1. Kapitel – Kalle
Heute ist der coolste Tag überhaupt!
Hochzeitstag!
Unser Mads und unsere Linna heiraten nämlich. Und zwar sich gegenseitig. Au Mann, ich bin ja so was von aufgeregt!
»Kasimir, was passiert denn da eigentlich so?«, frage ich meinen besten Freund und Ermittlerchef, der auf der Sofalehne liegt. Das ist sein Stammplatz. So wie ich immer hier in meinem superbequemen, weichen Körbchen sitze. Von der Sofalehne aus kann er das Treiben in der Wohnung mit dieser irren Coolness angucken, die nur ein echter Kommissar draufhat. Das ist nämlich sein Job: Kriminalfälle lösen. Und ich bin dabei sein Assistent. Als Team sind wir echt unschlagbar. Aber heute sind wir natürlich nicht im Dienst.
Jetzt zucken Kasimirs Schnurrhaare ein bisschen. Daran seh ich, dass er mir zuhört. Also kann ich wohl noch etwas genauer werden: »Ich mein, wenn Mads Linna heute das Wichtigste und Beste in seinem Leben schenkt, wie macht er das?«
Mads Freund Rainer hat es nämlich genau so beschrieben, als es darum ging, ob Mads Linna einen Heiratsantrag macht. Er hat behauptet, das Wichtigste und Beste überhaupt im Leben eines Mannes ist: Freiheit.
Jetzt mal unter uns, das gilt natürlich nur für Zweibeiner. Als Mops seh ich das anders. Wenn ich da zum Beispiel an diese gigomantischen Lachshäppchen denke, die Linna manchmal als Leckerchen für uns mitbringt. Oder an diesen riesigen, gewaltigen, saftigen Knochen, den ich bekommen hab, als ich bei unserem letzten Ermittlungsfall diesen Glitzerblitzerring gefunden habe. Oder einfach an die Nudelreste, die Mads mir manchmal heimlich …
»Möchtest du nun wissen, was beim Heiraten passiert, oder willst du weiter an Futter denken?«, fragt Kasimir von seiner Lehne herunter.
»Woher weißt du …?«, beginne ich.
»Du sabberst«, unterbricht Kasimir mich.
Echt jetzt?! Verflixt! Ich schlucke.
Kasimir seufzt. »Wenn du öfter mit uns fernsehen würdest, könntest du deine Allgemeinbildung enorm aufwerten«, meint er. Da hat er natürlich recht, wie immer. Er selbst sieht abends zusammen mit Linna den Profi-Kommissaren im Fernsehen zu und lernt dabei jede Menge. Aber was soll ich sagen? Egal, wie sehr ich es mir vornehme, das Ende vom Tag ist meistens auch das Ende der Kalle-Power, und dann penn ich jedes Mal ein.
Ist also logo, dass Kasimir mal wieder besser Bescheid weiß. Und das, obwohl mein Ermittler-Chef mit Liebe und solchen Dingen selbst nix zu schaffen hat. Er ist einfach echt der klügste Kater, den ich je getroffen hab. Auch wenn er diesen einen wirklich schlimmen Tick hat. Und der kommt jetzt wieder mal raus: Er setzt sich auf und fängt an, seine Pfoten zu schlecken und damit über den Kopf zu fahren. Menno, das kenn ich. Das kann jetzt stundenlang so gehen.
»Jetzt rück schon raus, Kasimir!«, bettle ich. »Weißt du etwa, wieso Mads mit seinem superschicken Anzug heute Morgen zu Rainer gegangen ist? Und wieso haben Mama Hannelore und Amelie diese ganzen Farben und Tuben und all das mitgebracht?«
Kasimir hört mit dem Schlecken auf, und wir gucken beide zum Esszimmertisch rüber.
Da sitzt unsre hübsche und heute sehr nervöse Linna auf einem der Stühle. Mama Hannelore – die natürlich nicht meine, sondern Linnas Mama ist – hat auf dem Tisch so viele Schachteln und Döschen ausgebreitet, dass kein Platz mehr fürs Essen wäre – echt beunruhigend also. Aber Linna macht das wohl nix aus, sie scheint gerade keinen großen Appetit zu haben.
Linnas beste Freundin Amelie steht hinter ihr und fummelt endlos an Linnas schönen, duftigen Haaren herum. Die flechtet sie hierhin und dorthin und steckt fest und dreht ein, bis Linna aussieht wie eine von den Zuckerbrezeln, die sie manchmal zum Samstagsfrühstück isst.
Mama Hannelore rührt in den Töpfc