Davor und danach: Das Schwein wird geschlachtet
Vom Schwein wird nichts weggeworfen: diese Volksweisheit hatte Maresciallo Santomauro schon oft gehört, doch was sie in der Realität bedeutete, begriff er erst, als er selbst einmal der Schlachtung eines Schweins zusehen konnte. Die Sache hatte sich rein zufällig ergeben, ungeplant, sonst hätte er wahrscheinlich gezögert aus Angst, nie wieder Schweinefleisch essen zu können. Dem war nicht so, abgesehen von einem kleinen, schuldbewussten Schauer, der ihm seitdem immer über den Rücken lief, wenn er in ein Würstchen oder ein Kotelett biss.
Brigadiere Totò Manfredi hatte ihn mitgenommen, der für seinen eigenen Bedarf und den wachsenden Hunger seiner vielköpfigen Familie kurzerhand ein halbes Schwein erstanden hatte und nun an Ort und Stelle seinen Teil abholen wollte. Schon als sie auf Mazzolas Hof ankamen, wo das Blutopfer dargebracht werden sollte, schwante Santomauro, dass die Sache alles andere als ein Spaß werden würde.
Das Schwein, wahrscheinlich getrieben von bösen Vorahnungen, weigerte sich kategorisch, den Stall zu verlassen, und fünf Männer mussten es an zwei Stricken hinauszerren, den einen um den Vorderlauf gebunden, den anderen an einen durch die Nüstern getriebenen Ring. Im Kampfgetümmel brach sich das arme Tier einen Zeh am Hinterlauf, und seine Angst- und Schmerzensschreie hallten grauenerregend durch den frostklaren Morgen.
Insgesamt hatten sich zehn Leute zu der Schlachtung eingefunden, sieben Männer inklusive dem Schlachter und drei Frauen, die etwas abseits standen und auf ihren Einsatz warteten. Manfredi und Santomauro zählten nicht, sie waren nur Zuschauer.
Als das Schwein endlich draußen war, vollzog sich sein Schicksal rasch: Eine schwere Kette wurde ihm um den Hinterlauf gelegt, dann hievten sie es langsam mit einem Flaschenzug kopfüber in die Höhe, wobei es schrie wie – wie ein Schwein auf der Schlachtbank eben. Noch vor dem tödlichen Schlag wurden die Schreie leiser, und nach und nach, sei es durch den Blutzufluss im Kopf, sei es aus Resignation, hörte das arme Tier auf, sich zu wehren. Mazzola entdeckte den gebrochenen, blutenden Zeh am Huf und entfernte ihn fluchend. Er war ein gutherziger Mensch und hasste es, die Tiere unnötig leiden zu sehen.
Der Schlachter, der sich bislang im Hintergrund gehalten hatte und die Drecksarbeit seinem Stand entsprechend den Handlangern überließ, kam nun schnell heran und stach ihm mit einem scharfen und spitzen Werkzeug zielgenau in den Hals, so dass sich ein walnussgroßes Loch öffnete, aus dem in dunklen Schüben das Blut quoll. Ein Helfer schob flink einen Plastikbottich darunter, in dem man schon die zukünftigen süßen und herzhaften Spezialitäten aus Schweineblut schwimmen sah, und eine Frau begann mit einem großen Holzlöffel stetig darin herumzurühren, damit es nicht klumpte.
Das Tier zuckte noch etliche Minuten, während es von der Kette genommen und auf eine breite Arbeitsplatte gelegt wurde. Daneben köchelte in zwei großen Kesseln Wasser auf einem Reisigfeuer. Die jüngeren Männer begannen mit mächtigen Kellen kochendes Wasser daraus zu schöpfen und über das Schwein zu gießen. Die anderen kratzten mit Schabmessern das Fell ab, so dass das Tier allmählich immer mehr einem rosigen Riesenbaby glich.
Der Erdboden war eine einzige Matsche aus Blut, Wasser und Borsten, die die Männer in hohen Gummistiefeln durchwateten. Peppe ’o Mbriacos Stiefel waren jungfräulich neu, und er musste einige Witzeleie