VOR VIER JAHREN
Michael Haygarth sah nicht gerade aus wie ein Mann, der zwei Frauen vergewaltigt und ermordet hatte, aber Lucy wusste ja bereits, dass man den Irren nicht unbedingt ansah, wie gestört sie waren. Er saß ihr gegenüber auf einer der hinteren Sitzbänke des nicht gekennzeichneten Mannschaftswagens der Polizei. Während der ganzen Fahrt hatte er kein einziges Wort gesagt, er ließ den Kopf hängen, als hätte er keine Kraft, ihn hochzuhalten.
Es war eine unbequeme Position. Haygarth war groß, etwa eins dreiundneunzig, aber auch schlaksig, und so, wie er da auf seinem beengten Platz saß, berührten seine spitzen Knie beinahe seine Brust. Er musste zwischen vierzig und fünfzig sein, vermutete sie, allerdings war sie sich nicht sicher. Er hatte kaum Haare, und die wenigen hinten und an der Seite hatte er abrasiert, sodass nur graue Stoppeln zu sehen waren. Seine Haut war dunkel, sonnengebräunt – als ob er eine Zeit lang im Süden gelebt hätte oder sogar von da kam, aber beides traf offenbar nicht zu. Sein schmales Kinn, seine Stupsnase und seine hervorstehenden Zähne verliehen ihm ein nagerartiges Aussehen, und dennoch strahlte er merkwürdigerweise eine gewisse Harmlosigkeit aus. Seine glasigen Augen und sein leerer Blick ließen vermuten, dass er gar nicht ganz da war. Jedenfalls verriet sein Gebaren nicht den leisesten Hauch von Gewalttätigkeit. Statt wie ein Mordverdächtiger wirkte er eher wie einer dieser hoffnungslosen, arbeitslosen komischen Käuze, die den ganzen Tag auf irgendeiner Parkbank herumsitzen.
Aber er hatte ein Geständnis abgelegt. Und das, ohne auch nur in irgendeiner Weise unter Druck gesetzt worden zu sein.
Der Transporter wurde abgebremst und kam knirschend zum Stehen, vermutlich auf der unbefestigten Straße, die in den Borsdane Wood hineinführte, allerdings konnten die hinten sitzenden Insassen das nicht mit Bestimmtheit sagen, da es dort nur die beiden vergitterten Fenster in den hinteren Türen gab, durch deren getönte und verschmutzte Scheiben nichts als Düsternis in das Innere des Wagens fiel. Die anderen Detectives, die hinten in dem Mannschaftswagen zusammengedrängt waren, regten sich und unterhielten sich gedämpft, während sie sich zum Aussteigen bereit machten. Begleitet von einem Scheppern und dem Geräusch von aneinanderschlagendem Metall, wühlten sie in dem Haufen Spaten, Schaufeln und Hacken herum, die auf dem genieteten Stahlboden des Wagens bereitlagen.
Die Hintertüren des Wagens wurden von draußen aufgerissen. Kalte Luft strömte herein, dampfender Atem umwaberte die große, schlanke Gestalt von Detective Inspector Doyle und den kleineren, stämmigeren Umriss von Detective Sergeant Crellin. Sie waren beide bereits in ihre weißen Tyvek-Overalls geschlüpft, hatten sich Einweghandschuhe übergestreift und hielten jeweils eine Taschenlampe in der Hand.
»Jetzt sind Sie dran, Michael«, sagte Detective Inspector Doyle und klappte ihr Notizbuch auf. »Ich habe mir Ihre Wegbeschreibung genau notiert, aber ich möchte trotzdem alles noch einmal mit Ihnen durchg