: Susanne Fülscher
: Hals über Kopf ein Star
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955308704
: 1
: CHF 3.60
:
: Jugendbücher ab 12 Jahre
: German
: 239
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Für Emma ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Sie darf eine Hauptrolle in der Fernsehserie 'Homepage' spielen. Ein Leben wie im Zeitraffer beginnt: keine Schule mehr, den ganzen Tag Dreharbeiten, abends bis zur Erschöpfung Texte lernen, zwischendurch Shootings und Autogrammstunden. Doch Emma bewegt sich immer sicherer auf dem Parkett der Glamour-Welt und genießt dieses verrückte Leben. Sie freundet sich mir ihrer Maskenbildnerin Anja an. Von ihrem Filmpartner Max will sie jedoch nichts wissen. Bei Liebesszenen nimmt er sich ihrer Meinung nach zu viel heraus, obwohl sie ihm klipp und klar gesagt hatte, dass mehr als Freundschaft zwischen ihnen nicht laufen würde. Doch im Laufe der Zeit erweist sich Max als guter Freund und - als Emma immer mehr Erfolg hat und vom Publikum zur beliebtesten Schauspielerin der Serie gewählt wird - neben Anja bald auch als einziger Freund...

Schreiben wollte Susanne Fülscher schon seit ihrem 12. Lebensjahr, aber erst nach einem abgeschlossenen Lehramtsstudium in Hamburg (Französisch/Deutsch) und einem Intermezzo als Kulturjournalistin setzte sie ihren ursprünglichen Berufswunsch in die Tat um und begann, Romane für Jugendliche zu verfassen. Rasch stellte sich heraus, dass das engagiert-emanzipatorische Mädchenbuch, frech, humoristisch und ohne erhobenen Zeigefinger, ihre Stärke ist. Stets geht es ihr in ihren Büchern darum, das Selbstbewusstsein der Jugendlichen gerade in der heiklen Umbruchphase ihres Lebens zu stärken, Probleme ernst zu nehmen und unverblümt beim Namen zu nennen. Mehr als 60 Romane und zahlreiche Kurzgeschichten für Jugendliche und Erwachsene sind bisher von ihr erschienen und in viele Sprachen übersetzt worden. Susanne Fülscher lebt heute als freie Schriftstellerin und Drehbuchautorin in Berlin.

Es gibt nur zwei Dinge im Leben, die von Bedeutung sind – dass du deinen Text draufhast und deine Nase auch nicht glänzt. Jedenfalls denke ich das, als unsere Chefmaskenbildnerin Anja auf mich zugeschossen kommt, das Schwämmchen wie einen Revolver auf mich gerichtet, um dann hektisch auf meinem Gesicht herumzutupfen, als wäre es ein besonders hartnäckiger Fall von fettglänzender Schweineschwarte. Vielleicht ist nur wieder mal meine Nase säuferrot. Aber da kann ich ihr gleich sagen, es ist sinnlos, nur ein bisschen Puder draufzutupfen. Wenn ich Pech habe, bröckelt das Make-up darunter und dann sieht mein Gesicht wie die reinste Kraterlandschaft aus. Streng genommen, hilft nur abschminken und alles neu zukleistern, aber dafür bleibt natürlich keine Zeit.

»Los jetzt!«, ruft Massimo – so schimpft sich unser Regisseur, obwohl er vor schätzungsweise 50 Jahren einfach nur als Peter Meyer geboren wurde. »Bisschen das Tempo drosseln. Ihr vernuschelt mir ja den ganzen Text!«

Text … Genau … Den hab ich auch schon wieder vergessen, zumindest den Einstieg.

»Kann ich noch mal …«, fange ich an, aber da funkt der Tonmeister dazwischen: »Nun raschelt doch verdammt noch mal nicht so mit der Brötchentüte, das kann ja kein Mensch je wieder wegziehen!« Und bevor ich auch nur Piep sagen beziehungsweise nach dem Drehbuch in meine Basttasche greifen kann, grölt Setaufnahmeleiter Bärendonk: »Ruhe, wir drehen!« – »Ton läuft«, ruft der Tonmann, »Kamera läuft!«, der Kameramann, »und bitte!«, trompetet Massimo gleich hinterher und Hiwi Bernd hält die Klappe ins Bild, Folge 1477, Szene 13, Take zwei.

Das ist der Moment, in dem mir jedes Mal schwarz vor Augen wird, zumindest für die Dauer eines Atemzuges, aber dann wie durch ein Wunder bin ich mit einem Schlag hellwach und zum Glück fällt mir auch der Text wieder ein. Meistens jedenfalls.

Schon kommt mein Serienlover Sebastian – im wirklichen Leben heißt er Max – durch die Papp-Haustür, lässt sich ermattet auf einen der Stühle fallen und legt eine Brötchentüte auf den Tisch, die ich dann laut Drehbuch öffnen soll.Ohne zu rascheln. Wie auch immer das gehen soll.

»Waren keine Croissants mehr da«, sagt Max in seiner lässigen, immer ein bisschen vernuschelten Art und ich setze mich so leise wie möglich mit der blöden Tüte raschelnd neben ihn.

»Schon okay.« Meine Stimme klingt kratzig und Max sagt, eigentlich habe er auch gar keine Zeit, mit mir zu frühstücken, weil doch heute die Orientierungseinheit an der Uni anfange. Damit springt er auf, gibt mir ein nach Lakritze riechendes Küsschen auf die Mundecke und verschwindet wieder durch die Papptür nach draußen. Das Zeichen für mich, die Tüte ganz aufzureißen (was nun wirklich nicht ohne Rascheln geht), alle Brötchen auf den langen Holztisch zu schütten, zum Kühlschrank zu rennen und alles, was nach Lebensmitteln aussieht, rauszuzerren …

Seit einem knappen halben Jahr spiele ich in der Daily SoapHomepage die Stella, ein 16-jähriges Mädchen, das aus Protest gegen die Scheidung ihrer Eltern von zu Hause weggelaufen ist, nach einigem Hin und Her mit Sebastian und Lix eine WG aufgezogen hat, aber statt dass es ihr endlich mal besser geht, ist sie gerade dabei, richtig heftig bulimiekrank zu werden, das heißt, sie frisst und kotzt und frisst und kotzt – und das in fast jeder Szene. Ziemlich eklig, aber das eigentlich Schlimme an der Rolle ist, dass ich wirklich fressen muss, zumindest ein bisschen, und wenn die Szene dann nach zwei bis drei Wiederholungen endlich im Kasten ist, fühle ich mich wirklich kodderig. Immerhin hat Massimo noch nie verlan