Frühlingsregen klopfte gegen die Fensterscheiben, und Ann-Kathrin Prinzessin von Elbersdorf schaute mit einem wohligen Gefühl auf die verregnete Parklandschaft, die draußen zu sehen war. Von den Blättern der großen Kastanien fielen schwere Tropfen, und das Grün des gepflegten Rasens glänzte vor Nässe.
Heute war definitiv ein Nachmittag, an dem man es sich so richtig gemütlich machen konnte, was sie auch vorhatte.
Sie entzündete das Kaminfeuer, denn es war kühl draußen, schob die DVD von einem schnulzigen Liebesfilm ein, lümmelte sich zufrieden auf das kostbare antike Ledersofa und brach eine Tafel Schokolade an, um sich damit das Heimkino zu versüßen.
Leider sollte der Genuss nicht allzu lange währen. Noch bevor die Filmheldin die Szene betrat, betrat Ann-Kathrins Mutter energischen Schrittes die Kaminhalle des Schlosses. In der Hand hielt sie das Telefon, um es ihrer Tochter zu reichen.
»Ein Gespräch für dich, bitte mach den Ton aus.«
Mit innerem Bedauern kam Ann-Kathrin dieser Aufforderung nach.
Ihre mit den Lippen geformte Frage: »Wer ist denn dran?«, blieb unbeantwortet. Ihre Mutter verriet einem nie vorher, wer am Telefon war. Doch es war nicht schwer, die Stimme am anderen Ende der Leitung zu erkennen. Sie gehörte eindeutig zu ihrer Patentante Constanze Baronin von Meyringen, und dem Tonfall war zu entnehmen, dass es dringend war.
»Bist du es Ann-Kathrin?«
»Höchstselbst, liebe Tante. Um was geht es denn?«
Ein überzeugendes Seufzen war die Antwort, gefolgt von der Feststellung: »Es ist einfach eine Katastrophe!«
Prinzessin Ann-Kathrin mochte ihre Patentante Constanze. Sie war sogar ihre absolute Lieblingstante, was bei den zahlreichen Tanten, die man als Prinzessin zu haben pflegt, einiges bedeutete. Dennoch hatte sie an ihrem geplanten Fernsehnachmittag wenig Lust auf Katastrophen. Zumal auf solche, die – sie ahnte es – mit dem kleinen, aber noblen Schlosshotel zusammenhingen, das ihre Tante betrieb.
Ihre Ahnung sollte sie nicht täuschen.
»Frau Landmann ist schwanger geworden, und nun habe ich absolut niemanden mehr, der mir die nächsten Wochen im Hotel hilft.«
Frau Landmann war Tante Constanzes tüchtig