Kapitel 2
Die Flammen schlugen hoch in den Himmel, bildeten für einen Moment einen orangefarbenen Feuerball.
»Idiot!«, schrie Eva. »Du bringst uns alle um mit deinem blöden Spiritus!«
»Halt die Fresse, ja?«, brüllte Boris zurück, aber Eva ließ sich nicht beeindrucken.
»Du bist der Erste von uns, dem der Alk ’s Hirn zerfrisst. Oder – wahrscheinlich hast nie eins gehabt?«
»Hört auf zu streiten!« Katrin brach in Tränen aus. »Die Nina ist tot. Und ihr zofft euch wegen … Spiritus.«
»Entspann dich, Mädel. Heulen hilft nichts. Zumindest der Nina hilft’s nicht mehr.« Der Quirin drückte Katrin eine fast leere Wodkaflasche in die Hand. »Trink lieber ’nen Schluck, das hätt die Nina auch getan an deiner Stelle.«
Eine halbe Stunde später waren die Mädchen allein. Eva lag auf dem Rücken, hatte die hochhackigen Schuhe abgestreift und die Jacke unter dem Kopf zusammengerollt. Katrin saß neben ihr, die Arme um die aufgestellten Knie geschlungen.
»Glaubst du, dass es irgendwas gibt, nach dem Tod? Ich meine, für die Nina?«
»Quatsch«, sagte Eva. »Da ist nix. So wie wir jetzt schon nichts sind. Nullen eben.« Die Jungs waren abgezogen, um mehr Alk zu holen, und Eva zeigte sich, solange sie nicht ihr gewohntes Quantum intus hatte, reizbar.
»Warum leben wir dann überhaupt?«, fragte Katrin weiter.
»Keine Ahnung. Weil unsere Alten Lust zum Vögeln hatten, ohne Gummi?«
»Magst du Sex?«
Eva antwortete nicht gleich. »Wenn er genug Kohle bringt«, sagte sie schließlich gleichgültig.
»Und was ist mit Spaß?« Katrin zögerte, ehe sie hinzufügte: »Oder Liebe?«
»Siehst ja, wo die Nina damit gelandet ist.«
»Solang sie mit dem Basti beisammen war, war sie glücklich.«
»Und was hat der Arsch gemacht? Sie fallen gelassen.« Langsam richtete sich Eva auf. »Wo zum Teufel bleiben die anderen?«
Und die Flaschen, dachte Katrin. »Denkst du manchmal an später?«, fragte sie die Freundin.
»Wie, später? Morgen oder was?«
»Ganz später. Wenn wir 40 sind oder so. Richtung Midlife halt. Wie siehst du dich dann?«
Eva lachte. »Reich. Bis dahin hab ich mir irgendeinen geldigen Sack geangelt, der mir vollen Zugang auf sein Konto lässt. Mir zum Geburtstag ’n Cabrio schenkt. Oder ’ne Villa auf Mallorca, mit Putze und Swimmingpool, das tät mir noch besser gefallen.«
Katrin schwieg. Für Eva schien die Welt einfach. Und für sie selbst? Sie schrak zusammen, als sie einen Mann gewahrte, der gemächlich den Saalachstrand heraufwanderte. Wer mochte das sein? Katrin wollte sich einreden, dass sie keine Angst verspürte, aber in Wahrheit fürchtete sie sich entsetzlich. Allein mit Eva, ohne die Jungs, die sie im Notfall beschützen würden. Konnte es der Typ sein, der Nina … auf dem Gewissen hatt