: Sissi Merz
: Bergkristall - Folge 281 Mit einem Fremden zum Altar?
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732544424
: Bergkristall
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Ungläubig sieht der Seehofer-Berthold von seiner hübschen Tochter Julia zu Florian Millinger, und die Zornesader an seiner Stirn schwillt gefährlich an. Herrschaftszeiten, ist sie denn noch ganz bei Trost? Julia, sein Augapfel, möchte ausgerechnet den Sohn seines Erzrivalen Xaver Millinger heiraten, den Spross dieser großkopferten Familie? Niemals wird er dem Madel seinen Segen geben, das steht fest! Aber die Liebe, die Julia aus den Augen leuchtet, lässt Bertholds Ärger für den Moment verrauchen.

Doch schon am nächsten Morgen macht er sich auf den Weg ins Tal, um dem verhassten Millinger seinen ausgeklügelten Plan zu unterbreiten. Denn Krisenzeiten machen eben manchmal unliebsame Allianzen nötig ...

Die Sonne ging eben in strahlendem Gold hinter dem Gipfel der Brecherspitz auf, als die hübsche Hoftochter Julia Seehofer mit einem Korb Eier den Hühnerstall verließ und über den Wirtschaftshof auf das Haupthaus zusteuerte.

Julia stand heuer im dreiundzwanzigsten Lebensjahr und zählte im malerischen Tal von Schlehbusch nahe dem Schliersee zu den begehrtesten Partien. Zusammen mit ihrem verwitweten Vater Berthold bewirtschaftete sie einen traditionsreichen Berghof über dem Tal, der sich bereits seit vier Generationen im Familienbesitz befand.

Die Seehofers hatten einen guten Namen in Schlehbusch, sie waren angesehene Leute, das Wort des Bergbauern zählte auch seit vielen Jahren im Gemeinderat. Bislang gab es im Leben der schönen Hoftochter noch keinen Burschen, so glaubte Berthold Seehofer jedenfalls. Ihm war das nur recht, er wollte seine Tochter gern noch eine Weile bei sich behalten, war sie seiner geliebten, allzu früh verstorbenen Frau doch so ähnlich.

Dass Julia ihr Herz in Wahrheit bereits verloren hatte, ahnte er nicht einmal. Und das Mädchen dachte auch nicht daran, es dem Vater auf die Nase zu binden.

Die Altmagd Rosa schaute auf, als Julia nun die geräumige und praktisch eingerichtete Küche betrat, in deren Mitte ein großer Holztisch stand. Hier wurde nicht nur gekocht, hier fanden sich auch Bauersleute und Gesinde zu den Mahlzeiten zusammen.

Nur am Sonntag aßen Berthold und seine Tochter im Esszimmer, wobei Rosa ihnen meist Gesellschaft leistete. Die Altmagd mit den klugen, wachen Augen und dem schlohweißen Haar hatte auf dem Berghof eine Sonderstellung, sie war seit dem Tod der Bäuerin vor vielen Jahren zu einer Art Ersatzmutter für Julia geworden.

Schon als Mädchen hatte sie ihre kleinen und großen Sorgen Rosa anvertrauen können und war dabei stets auf Verständnis und liebende Fürsorge gestoßen. So wusste die Alte stets Bescheid über das, was Julias junges Herz bewegte.

„Da sind die Eier für die Pfannkuchen“, sagte Julia und machte sich daran, den Tisch fürs Frühstück zu decken. „Die Hühner legen in letzter Zeit nimmer so fleißig. Vielleicht sollte der Viehdoktor mal nach ihnen schauen, wenn er nächstes Mal hier ist.“

„Mag sein, das Federvieh hat Liebeskummer“, scherzte die Alte, ohne dabei eine Miene zu verziehen.

Julia warf ihr einen strengen Blick zu.

„Willst du mich auf den Arm nehmen, Rosa? Oder spielst du damit vielleicht auf was ganz anderes an?“

„Ja, mei, das könnt schon sein.“ Die Altmagd rührte