Prolog
29. Juni 2013
Es ist ein heißer Tag, und die Sonne strahlt vom Himmel, doch Zoe ist so traurig wie noch nie in ihrem Leben. Mit blassem, ausdruckslosem Gesicht steigt sie aus dem schwarzen Auto und macht sich unsicher auf den Weg zu dem bedrückenden Backsteingebäude. Ihre Mutter eilt hinter ihr her und greift beschützend nach ihrem Ellbogen.
Etliche Menschen warten vor dem Eingang. Die Sonne steht so hoch, dass sie kaum Schatten werfen, und das Licht ist so grell, dass Zoe ihre Gesichter nicht erkennen kann. Einige rauchen und blasen wabernde Wolken in die warme Sommerluft. Sie beobachten Zoe, jemand wirft ihr zur Begrüßung ein kurzes Lächeln zu, aber sie bemerkt es kaum.
Zoe und ihre Mutter betreten das Gebäude und gehen steif auf die erste Reihe zu. Zoes Schwiegermutter Susan ist bereits da. Ihre Augen wirken trotz des sorgsam aufgetragenen Make-ups rot und geschwollen. Sie ringt sich ein schwaches Lächeln ab, als sich die beiden Frauen neben sie setzen. Zoe nimmt Susans Hand und hält sie fest umklammert.
Man hört das Schniefen und das Gemurmel der anderen Trauergäste, die sich langsam auf ihre Plätze begeben, doch Zoes ganze Aufmerksamkeit gilt Eds Sarg, der umgeben von Blumen und Kerzen im vorderen Teil der Trauerhalle steht. Sie starrt auf die schlichte Holzkiste und kann einfach nicht glauben, dass sich tatsächlich der Körper ihres geliebten Mannes darin befinden soll. Es erscheint ihr so surreal.
Und so unfair.
An dem Tag, an dem er gestorben ist, war es ebenfalls unerträglich heiß gewesen. Am Morgen hatte sie wie immer wahllos Dinge in ihre Handtasche gestopft: ihren Laptop, den Kalender, einen Apfel, ihr Handy, eine Cola light, ein Buch, ihr iPad. Wie ein Film läuft alles, was passiert ist, nun an ihr vorbei.
»Wenn du noch mehr hineinstopfst, brauchst du einen Packesel, um die Tasche zur Arbeit zu befördern«, sagte Ed und kam mit der Zahnbürste im Mund auf sie zu.
Zoe sah, wie Zahnpasta von seinem Kinn aufs Parkett tropfte.
Sie verdrehte die Augen. »Um Himmels willen, Ed«, fuhr sie ihn ungeduldig an. Sie wusste genau, dass sie überreagierte, dass er nur versuchte, die Stimmung zu heben, doch sie konnte nichts gegen ihre Wut tun. Sie stapfte ins Badezimmer, um Toilettenpapier zu holen und die Zahnpasta damit aufzuwischen, dabei sah sie, dass einer ihrer Fingernägel eingerissen war. »Verdammt noch mal«, murmelte sie und spürte, wie bittere Galle in ihr hochstieg.
Fieberhaft riss sie sämtliche Badezimmerschranktüren auf und suchte nach einer Nagelschere. Sie war spät dran, und Ed ging ihr gehörig auf die Nerven. Sie musste schleunigst raus aus der Wohnung. Endlich fand sie die Schere, schnitt den Nagel ab, warf sie zurück in den Schrank und knallte die Türen zu.
Ed stand im Wohnzimmer und schmollte. Er versuchte, ihr nicht in die Quere zu kommen, und sie konnte ihm keinen Vorwurf machen. Sie war in letzter Zeit stän