: Thomas Franke
: Das Haus der Geschichten Roman.
: Gerth Medien
: 9783961220533
: 1
: CHF 10.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 288
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Mit seinem Leihkater Poseidon lebt Marvin Heider in einer sanierungsbedürftigen Berliner Altbauwohnung. Dank eines unerwarteten Jobangebots findet er sich plötzlich als Gehilfe eines geheimnisvollen alten Buchhändlers wieder. Dieser betreibt im Keller seines Antiquariats die 'narratorische Apotheke' - er sammelt Geschichten, die den Leser auf ungewöhnliche Reisen mitnehmen, an Orte jenseits des Gewohnten. Schon bald kann auch Marvin sich der Faszination dieser Geschichten nicht mehr entziehen ... Ein kreativer Roman mit einer überraschenden Reise zum Sinn des Lebens.

Thomas Franke ist Sozialpädagoge und bei einem Träger für Menschen mit Behinderung tätig. Als leidenschaftlicher Geschichtenschreiber ist er nebenberuflich Autor von Büchern. Er lebt mit seiner Familie in Berlin. www.thomasfranke.net Foto: © Studioline Erlangen

Frau Linder

„Ein blasses, überirdisch schönes Gesicht erschien dicht unter der Oberfläche des spiegelglatten Bergsees. Nebelschwaden strichen über das Wasser wie die liebkosenden Finger eines gestaltlosen Riesen. Das Gesicht hatte entfernte Ähnlichkeit mit … Cate Blanchett. Langsam ließ Marvin die Hand auf die Wasseroberfläche gleiten. In diesem Moment drang wie aus weiter Ferne eine Stimme an sein Ohr. Ein Gesang brach sich Bahn! Ein Gesang aus einer anderen Welt …“

„Always look on the bright side of life …“

Das Bild vor seinen Augen verschwamm.

„Wie? … Was?“, nuschelte Marvin.

„Always look on the bright side of life …“, wiederholte der Sänger mit geradezu unverschämter Fröhlichkeit. Schrill zerriss die blecherne Stimme die zarten Gespinste seiner Träume, sodass sie zerstoben wie Butterblumensamen, mit denen der Wind spielt.

Super Plot … Ich muss … zurück …, schoss es Marvin durch den Kopf, während er den blechernen Gesang zu verdrängen suchte, um nach den losen Fäden seines brutal abgeschnittenen Traumes zu greifen. Doch die genialen Ideen zogen sich mit erschreckender Geschwindigkeit in die tiefsten Sphären seines Unterbewusstseins zurück. Wie war das gleich noch?Nebelschwaden … geheimnisvoller See … überirdisch schönes Gesicht …

„Always look on the bright side of life …“

„Mist!“ Mühsam versuchte Marvin, seine verklebten Augenlider einen Spaltbreit zu öffnen. Gleichzeitig ließ er seine Hand schwungvoll auf den Radiowecker zusausen, der auf seinem Schreibtisch stand … und traf die Nachttischlampe, die daraufhin, einen Stapel Bücher mit sich ziehend, zu Boden ging. Der Wecker gab indessen ein fröhliches Pfeifen von sich.

„Mist!“

Es gelang Marvin, seinen Kopf ein paar Zentimeter zu heben und über die Bettkante hinweg nach den Leuchtziffern zu schielen – 8 Uhr! Wieso meldete sich das dämliche Teil mitten in der Nacht? Er hämmerte seine Faust auf die Power-Taste des akustischen Ärgernisses, ließ sich seufzend in die Kissen fallen und kämpfte sich zurück in seinen Traum.

… ein blasses, überirdisch schönes Gesicht erschien dicht unter der Oberfläche des spiegelglatten Sees. Nebelschwaden strichen über das Wasser …

Das plötzlich einsetzende grelle Klingeln ließ sein Herz einen Sprung machen und riss ihn mit brutaler Gewalt aus den Federn. Ein altmodischer mechanischer Wecker schrillte gnadenlos und ausdauernd auf einem Stapel Bücher in der gegenüberliegenden Ecke des Zimmers.

Nach einem weiteren lauten, aber leider völlig ergebnislosen Fluch taumelte Marvin müd