: Sören Prescher, Silke Porath
: Mörderische Sächsische Schweiz 11 Krimis und 125 Freizeittipps
: Gmeiner-Verlag
: 9783839253663
: 1
: CHF 9.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB/PDF
»Endlic mal raus aus dem täglichen Trott in der Buchhandlung. Nichts als Natur und Kultur.« Meta Malewski schnürt die Wanderstiefel und macht sich mit viel Zeit und der Kamera im Gepäck auf in die sächsische Schweiz. Die Hobbyfotografin bekommt aber nicht nur grandiose Landschaften und weltbekannte Kulturdenkmäler vor die Linse, sondern auch viele Menschen aus Pirna oder Hohnstein, Stolpen oder Sebnitz. Denn wo immer Meta auftaucht, hört sie denselben Satz: »Darüber sollte mal jemand ein Buch schreiben.« Entstanden sind elf spannende Kriminalfälle, aktuelle und historische, die die Sächsische Schweiz von einer ganz anderen Seite zeigen.

Silke Porath und Sören Prescher haben im Gmeiner-Verlag bereits die kriminellen Reiseführer über die Donau und die Lausitz veröffentlicht. Beide sind Mitglied bei den 42er Autoren und haben bereits zahlreiche Romane veröffentlicht. Silke Porath ist auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen. Die Lehr- und Studienjahre verbrachte die bekennende Schwäbin zum Teil im badischen Exil. Heute lebt sie mit ihrem französischen Mann wieder in ihrer Heimatstadt Balingen. Die ausgebildete Redakteurin und PR-Beraterin hat drei Kinder. Ihre Leidenschaft gilt dem Schreiben und das vermittelt sie als Schreibtrainerin großen und kleinen Autoren. Ihre Geschichten und Romane wurden mehrfach ausgezeichnet. Sören Prescher ist in Bautzen geboren und wohnt mit seiner Familie in Nürnberg. Neben seiner Arbeit für ein internationales Wirtschaftsunternehmen schreibt er für das Nürnberger Musik- und Kulturmagazin RCN. In den vergangenen Jahren erschienen mehrere Romane von ihm, die von Steampunk über Mystery und Horror bis zu Thrillern beinahe sämtliche Genres abdecken. Weitere Infos: www.soeren-prescher.de.

Pirna, 2013


Ratlos. Damit konnte man den Gesichtsausdruck von Kommissar Hellstein am besten beschreiben, als er auf den Leichnam starrte. Der irgendwie zurückzustarren schien aus weit aufgerissenen, sehr toten Augen. August Hellstein unterdrückte ein der zu frühen Stunde geschuldetes Gähnen, reckte die Schultern und trat einen halben Schritt vor, darum bemüht, keine Spuren auf dem Bürgersteig vor dem Lokal »Weißes Roß« zu zerstören. Ein lauer Maiwind wehte ihm entgegen, war aber nicht unangenehm.

Wieder starrte er sekundenlang auf das Bild, das sich so gar nicht einordnen ließ, und trat dann zwei Schritte zurück. Nun hatte er quasi die Totale im Blick. Hellstein blendete die Kollegen der Spurensicherung in ihren weißen Overalls aus, die Streifenwagenbesatzung und die beiden Angestellten des Bestattungsunternehmens, die bereits mit den Füßen zu scharren schienen, um die Leiche endlich in den Zinksarg zu packen.

»Wer hat den Mann gefunden?«, fragte er automatisch und vernahm wie durch einen Nebel die Antwort des Polizeiobermeisters: »Ein Gassigänger, hat wohl einen Schock. Hund und Herrchen sitzen da hinten auf der Bank.« Hellstein scannte den Tatort und versuchte, sich so viele Details wie möglich einzuprägen. Der Tote sah auf den ersten Blick aus wie einer, der im »Weißen Roß« zu lange und zu viel gezecht hatte und dann hier hinten umgefallen war. Und auf den ersten Blick könnte man meinen, er habe sich vielleicht beim Aufprall auf einen der mit roten Geranien bepflanzten Blumenkübel, die entlang der Wirtshausfassade aufgestellt waren, das Genick gebrochen. Und zwar auf eine so saubere Art und Weise, dass sie ganz genau zum äußeren Erscheinungsbild der Leiche passte: beiger Trenchcoat, darunter ein anthrazitfarbener Anzug, der sicher einen halben Polizistenmonatslohn gekostet hatte, eine dezent grüne Krawatte und Schuhe aus weichem Leder, deren Sohlen kaum abgelaufen waren. An der linken Hand trug der Tote eine klobige Uhr. »Raubmord scheint das nicht gewesen zu sein«, mischte sich Kollege Hansen ein. Hellsteins Assistent hatte sich bis jetzt im Hintergrund gehalten und begann nun damit, Fotos vom Tatort zu machen.

»Haben wir eine Tatwaffe?«, wandte Hellstein sich an die Kollegen der SpuSi.

»Negativ.«

»Was könnte das gewesen sein?« Der Kommissar nickte in Richtung Hals des Toten. Der war, wie der Rest des Gesichts, glatt rasiert. Einzig ein Schnitt entlang der linken Halsschlagader störte das adrette Bild. Und die Blutlache, die sich auf dem weißen Hemd ausgebreitet und auf dem Kopfsteinpflaster fortgesetzt hatte.

»Spitzer Gegenstand.«

Hellstein seufzte. Und dachte dran, dass er jetzt eigentlich gar nicht hier sein müsste, wenn Kommissar Hans Jürgen Rabenschmidt und seine Partnerin Heike Gerlach nicht gleichzeitig Urlaub machen würden. Er beim Wandern auf der Schwäbischen Alb, sie bei der Hochzeit einer Cousine in Nürnberg. »Geht mich eigentlich nichts an«, murrte er innerlich und nahm sich vor, die Zuständigkeiten innerhalb der Pirnaer Polizei bei der nächsten Betriebsversammlung anzusprechen. Dann stülpte er sich die Plastikhandschuhe über, die der wortkarge SpuSi-Kollege ihm reichte, ging in die Knie und betastete das Jackett des Toten. In der Innentasche wurde er fündig. »Brieftasche, na bitte.« Das lederne Etui enthielt neben knapp 300 Euro Bargeld zahlreiche Kredit-, Vielflieger- und sonstige mehr oder weniger sinnvolle Plastikkarten. Und den Ausweis des Mannes. »Gerd Ziegler, 17. August 1974 in Stuttgart geboren, wohnhaft in Pirna, Lautenbachstraße 3.«

»Das ist ja gleich um die Ecke«, bemerkte Hansen und knipste den Ausweis in der Hand seines Vorgesetzten. Hellstein zog die Hand zurück und ließ die Papiere allesamt in einen wiederverschließbaren Plastikbeutel gleiten. Kurz dachte er daran, wie viel lieber er jetzt an der Elbe sitzen würde, aufs gemächlich fließende Wasser starren, in der einen Hand einen Becher Milchkaffee, in der anderen eine selbstgedrehte Zigarette. Aber erstens hatte er vor Jahren mit dem Rauchen aufgehört und zweitens machte sein Liebli