: Katinka Buddenkotte
: Früher war wenigstens Sendeschluss Film und Fernsehen für Fortgeschrittene
: Penguin Verlag
: 9783641095413
: 1
: CHF 2.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 200
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
„Muskelkater vom Dauergrinsen garantiert!“ Jürgen von der Lippe über Katinka Buddenkotte

Die Comedienne Katinka Buddenkotte ist ein Film- und Fernsehprofi. Von der Couch aus. Seit frühester Kindheit fernsehbegeistert hat sie allen Unkenrufen zum Trotz dabei viel fürs Leben gelernt. Zum Beispiel, dass Schauspieler mit Ketchup gefüllt sind und man Erwachsenen eher die peinliche Knutscherei verzeiht, wenn dabei gute Hintergrundmusik läuft. Vom Bildschirm und der Leinwand nimmt sie stets wertvolle Erkenntnisse mit in die dreidimensionale Welt, die man Leben nennt. Witzig, pointiert, frech und doch wunderbar tiefsinnig – in diesen Geschichten zeigt sich Buddenkotte at her best!

Katinka Buddenkotte, Jahrgang 1976, wurde schon mit ihrem ersten Buch „Ich hatte sie alle“ deutschlandweit zu einem Synonym für humorvolle Unterhaltung für junge Frauen. Diesem Bestseller folgten erfolgreiche Kurzgeschichtenbände, danach ihr Roman-Debüt „Betreutes Trinken“ („Gerissen und witzig erzählt… Hier geht es um das wahre Leben, Fluchten und Besäufnisse.“ LIFT Stuttgart). Sie lebt als Kabarettistin, freie Autorin und Vorleserin in Köln.

Alles nur Show

Zunächst möchte ich meiner Schwester danken, für ihre großartige Performance als Erstgeborene. Sie überzeugte meine Eltern durch grundsätzliche Niedlichkeit, einfache Handhabung und ein erfreulich hohes Schlafbedürfnis. Hätte ich ihren Part übernommen, wäre ich wohl Einzelkind geblieben. Denn auch die risikofreudigsten Produzenten würden niemals ein Sequel von einem Film herausbringen, der bei den Zuschauern floppte. Bei mir waren von vornherein Drehbuchschwächen zu erkennen: Die Geburt dramatisch, aber zu langwierig, das Ergebnis erstaunlich verschrumpelt und ein wenig gruselig. Das breite Publikum konnte sich kaum mit dem ewig schreienden, aber niemals blinzelnden Kind identifizieren, selbst die nähere Verwandtschaft fand keinen rechten Zugang zu mir.

Außerdem entwickelte sich mein Charakter nicht logisch. Bevor ich laufen konnte, sprach ich in ganzen Sätzen, mein Favorit war: »Trag mich nach Hause.« Zu Hause fand ich toll, Ausflüge wusste ich nicht wirklich zu würdigen. Gingen wir in den Zoo und wurden später gefragt, welche Tiere wir gesehen hätten, berichtete meine Schwester artig von Affen, Elefanten und Geparden und imitierte die entsprechenden Geräusche. Ich gab zu Protokoll: »Spatzen. Die machen flap-flap-flap.« Euphemistisch konnte man behaupten, dass ich konzentriert, detailversessen und kleintierlieb war. Meine Mutter machte sich das zunutze, indem sie mich beim Wäscheaufhängen an der Mülltonne parkte, wo ich meine Zeit mit den dort ansässigen Ohrenkneifern verbrachte. Über Monate liebte ich es offenbar, einfach nur still dazuliegen und die Insekten über mich krabbeln zu lassen. Aber eines Tages schrie ein Nachbarskind: »Igitt, das sieht aus, als wärst du tot!« Da schrie und heulte ich bitterlich, da ich nicht »Igitt« sein wollte.

Vom Tod hatte ich noch kein richtiges Konzept, aber da unser Hund mittlerweile recht klapprig wurde, sahen meine Eltern dieses Ereignis als willkommenen Anlass, um uns behutsam an das Thema heranzuführen. »Also, die Oma ist ja auch schon alt …« Eine klassische, aber eben auch fehleranfällige Eröffnung. »Wie alt ist Oma denn?«, fragte meine Schwester. »Oh, äh, über siebzig«, schätzte meine Mutter. »Und wie alt ist der Hund?« »Elfeinhalb«, wusste mein Vater aus dem Kopf. Meine Schwester und ich atmeten erleichtert auf. Unser Hund hatte also noch gute sechzig Jahre vor sich, er würde leben, bis wir selbst Eltern wären. Schon fingen wir an, darüber zu streiten, bei wem von uns er dann wohnen würde: in meinem Baumhaus oder auf der Pferderanch meiner Schwester. Ob meine Eltern sich an das Stichwort »Pferd« klammerten oder ob sie einfach wie immer den Fernseher anschalteten, wenn es unübersichtlich wurde, bleibt für ewig ungeklärt. Auf jeden Fall lief dort geradeWestern von gestern. Das ideale Format, wenn man seiner Brut veranschaulichen will, wie die Welt funktioniert: Der Held hat immer einen schlauen Spruch auf den Lippen, die Farmerstochter ist auch in Schwarz-Weiß wunderschön, und wer beim Kartenspielen schummelt, wird direkt erschossen. Leider wollten unsere Eltern trotzdem an dem Thema »Tod von Tieren« festhalten und starteten einen zweiten Versuch: »Guckt mal, die Pferde, die rennen ja sehr schnell. Deswegen sterben die auch schneller und …« Meine Schwester fing wie auf Knopfdruck an zu heulen, und ich sagte: »So schnell rennen die in echt gar nicht. Das ist nur Film. Die spulen das einfach schneller ab.« Aus irgendeinem Grund