: Robert Forster
: Grant& Ich Die Go-Betweens& die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft
: Heyne Verlag
: 9783641218133
: 1
: CHF 6.20
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: Biographien, Autobiographien
: German
: 368
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Robert Forster gehört für viele Musikfans in eine Liga mit Nick Cave, Morrissey oder Lou Reed. Ein wortgewaltiger, dandyartiger Songwriter, der seit den später Siebzigern zum Besten gehört, was die literarisch geprägte Popmusik zu bieten hat. Mit dem Songwritingpartner Grant McLennan hatte er einen kongenialen Gefährten, der die gemeinsame Band The Go-Betweens zu einer nicht immer unkomplizierten aber stets faszinierenden Einheit macht.

In diesen unkonventionellen Memoiren erzählt Robert Forster die nahezu 30 Jahre währende Geschichte der Band und seine besondere Freundschaft zu McLennan, der 2006 mit nur 48 Jahren für alle überraschend an einem Herzinfarkt starb.

Robert Forster, geboren 1957 in Brisbane, ist ein australischer Gitarrist, Sänger und Songwriter. Bekannt wurde er als Mitglied der Go-Betweens, die er 1978 mit Grant McLennan gründete. 1989 löste sich die Band auf und Forster startete eine Solokarriere. 2000 reanimierten Forster und McLennan die Go-Betweens und veröffentlichten gemeinsam weitere drei Alben, bevor Grant McLennan im Mai 2006 verstarb, was das definitive Ende der Go-Betweens bedeutete. Forsters letztes Soloalbum"Songs To Play"erschien 2015 bei Tapete Records.

Ich gehe in den Juni 1957 zurück

Wir lebten Tür an Tür mit den Smiths. Viele Jahre später würde ich als Mitglied der Go-Betweens Plattenlabel und Bühne mit einer juwelen- und blumengeschmückten Band gleichen Namens teilen: The Smiths. Aber 1963 waren Herr und Frau Smith einfach nur unsere ersten Nachbarn. Sie waren ein Jahr nach uns in ihr neu gebautes Haus in der Glenmore Street im Vorort The Gap gezogen. Ich habe Herrn Smith immer beobachtet. Morgens harkte er Laub, werkelte an irgendwas unter seinem Haus herum, und in seiner Freizeit ging er einkaufen. Er hatte auch Zeit für mich – ebenso wie die Verwandten und Freunde meiner Eltern, die uns an jedem Wochenende besuchten und fragten: »Was willst du später mal werden, wenn du groß bist?« Es schien so, als müsste das unbedingt geklärt werden, als ich sechs war. Ich hatte keine Ahnung und antwortete »Feuerwehrmann« oder »Krankenwagenfahrer«, die Traumberufe, die sich ein Junge ausdenkt, der den Erwachsenen gefallen will, die sich aus den Wolken zu ihm hinunterbeugen, um mit ihm zu sprechen.

Aber ich war nicht mit dem Herzen bei meinen Antworten. Ich konnte mir einfach keine Tätigkeit vorstellen, die in der Zukunft den Großteil meiner Zeit beanspruchen würde – und auf einmal konnte ich es doch! Aufgeregt zu meiner Mutter stürmend, erklärte ich: »Ich weiß, was ich werden will, wenn ich groß bin. Ich will werden wie Herr Smith.« Sie lachte. Herr Smith war im Ruhestand.

Da haben wir’s also. Ich wusste es schon damals, und man könnte sagen, dass ich seit diesem Tag im Ruhestand bin.

Als Junge aus einem Vorort von Brisbane wusste ich noch andere Dinge. Ich sah die Arbeitsanzüge meines Vaters – obwohl gewaschen immer noch dreckig – auf der Wäschespinne in unserem Hinterhof flattern. Für jeden Arbeitstag einen. Und sosehr ich meinen Vater liebte, war mir doch klar, dass ich nie tun würde, was er tat: an einem Ort arbeiten, der die Kleidung schwarz machte. Das wurde mir mit sieben bewusst. Ebenso wusste ich, als ich Woche für Woche die Tage im trocknenden Wind kreisen sah, dass ein Leben, so geregelt wie dieses, nichts für mich sein würde.

Meine Eltern, Mary und Garth, mein jüngerer Bruder Tony und ich lebten an der äußersten Stadtgrenze. Damals wurde der Erfolg einer Stadt an ihrer Ausbreitung gemessen, und mit unserem Viertel, das von einer kleinen Bergkette gesäumt wurde, erreichte Brisbane seine natürliche westliche Begrenzung. Junge Familien, nicht reich oder arm, zogen hierher – es lag etwas in der Luft, ein Knistern der frühen Sechziger, das mit denen kam, die sich an den frisch gezogenen Straßen niederließen. Es war, als wäre der junge John F. Kennedy unser Staatsoberhaupt gewesen und nicht der hängebackige Robert Menzies.

Die Forsters waren Teil einer Völkerwanderung, die mich in meinen jungen Jahren zwischen – wie der Songwriter Jonathan Richman es später nennen sollte – »alten« und »modernen« Welten hin und her flippern ließ. Meine Mutter war das einzige Kind geschiedener Eltern aus Toowoomba, die später nach Sydney zogen; mein Vater der jüngste von drei Söhnen aus einer Sippe, deren Lebensmittelpunkt ein riesiges baufälliges Haus im Queenslander-Stil in Hendra war, das sich Cranbrook nannte und zum letzten Mal vermutlich um 1900 gestrichen worden war. Das Anwesen hatte einst viele Morgen innerstädtischen Landes umfasst. Falls sich das jetzt so anhört, als wäre da viel Geld gewesen – dem war nicht so. Ein Vermögen kann genauso gut verschüttet wie verprasst werden – insbesondere bei dreize