: Sascha Behringer
: Im Haifischbecken Kriminalroman
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955309237
: Berlin Krimi
: 1
: CHF 2.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 242
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zwangsräumungen, Stromausfälle, plötzliche Brände. Im Zuge geplanter Luxussanierungen steht der Streit zwischen Maklern, Wohnungsbesitzern und Mietern kurz vor der Eskalation. Dann stürzt aus dem fünften Stock eines Kreuzberger Altbaus ein Rollstuhl Richtung Spreeufer. Der Mann darin ist tot. Wenig später wird ein Angesteller des Senats für Bau und Wohnen erdrosselt aufgefunden. Hauptkommissarin Sunja Löwel und ihr Team tauchen ein in die mörderische Realität des Kampfes um Wohnraum in Berlin. Doch je näher die Ermittler der Lösung des Falles kommen, umso mehr schleicht sich die Gewalt des für viele längst vergessenen Jugoslawienkrieges in das Geschehen. Es wird klar: Wir sind in einer Zeit angekommen, in der die weltweiten Brände unsere Wohnzimmer erreicht haben ...

Kapitel 1
Absturz


Wohnraum ist umbauter Raum, der
tatsächlich und rechtlich zur dauernden
Wohnnutzung geeignet und bestimmt ist.

– § 17 Wohnraumförderungsgesetz –

Hauptkommissarin Sunja Löwel lief auf der Stelle, ihre braunen Locken federten im Rhythmus der Schritte. Zwei Meter entfernt rauschte die Autolawine um den Bersarinplatz. Ein Nieselregen hatte eingesetzt und Sunja fluchte. Kein Wetter für sportliche Aktivitäten. Viel zu kalt, dabei war Mai!

Vor vierzehn Tagen hatte sie mit dem Rauchen aufgehört und dafür zu joggen begonnen. Fit genug war sie und für ihre Einssechzig ziemlich schlank. Dann würde sie auch nicht dauernd an eine Zigarette denken. Hatte sie gehofft. Aber von wegen. Die Gedanken kreisten unaufhörlich. Um eine Camel ohne Filter. Und um gestern. Den Albtraum in dieser Stasi-Unterlagenbehörde. Der dazu geführt hatte, dass nun eine Flasche Merlot weniger in der Speisekammer stand.

Immer wieder ihr Vater! Wie konnte man sein Kind so im Stich lassen! Seit Jahren suchte sie ihn. Die Zeit lief ihr davon. Er musste sechsundsiebzig sein, falls er noch lebte.

Eine Lücke tat sich in der Autoschlange auf, Sunja wechselte auf die andere Seite der Petersburger Straße. Und weiter. Vorbei an den Blocks mit den Eidechsen an den Fassaden, am Bio-Supermarkt, dann links, durch die Mühsamstraße. Die letzten beiden Baulücken waren nun geschlossen. Häuser ohne Gesicht, aus Stahl und Glas … Sunja war froh, dass sie in einem Altbau aus dem 19. Jahrhundert wohnte.

Hier in den Nebenstraßen war die Luft besser. Die Richard-Sorge-Straße mit dem Namen eines sowjetischen Spions. Alles saniert, Altbauten wie aus einer Hochglanzbroschüre: rosa, hellgrün, zitronengelb. Das Areal der alten Aktienbrauerei Friedrichshöhe, bis 1990 Teil des VEB-Getränkekombinats Berlin. Zwei Drittel des Gebäudes waren abgerissen worden, jetzt gab es hier großzügige, lichtdurchflutete Wohnungen. Aber Mieten von bis zu zweitausend Euro im Monat. Wer die wohl bezahlen konnte?

Die Ampel an der Landsberger Allee schaltete auf Rot. Sunja stoppte. Eine Straßenbahn rauschte knapp vor ihr vorbei. Da drüben lag schon der Park. Eine junge Frau überholte sie mit elastischen Schritten. Pulsuhr, Schweißband und Laufschuhe in Pink. Immer langsam, mit sechsundvierzig durfte man es schonender angehen.

Hier im Stadtbezirk Friedrichshain war Sunja zu DDR-Zeiten aufgewachsen. Doch die Gegend hatte sich verändert. Vom verschlafenen Ostberliner Künstlerbezirk zur schrägen Punk- und Hausbesetzergegend der Nachwendezeit. Und dann zur hippen Kneipen- und Bioszene, die Leute mit Geld von überallher anlockte.

Sie hechelte am Vivantes-Klinikum vorüber, dessen Fassade in knalligen Tönen leuchtete. Sanierungsmäßig war dieser Stadtbezirk so