: Carolin Schairer
: Sommer in Barock
: Ulrike Helmer Verlag
: 9783897419780
: 1
: CHF 15.30
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Diana Kleedorf, international erfolgreiche Opernsängerin, wird in einer Talkshow als vermeintlich lesbisch geoutet ... weil sie als Mezzosopranistin oft in Hosenrollen auf der Bühne steht. Ein Skandal! Ihr Manager ist empört und Diana versteht die Welt nicht mehr. Ohnehin kann sie zurzeit keinen Ärger gebrauchen, denn privat gibt es schon genug Stress: Gatte Michael hat sich in den Kopf gesetzt, ihr die Eizellen einer Unbekannten einpflanzen zu lassen, um seine Vaterschaftsträume zu realisieren. Ginge es nach ihm, läge die Zweiundvierzigjährige längst in einer tschechischen Kinderwunschklinik ... Gepeinigt von dieser Idee und dem wenig wohlwollenden Medienecho ihres 'Outings', flüchtet Diana in ihr nächstes Engagement: Der Anzinger Barocksommer beginnt, in der bayrischen Kleinstadt stehen alle Zeichen auf klassische Musik und sie soll die Hauptrolle in Händels Oper Ariodante spielen. Doch die Zeit in dem idyllischen Städtchen wird für Diana wider Erwarten zum Sommer ihres Lebens. In Anzing hat sie nicht nur Gelegenheit, über sich nachzudenken, sondern lernt auch die eigenwillige Sophie kennen - eine Klavierlehrerin mit ganz eigener Geschichte. Zwei starke Persönlichkeiten treffen aufeinander und kommen sich zögernd näher. Kann es sein, dass Diana sich verliebt? Und was, wenn der Sommer in Barock Ende August sein absehbares Ende findet ...?

Die Diplom-Journalistin arbeitete u.a. in der Medienbeobachtung, Markt- und Meinungsforschung und in der PR eines Großunternehmens. Sie lebt in Wien. Seit dem Jahr 2008 erschienen kontinuierlich Romane und Krimis im Ulrike Helmer Verlag, darunter 'Ellen', 'Die Spitzenkandidatin', zuletzt 'Frischer Wind amWolfgangsee' sowie der Kriminalroman 'Tödliche Verstrickungen' (Herbst 2016).

Ah, cruel époux! – du gehst mir auf die Nerven!


Roméo et Juliette (Charles Gounod), Schlussszene

Julia, meine Liebste, mein Augenstern, mein Ein und Alles … war tot. Blass und reglos lag sie vor mir, neben sich den verräterischen Becher mit den Resten eines tödlichen Tranks. Das lange Haar umrahmte ihr stilles, schmales Gesicht.

Vor der reglosen Gestalt kniend und singend, betrauerte ich das, was wir für immer verloren hatten: die Aussicht, miteinander glücklich zu werden. Die Worte, die Felice Romani im Rahmen seines Librettos knapp zweihundert Jahre zuvor zu Papier gebracht hatte, ergriffen mich auch dieses Mal so, dass mir die Tränen in die Augen stiegen. Ich ging in meinen Rollen vollkommen auf – etwas, was sowohl diverse musikalische Leiter als auch das Publikum an mir schätzten und mich neben meinem Gesang zu dem gemacht hatte, was ich mit zweiundvierzig Jahren mittlerweile war: ein Weltstar.

Wie vom Regisseur vorgesehen, zog ich Galina auf dem Höhepunkt meines emotionalen Schmerzes in meine Arme und küsste die scheinbar von mir Gegangene auf den Mund.

Nach mehrfacher Übung, die wir in dieser dramatischen Szene besaßen, hatten wir keinerlei Berührungsängste mehr. Ich gab mir keine Mühe, den Kuss nur zu simulieren.

Außerdem mochte ich Galina, die unkomplizierte Russin, von der ich schon einiges gelesen und gehört hatte, ehe wir uns vor dreieinhalb Wochen das erste Mal gegenüberstanden. Es war Freundschaft auf den ersten Blick. Auch wenn sich unsere Wege zuvor nie gekreuzt hatten – seit Tag eins der Proben für diese Inszenierung der Bellini-Oper im Rahmen der Salzburger Pfingstfestspiele galten wir als unzertrennlich. Der gesamte Chor redete von uns auch abseits der Bühne nur noch als Romeo und Julia, und wir amüsierten uns darüber. Es war einfach schön, sein bisschen Freizeit mit jemandem verbringen zu können, dessen Seele im Gleichklang mit der eigenen schwang. Das war schließlich selten genug der Fall. Meist saß ich in irgendwelchen Restaurants in verschiedenen Städten dieser Welt allein beim Abendessen und befasste mich mit der Partitur oder einem Roman, während ich die mitleidigen Blicke der