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Mutterschaft oder Injera
Zutaten:
300 g Teffmehl
250 ml Wasser
eine Prise Salz
Zubereitung im Keramik-Mogogo:
Teffmehl in einer Schüssel mit Wasser und Salz anrühren und abgedeckt einen bis drei Tage ruhen lassen, bis die Mischung fermentiert ist.
Den Mogogo mit Essig auswischen und bei mittlerer Temperatur aufs Feuer stellen. Den Teig auf dem Mogogo verteilen und ausbacken. Das Injera darf nur von einer Seite gebacken werden.
Es wurde dunkel. Am heißesten und entlegensten Ort des Planeten, in der Danakil-Wüste im Nordosten von Äthiopien, pfiff ein unbarmherziger Wind. Nichts als Salz, Sand und Schwefel in dieser endlosen Weite, wo die Temperatur auf sechzig Grad anstieg und es kaum Leben gab. Dort, mitten in der Stille und dem Nichts, versteckt in einem weißen Betonhäuschen, lag Marina nach dem Liebesakt eng umschlungen mit Mathias, und er liebkoste sie.
»Ausgerechnet eineBäckerei«, sagte Mathias.
»Dauernd muss ich daran denken«, sagte Marina und legte ihre Hand sanft in die von Mathias. »Warum schenkt uns jemand eine Bäckerei? Warum Anna und mir? Man vermacht sein Haus und seinen Laden doch nicht einfach irgendwelchen Unbekannten.«
»War dem Testament denn kein Brief beigelegt?«
»Nicht dass ich wüsste. Meine Schwester stellt Nachforschungen an, aber noch wissen wir nicht, was uns mit dieser Frau verbindet.«
»Und die Mühle, ist die noch in Ordnung?«, fragte Mathias.
»Das Gebäude ist heruntergekommen. Aber die Bäckerei funktioniert schon noch. In Valldemossa war sie die Einzige.«
Marina dachte eine Weile nach.
»María Dolores Molí … Ich kann diesen Namen noch so oft aussprechen, bei mir klingelt einfach nichts …«
»Dolores … das heißt auf Deutsch Schmerzen, stimmt’s?«, fragte Mathias.
Marina nickte.
»Merkwürdig, wie kann man nur seine Tochter Dolores nennen, das ist ja fast so, als würde man jemanden Angst oder Schwermut nennen«, setzte er hinzu.
»Dolores ist in Spanien ein ganz gewöhnlicher Name«, erklärte ihm Marina.
»Ich würde dich gerne begleiten. Ich bin wahrscheinlich der einzige Deutsche, der noch nie auf Malorca war«, sagte Mathias mit einem Gähnen.
»Mallorca, mit zwei L«, erwiderte sie mit einem zärtlichen Lächeln.
Den Laut des Doppel-L gibt es nicht im deutschen Alphabet, und Mathias konnte noch so viele Spanischkurse machen, er machte immer denselben Fehler. Genau wie Marina, die das deutsche Ä und das Ö immer noch nicht aussprechen konnte. Sie sprachen Englisch miteinander, und manchmal brachten sie sich gegenseitig etwas aus ihrer Muttersprache bei. Vor zwei Jahren hatten sie sich in einer Buchhandlung am Flughafen von Barajas ein schwarzes Moleskine-Büchlein gekauft, in dem sie sich ihr ganz eigenes Wörterbuch angelegt hatten. Sie schrieben in die Wörter hinein, die ihnen wichtig vorkamen. In der rechten Spalte die spanischen und in der linken die deutsche Übersetzung.
Marina streckte ihre