: Tereza Vanek
: Schwarze Seide
: Ulrike Helmer Verlag
: 9783897419803
: 1
: CHF 13.50
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 380
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
London im Jahre 1787: Mit ihrer extravaganten Erscheinung und ihren freien Ansichten gilt die Malerin Natalja Serbinskaja als ein bunter Vogel. Die junge russische Gräfin denkt nicht daran zu heiraten, sehr zum Leidwesen ihrer Amme und stetigen Begleiterin Jelena. Doch dann verliebt sich Natalja - in die Schwarze Sadie. Tereza Vanek erzählt eindrucksvoll die Geschichte einer Frauenliebe zu Zeiten der Sklaverei.

Tereza Vanek ist 1966 in Prag geboren, kam als Kind mit ihren Eltern nach Deutschland. Nach einem philologischen Studium arbeitete sie in London. Später kehrte sie nach Prag zurück, wo sie als Fremdsprachendozentin tätig war. Heute lebt und arbeitet Tereza Vanek in München. Sie beschäftigt sich intensiv mit geschichtlichen Themen, die sie in ihren historischen Romanen aufgreift.

20. März 1787


Es ist inzwischen so viel geschehen, ich weiß nicht, wo ich beginnen soll. Wir sind hier in einem Herrenhaus auf dem Lande untergekommen, einige Meilen von Bristol entfernt. Marie Luise meint, wir könnten einmal einen Ausflug ans Meer machen, aber es ist immer noch recht frisch draußen. In der Nachbarschaft befinden sich ein paar kleinere Dörfer, deren Bewohner die Pächter der Cavenders sind. Diese Einnahmen reichen aber nicht, um einen Lebensstil entsprechend den Ansprüchen von Anthony Cavender zu ermöglichen. Das meiste Geld stammt wohl von der Zuckerplantage in Jamaika. Diese Plantage hat er vergrößert und ausgebaut – mit Hilfe von Marie Luises beachtlicher Mitgift, wie ich vermute. Nun ist er mit seiner Familie wieder nach England zurückgekehrt, denn die Plantage scheint zu seiner Zufriedenheit zu laufen und er hat einen vertrauenswürdigen Aufseher gefunden, der in seiner Abwesenheit nach dem Rechten sieht.

Die Cavenders sind Sklavenhalter! Ich hätte es mir eigentlich denken können, aber es wurde mir zuvor nicht wirklich bewusst. Marie Luise erwähnte in den wenigen Briefen, die sie mir nach ihrer Hochzeit schickte, jedenfalls keine Sklaven und scheint auch jetzt nicht sonderlich willens, auf dieses Thema einzugehen. Sie erzählte mir, die Leute würden aus Afrika geholt, wo sie als Wilde hausen. Die Sklaverei würde sie der Zivilisation und dem rechten Glauben näher bringen. Außerdem seien