: David Sedaris
: Wer's findet, dem gehört's Meine Tagebücher und ich
: Karl Blessing Verlag
: 9783641189839
: 1
: CHF 13.50
:
: Briefe, Tagebücher
: German
: 608
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Wer anderer Leute Tagebücher liest, der bekommt, was er verdient.« David Sedaris

InWer's findet, dem gehört'sgewährt Sedaris der Welt zum ersten Mal Einblick in seine privaten Aufzeichnungen - eine persönliche Erzählung davon, wie ein drogensüchtiger Schulabbrecher mit dem Talent, jeden Job zu verlieren, zu einem der lustigsten Menschen auf dem Planeten wurde. Die meisten Tagebücher - sogar die großer Schriftsteller - sind unvorstellbar dröge, weil sie von Gefühlen, Träumen, dem Innenleben handeln. Sedaris' Tagebücher sind einzigartig, weil sie sich nach außen wenden. Er erklärt uns nicht, wie sich die Welt fürihnanfühlt, er zeigtunsdie Welt, und damit auch, was ihn wirklich ausmacht.

Wer's findet, dem gehört's belegt, dass Sedaris - mit seinem scharfen Blick und offenen Ohr für das Bizarre, das Schöne und das Unbequeme und mit seiner Großherzigkeit, die nicht einmal sein misanthropischer Sinn für Humor ganz verbergen kann - zu einem unserer besten Beobachter gehört.

David Sedaris, geboren 1956 in Johnson City, New York, aufgewachsen in Raleigh, North Carolina, lebt in England. Er schreibt u. a. für den New Yorker und BBC Radio 4. Mit seinen BüchernNaked,Fuself eber,Ich ein Tag sprechen hübschundSchöner wird's nicht wurde er zum Bestsellerautor. Zuletzt erschienen im Blessing VerlagDas Leben ist kein Streichelzoo. Fiese Fabeln(2011),Sprechen wir über Eulen - und Diabetes(2013),Calypso /i>(2018) undBitte lächeln!(2023) sowie seine vielbeachteten TagebücherWer's findet, dem gehört's(2017) undKleine Happen(2023).

1977

5. September 1977

Sacramento, Kalifornien

Ronnie und ich wurden von Lonnie und Tammy mitgenommen, die zum Mount Shasta wollen. Die State Fair ist in der Stadt, und Shari Lewis tritt auf. Wir schliefen im Freien am Ufer des American River.

8. September 1977

Mount Hood, Oregon

Abstecher auf dem Weg nach Yakima. Wir trafen ein Paar namens Pops und Jeannie, die uns morgen früh um sechs zu einer Obstplantage mitnehmen wollen. Pops, der sich selbst als »Obst-Tramp« bezeichnet, meint, Ronnie und ich könnten bis zum Ende der Saison zusammen $300 verdienen.

Wir übernachten auf einem Golfplatz. Ich fühle mich wie immer vor Beginn eines neuen Jobs – nervös.

11. September 1977

Odell, Oregon

Ich frage mich, wie lange drei Minuten sind? Auf dem Holzofen steht ein kleiner Topf mit weich gekochten Eiern. Heute ist Sonntag, unser freier Tag. Es regnet. Ronnie und ich wohnen in einer Blockhütte mit einem durchgelegenen Bett mit Messinggestell, einem Kühlschrank, vier Stühlen, einem Tisch und jeder Menge Holzscheite. Manchmal kommt eine Katze vorbei und ich füttere sie (oder ihn?) mit Hot Dogs. Meine Socken trocknen, der Boden müsste gefegt werden, und das Paar im Wohnwagen nebenan sitzt beim Essen. Heute Morgen habe ich die Frau im Bademantel zum Klohäuschen schlurfen sehen.

Wir arbeiten für einen Mann namens Norm. Seine Freunde nennen ihn Peewee. Es ist so kalt, dass ich meinen Atem sehe. Eicheln prasseln auf unser Dach.

20. Oktober 1977

Vancouver, British Columbia

Nach einem Hotel für $8.50 die Nacht haben Ronnie und ich ein Apartment für uns beide für $30 die Woche gefunden. Ich mache mir Sorgen ums Geld, aber was weg ist, ist weg. Ich habe meine erste Zigarette geraucht. So peinlich es ist, aber einem wird davon schwindlig. Zumindest mir, auf der Davie Street.

25. Oktober 1977

Vancouver

Ich habe jetzt eine schwarze Jacke und eine schwere braune Wollhose, die mir bis über den Nabel reicht und unten an den Knöcheln zugeknöpft wird. Eine kanadische Armeehose? Was Kleidung angeht, braucht mir nur jemand zu sagen, »Das steht Ihnen gut«, und schon kaufe ich es. Als ich nachher glücklich mit meiner neuen Uniform die Straße entlanglief, starrte ein Typ mich an und sagte zu seinem Kumpel: »Was ist das für eine Schwuchtel?«

Im gleichen Moment kam ich mir wie ein Idiot mit bescheuertem Outfit vor. Ronnie und ich fahren morgen weiter. Ich bin froh wegzukommen.

Die Trockner kosten in Kanada 10 Cent für eine Viertelstunde.

26. Oktober 1977

Everett, Washington

Im Beehive Café kostet ein Ei 25 Cent. Bei Denny’s kostet ein Ei $2.

Gestern trampten wir mit zwei Fischern, Ed und Reilly. Anschließend wurden wir von Mark mitgenommen, der uns in seinem Wohnwagen übernachten ließ. Um sechs Uhr früh sprang er nackt in den Wohnraum und sagte: »Auf geht’s!«

Er befand sich auf der Rückfahrt vom Klassentreffen seiner Highschool. Er hat dort in der Kapelle mitgespielt.

27. Oktober 1977

Blaine, Oregon

Irgendein Arschloch blieb gestern Abend stehen, zeigte auf Ronnie und sagte: »Ich nehme das Mädchen.«

29. Oktober 1977

Portland, Oregon

Ronnie und ich sind im Broadway Hotel untergekommen, einer billigen und deprimierenden Absteige. Beängstigend. Es gibt echte Armut und funky Armut. Das hier ist die echte Sorte. Die Lobby ist voll von sterbenden alten Leuten, Krüppeln und einem Mädchen, das einen Hamburger nach dem ander