: Susanne Fülscher
: Schöne Mädchen fallen nicht vom Himmel
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955308650
: 1
: CHF 2.70
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: Jugendbücher ab 12 Jahre
: German
: 272
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Manchmal ändert sich an einem Tag das ganze Leben: Erst wird Karen, 17 Jahre alt und gertenschlanke 1,77 Meter groß, auf der Straße von einer Modelagentur entdeckt. Anschließend begegnet sie im Freibad auch noch ihrer großen Liebe. Robin hat die Schule geschmissen und will Schauspieler werden. Während der Sommerferien taumelt Karen wie im Rausch vom Fotostudio zum nächsten Date. Doch dann will die Agentur, dass sie ihre Haare raspelkurz schneiden lässt. Karen ist schockiert. Auch Robin ist total dagegen. Und wenn sie trotzdem zustimmt, was wird die Agentur wohl als nächstes verlangen?

Schreiben wollte Susanne Fülscher schon seit ihrem 12. Lebensjahr, aber erst nach einem abgeschlossenen Lehramtsstudium in Hamburg (Französisch/Deutsch) und einem Intermezzo als Kulturjournalistin setzte sie ihren ursprünglichen Berufswunsch in die Tat um und begann, Romane für Jugendliche zu verfassen. Rasch stellte sich heraus, dass das engagiert-emanzipatorische Mädchenbuch, frech, humoristisch und ohne erhobenen Zeigefinger, ihre Stärke ist. Stets geht es ihr in ihren Büchern darum, das Selbstbewusstsein der Jugendlichen gerade in der heiklen Umbruchphase ihres Lebens zu stärken, Probleme ernst zu nehmen und unverblümt beim Namen zu nennen. Mehr als 60 Romane und zahlreiche Kurzgeschichten für Jugendliche und Erwachsene sind bisher von ihr erschienen und in viele Sprachen übersetzt worden. Susanne Fülscher lebt heute als freie Schriftstellerin und Drehbuchautorin in Berlin.

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Der Sommer, in dem mein Leben den gewissen Kick kriegte, war heiß und schwül. Jahrhundertsommer sagten die einen, Klimakatastrophe die anderen. Mir war das mehr oder weniger egal. Hauptsache, ich konnte ins Schwimmbad gehen, regungslos auf einer Decke liegen und dem Flug der Schwalben zusehen. Eigentlich waren sie ständig und überall zu hören, sie waren sozusagen das Aushängeschild des Sommers, und manchmal träumte ich von ihrem flirrenden Gezirpe.

Ansonsten träumte ich von gar nichts. Weil das Leben alles in allem ziemlich langweilig war: Schule, Basketball, abends Fernsehen, am Wochenende Disco – ein ewiger Kreislauf. Nichts passierte groß, außer dass ich Englisch mal vergeigte, mal nicht, und ab und zu gab es einen Jungen, der sich auf der Straße nach mir umdrehte. Das war auch schon alles. Ödnis total.

Anna sagte immer: »Karen, du hast eben keine wirklichen Probleme. Denk an die vielen Kinder, die verhungern, misshandelt werden oder krank sind …« Natürlich hatte sie Recht, natürlich war ich ein undankbares Wohlstandskind, wofür ich mich auch schämte, aber was half mir diese Erkenntnis, wenn es darum ging, mal wieder ein paar langweilige Stunden rumzukriegen?

Und dann kam doch alles anders, dann kam der Tag aller Tage. Am Morgen sah die Welt noch aus wie immer: Ich stand auf den letzten Drücker auf, warf mich ohne zu duschen in meine Klamotten, Zähneputzen, eine Tasse Tee im Stehen, in aller Eile zur Schule radeln. Natürlich verspätete ich mich, was aber nicht so schlimm war, weil wir ohnehin demnächst Zeugnisse kriegten und alle Noten feststanden. Ebenso gleichgültig verbrachte ich auch den Tag. Ich starrte aus dem Fenster, quatschte ein bisschen mit Elfi und verabredete mich mit unserer Mädchenclique für den Nachmittag im Schwimmbad. Meistens gingen wir zu viert oder fünft, je nachdem, was noch so anstand, und da wir alle ohne Freund waren, stand eigentlich selten etwas anderes an.

Heute konnten nur drei von uns: Lena, Katja und ich. Elfi wollte mit ihren Eltern ins Reisebüro, Annett zum Ballettunterricht. Nichts, aber auch gar nichts deutete darauf hin, dass heute der Tag aller Tage sein würde, alles war eigentlich wie immer: Bevor ich zu Hause meine Badesachen packte, schob ich Minibaguettes in die Mikrowelle, die ich dann bei offener Balkontür vor dem Fernseher aß. Am frühen Nachmittag kam zwar nichts Vernünftiges, aber es war immer noch besser, sich idiotische Talkshows anzugucken, als den Geräuschen einer Wohnung zu lauschen, in der höchstens mal der Kühlschrank surrte.

Thema: dicke Beine. Im Studio standen fünf Frauen mit mehr oder weniger unförmigen Beinen. Eine hatte sich Fett absaugen lassen, eine andere machte die vierundsiebzigste Diät (ohne sichtbaren Erfolg), die dritte trug nur lange Röcke, während die übrigen beiden so taten, als würden sie zu ihren monströsen Stampfern stehen. Daz