Männern und Frauen in ihrer Werktagskluft ab. Trotz der unwillkommenen Aufmerksamkeit fühlte es sich gut an, sich im Freien aufzuhalten und sich zu bewegen. Er war lange vor Tagesanbruch erwacht und hatte keinen Schlaf mehr finden können, und seine innere Unruhe war mit den langsam verstreichenden Stunden nur noch gewachsen.
Es war schwer, den genauen Grund für sein Unbehagen zu benennen. Die Nachrichten, die sie nach dem plötzlichen Tod des Königs erreicht hatten – von heftigen Szenen, die sich wegen Arrangements für die Krönung zwischen der Königinwitwe Elizabeth Woodville und Verbündeten ihres Schwagers, dem Duke of Gloucester, abgespielt hatten –, waren ungelegen, aber nicht unerwartet gekommen. Es war eine schwierige Zeit, und die Stimmung würde vom Feuer der Unsicherheit noch angeheizt werden. Vielleicht hatte Gl