Ah, cruel époux! – du gehst mir auf die Nerven!
Roméo et Juliette (Charles Gounod), Schlussszene
Julia, meine Liebste, mein Augenstern, mein Ein und Alles … war tot. Blass und reglos lag sie vor mir, neben sich den verräterischen Becher mit den Resten eines tödlichen Tranks. Das lange Haar umrahmte ihr stilles, schmales Gesicht.
Vor der reglosen Gestalt kniend und singend, betrauerte ich das, was wir für immer verloren hatten: die Aussicht, miteinander glücklich zu werden. Die Worte, die Felice Romani im Rahmen seines Librettos knapp zweihundert Jahre zuvor zu Papier gebracht hatte, ergriffen mich auch dieses Mal so, dass mir die Tränen in die Augen stiegen. Ich ging in meinen Rollen vollkommen auf – etwas, was sowohl diverse musikalische Leiter als auch das Publikum an mir schätzten und mich neben meinem Gesang zu dem gemacht hatte, was ich mit zweiundvierzig Jahren mittlerweile war: ein Weltstar.
Wie vom Regisseur vorgesehen, zog ich Galina auf dem Höhepunkt meines emotionalen Schmerzes in meine Arme und küsste die scheinbar von mir Gegangene auf den Mund.
Nach mehrfacher Übung, die wir in dieser dramatischen Szene besaßen, hatten wir keinerlei Berührungsängste mehr. Ich gab mir keine Mühe, den Kuss nur zu simulieren.
Außerdem mochte ich Galina, die unkomplizierte Russin, von der ich schon einiges gelesen und gehört hatte, ehe wir uns vor dreieinhalb Wochen das erste Mal gegenüberstanden. Es war Freundschaft auf den ersten Blick. Auch wenn sich unsere Wege zuvor nie gekreuzt hatten – seit Tag eins der Proben für diese Inszenierung der Bellini-Oper im Rahmen der Salzburger Pfingstfestspiele galten wir als unzertrennlich. Der gesamte Chor redete von uns auch abseits der Bühne nur noch als Romeo und Julia, und wir amüsierten uns darüber. Es war einfach schön, sein bisschen Freizeit mit jemandem verbringen zu können, dessen Seele im Gleichklang mit der eigenen schwang. Das war schließlich selten genug der Fall. Meist saß ich in irgendwelchen Restaurants in verschiedenen Städten dieser Welt allein beim Abendessen und befasste mich mit der Partitur oder einem Roman, während ich die mitleidigen Blicke der