: Jean Ziegler
: Das Gold von Maniema
: VNW - Verlag Neuer Weg
: 9783880214484
: 1
: CHF 7.60
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 263
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der einzige Roman des Bestsellerautors Jean Ziegler Jean Ziegler macht in seinem packenden Roman die mutigen Unabhängigkeitskämpfe vom Kolonialismus im Afrika der 1960er Jahre lebendig. Am Morgen nach der Ermordung von Patrice Lumumba bricht die Apokalypse über den Kongo herein. An den Hängen der Vulkane und an den Ufern der großen Seen, in den Savannen, Dschungeln und Sümpfen erheben sich die Völker, attackieren die von den weißen Söldnern Oberst Cermiers unterstützte Obrigkeit und bedrohen die Minen von Maniema, wo die phantastischsten Gold-, Diamanten- und Uranschätze der Welt liegen. Zwei Männer geben diesen chaotischen Rebellionen Einheit, Ziel und Kraft und schmieden zutiefst verfeindete Stämme zu einer Armee zusammen. Die widersprüchlichsten Leidenschaften - Aufopferung, Liebe, Hass und unbändige Hoffnung - beseelen die Frauen und Männer der Rebellenarmee. Aber zwischen dem bewaffneten Gewerkschafter und Humanisten Thomas Lusangi und dem dogmatischen Revolutionär Malcolm Santos aus der Karibik, die zusammen kämpfen, jedoch nicht mit denselben Mitteln und nicht für dasselbe Ziel, erfolgt der Bruch, der die Niederlage des Aufstandes besiegelt. Niemand kann die Tragödie aufhalten. Am allerwenigsten Isabel, die Thomas liebt und von Santos des Verrats verdächtigt wird.

Jean Ziegler war Professor für Soziologie an den Universitäten Genf und Paris-Sorbonne und Nationalrat im Eidgenössischen Parlament der Schweiz, dann UNO-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung. Seit 2008 ist er Mitglied, heute Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UNO-Menschenrechtsrates. Er erhielt verschiedene Ehrendoktorate und 2008 den Internationalen Literaturpreis für Menschenrechte. Seine kapitalismuskritischen Bücher, in mehrere Sprachen übersetzt, lösten erbitterte Kontroversen aus und verschafften ihm hohes internationales Ansehen.

2. Kapitel


Niangala, auf einem Felsvorsprung über dem Zusammenfluss des Kapili und des Duru gelegen, hatte etwa 7 000 Einwohner, die mehrheitlich dem Volk der Wagenia angehörten. Am äußersten Ende des Felsvorsprungs befand sich die Missionsstation, zu der eine steinerne Kirche mit grüngrauem Kupferdach, die Wohngebäude der Priester und Nonnen, die Schulen, das Krankenhaus, Reparaturwerkstätten für die Landwirtschaftsmaschinen, Gemüsegärten und eine Musterfarm, in der Zebus weideten, gehörten. Felder roter Gladiolen leuchteten jenseits der Umzäunung. Blaue Hibiskusbäume und riesige duftende Mimosastauden spendeten Schatten selbst am Mittag.

In einiger Entfernung schienen Lehmhütten wie zufällig entlang der einzigen gepflasterten Straße hingeworfen. Diese war leicht erhöht, damit die Lastwagen in der Regenzeit zwischen Juba und den Kaffeepflanzungen des Kivu den Ort passieren konnten. Beidseits der Straße reihten sich die Läden der mauretanischen Händler aneinander, die mit weiten blauenboubous, bodenlangen Gewändern, bekleidet waren, die Baracken der libanesischen Diamantenhändler, die Lebensmittelläden und die von Portugiesen geführten kleinen Restaurants, die höhlenartigen Geschäftsräume der pakistanischen, indischen und singhalesischen Familien, die jene zartgrünen, roten, violetten, orangefarbenen Stoffe verkauften, aus denen die Kongolesinnen ihre Wickelröcke anfertigten. Stelios, ein bärtiger, sympathischer Grieche mit Donnerstimme, führte das einzige Hotel am Ort.

Wie alle Märkte des Nordens und Nordostens fand auch der Markt von Niangala zweimal pro Woche statt, freitags und sonntags. Auf dem roten Lehmboden sitzend, boten die Bäuerinnen inmitten eines Höllenlärms aus Gegacker, Geschwätz, Gemecker und Geschrei kleine Portionen gerösteter Ameisen und geräucherter Raupen feil, Säckchen mit dicken Mehlwürmern, in Körben zusammengepferchte Hühner, angeleinte junge Affen mit traurigen Augen und räudigem Fell, Ziegen, die die dreckigen Papierschnipsel kauten, mit denen der Platz übersät war, Emailwannen, Korbwaren, Töpferarbeiten, Eisenpfannen, Seife und Blechnäpfe. Schwarze Schweine tummelten sich in der Menge, warfen Körbe um und wühlten in den Haufen faulender Früchte.

Hinter dem nördlichen Ortsausgang wand sich die Piste auf den Hügelkämmen entlang, gesäumt von winzigen Feldern, die den Hang bis zum Gipfel bedeckten, so wenig Land hatte man den Schwarzen zugestand