: Susanne Fülscher
: Küsse und Café au Lait
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955308780
: 1
: CHF 3.60
:
: Jugendbücher ab 12 Jahre
: German
: 303
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als Austauschschülerin nach Paris - ein Traum wird wahr! Vor Elda liegen sieben Monate in der Stadt der Liebe. Doch kaum ist sie dort angekommen, geht irgendwie alles schief. Statt in einer Villa im Zentrum landet sie in einer Hochhaussiedlung am Rande der Stadt, ihr Gastbruder Etienne verhält sich wie ein Stinktier und der erste Schultag wird zum totalen Spießrutenlauf. Eldas einziger Lichtblick ist Etiennes Freund Serge. Doch der kann sich vor Verehrerinnen kaum retten. Ob Elda da überhaupt eine Chance hat?

Schreiben wollte Susanne Fülscher schon seit ihrem 12. Lebensjahr, aber erst nach einem abgeschlossenen Lehramtsstudium in Hamburg (Französisch/Deutsch) und einem Intermezzo als Kulturjournalistin setzte sie ihren ursprünglichen Berufswunsch in die Tat um und begann, Romane für Jugendliche zu verfassen. Rasch stellte sich heraus, dass das engagiert-emanzipatorische Mädchenbuch, frech, humoristisch und ohne erhobenen Zeigefinger, ihre Stärke ist. Stets geht es ihr in ihren Büchern darum, das Selbstbewusstsein der Jugendlichen gerade in der heiklen Umbruchphase ihres Lebens zu stärken, Probleme ernst zu nehmen und unverblümt beim Namen zu nennen. Mehr als 60 Romane und zahlreiche Kurzgeschichten für Jugendliche und Erwachsene sind bisher von ihr erschienen und in viele Sprachen übersetzt worden. Susanne Fülscher lebt heute als freie Schriftstellerin und Drehbuchautorin in Berlin.

5


Das Flugzeug landete pünktlich auf dem Flughafen Charles de Gaulle.

Trotzdem war Elda schon mit den Nerven fertig, denn genau in dem Moment, in dem das Flugzeug zur Landung angesetzt hatte und bereits durch die Wolken hindurchholperte, war es doch noch passiert. Mit einer hastigen Bewegung hatte der Mann neben ihr die Tüte aus der Lasche des Vordersitzes gezogen, das Gesicht nicht mehr rot, sondern kalkweiß, und unter widerwärtigem Würgen hineingespuckt. Was für ein Auftakt!

Als das Flugzeug endlich ruckartig bremste, wollte Elda bloß noch raus. Egal wie. Egal was sie da draußen erwartete.

Erst als sie am Förderband auf ihren Koffer wartete, fiel ihr wieder ein, weshalb sie eigentlich hier war. Nur wenige Meter von hier entfernt wartete jetztihre Familie – statt ihrer Mutter das Walross, statt ihres Vaters der Dürre, dazu noch dieser langhaarige Junge – und sie ärgerte sich plötzlich, dass sie den Nouvels nicht mehr als zwei Briefe geschrieben hatte. Angerufen hatte sie auch nicht. Aus Angst, sich nicht ausdrücken zu können. Jetzt wurde aus der Angst nach und nach Panik.

Vor lauter Nervosität begann sie rückwärts auf Französisch zu zählen: cent, quatre-vingt-dix-neuf, quatre-vingt-dix-huit, quatre-vingt-dix-sept … Da kam er endlich angefahren, ihr funkelnagelneuer Koffer mit dem orangefarbenen Streifen auf der Breitseite. Zu schick für ein 16-jähriges Mädchen, aber bestimmt nicht zu schick für Paris, die Stadt der Mode und der bestgekleideten Frauen der Welt.

Eldas Herz stolperte, als sie nach dem Gepäckstück griff und es unter einigen Mühen auf den Boden wuchtete. Es wurde ernst. Verdammt ernst. Paris war kein Traum mehr, das kam ihr in dem Moment, als sie wie ferngesteuert RichtungSortie ging, wie ein Paukenschlag zu Bewusstsein. Das Drängeln und Schubsen der Leute war ebenso Realität wie der stickige Dunst, der in dem ganzen Gebäude zu wabern schien.

Menschen, wohin Elda auch sah, eine undefinierbare Masse, in der sie die drei Personen von dem Foto niemals würde ausfindig machen können. Automatisch verlangsamte sich ihr Schritt. Dabei bemerkte sie jedoch nicht, dass es hinter ihr jemand besonders eilig hatte und ihr rücksichtslos seinen Gepäckwagen in die Ferse rammte. Ein stechender Schmerz fuhr durch ihren Fuß.

»Au! Verdammt!«

Quasi im selben Moment landete eine Hand auf ihrer Schulter, Elda fuhr herum und sah in das grell geschminkte Gesicht einer wuchtigen Frau, die in einer abenteuerlichen Kombination aus Blumenrock und Blazer steckte.

»Elda … c’est toi?!«, rief sie, indem sie die zweite Silbe des Namens betonte.

»Oui, Madame«, antwortete Elda hölzern.

Alles an der Frau war übertrieben. Ihre Größe, ihr breites Grinsen, vom Make-up ganz zu schweigen. Statt das Rouge dezent zu verwischen hatte sie sich zwei rosarote Apfelbäckchen gemalt, ihr Lippenstift schillerte pink und war zudem mit Gloss übermalt.

Jetzt lachte sie laut auf. »Das Madame lässt du bitte gleich weg!« Zum Glück verstand Elda bisher fast jedes Wort. »Ich heiße Albertine. Und …« Sie zeigte auf den zierlichen Mann an ihrer Seite, der einen piekfeinen Anzug mit Fliege trug: »Das ist Stéphane.«

Elda reichte ihrem neuenVater die Hand, erst dann fiel ihr Blick auf den Jungen, der nur zwei Schritte vo