: Tammy Cohen
: Du stirbst nicht allein Psychothriller
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641205638
: 1
: CHF 3.60
:
: Spannung
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Vier tote Mädchen. Vier trauernde Familien. Ein Killer auf freiem Fuß.

Vor vier Jahren erschütterte der Mord an der siebenjährigen Megan Purvis ganz London. Die Leiche des Mädchens wurde in einem abgelegenen Waldstück gefunden, auf ihrem nackten Schenkel stand das Wort »Sorry«. Zwei Jahre später verschwand Tilly Reid, auch ihre Leiche wurde gezeichnet und im Wald gefunden. Vierzehn Monate danach fand man erneut eine Mädchenleiche. Der Mörder der drei wurde nie gefasst. Und nun ist die kleine Poppy Glover verschwunden ...

Tammy Cohen arbeitet als freie Journalistin für verschiedene Zeitschriften und Magazine, u.a. für »Cosmopolitan« und »Woman and Home«. Auch wenn sie das Schreiben fiktionaler Texte erst spät für sich entdeckte, hat sie bereits mehrere Romane veröffentlicht. Sie lebt mit ihrem Partner, ihren drei (fast) erwachsenen Kindern und einem sehr ungezogenen Hund im Norden Londons.

1

Donnerstag wird der Müll geleert, denk dran, die Mülltonne vor das Tor zu stellen, oder sie nehmen ihn nicht mit. Jemima? Hat heute Sport, Turnzeug ist gewaschen und liegt neben ihrer Schultasche (das Oberteil ist langsam viel zu klein, muss ein neues bestellen), die Einkäufe sind ordentlich im Kühlschrank verstaut. Verdammt, Caitlins Geige braucht eine neue Saite. Muss dran denken, bei Maitlands eine mitzunehmen und sie vor dem Unterricht in der Schule abzugeben. Wie spät ist es? Vier? Halb fünf? Zum Glück ist Nancy dran, die Mädchen vom Ballett abzuholen, also habe ich Zeit für ein richtiges Abendessen. Brathähnchen? Oder was war es noch, was Jemima letzte Woche bei ihrer Freundin Violet gegessen hat und so gern mochte? Tagine mit irgendwas? Sollte ich das mal ausprobieren?

Verloren in ihrem Gedankenstrom, nahm Emma den Wecker nur am Rande wahr.

»Kannst du dasScheißding abstellen?«, fragte Guys Rücken. Er betonte das »Scheiß«, wie ein unsicheres Kind, das zum ersten Mal zu fluchen versucht. Schon komisch, dass sein Rücken fast schon eine eigene Persönlichkeit entwickelt hatte, jetzt, da Emma ihn so oft sah. Er war widerspenstig, kompakt und unnachgiebig – sie stellte ihn sich wie Marlon Brando inEndstation Sehnsucht vor, nur in sich gekehrte Muskeln und angespannter Widerstand. Ganz anders als Guy selbst, dessen Anwesenheit wie feiner Nebel über dem ganzen Haus lag und überall und nirgends gleichzeitig war.

Sie schwang die Beine aus dem Bett und stemmte sich mutlos hoch. Konnte es wirklich eine Zeit gegeben haben, in der sie die Decke zurückgeworfen und sich kopfüber in den neuen Tag gestürzt hatte? Sie versuchte sich zu erinnern, doch ihr Kopf war leer.

Sie saß auf der Bettkante wie ein Vogel auf seiner Stange und hob ihre Sachen von dem cremefarbenen Schaffellteppich auf. Die Wolle fühlte sich weich und tröstlich an, und sie verspürte den Drang, ihr Gesicht darin zu vergraben.

Stattdessen streifte sie mit möglichst wenigen Bewegungen ihren Schlafanzug ab und schlängelte sich in ihre Kleidung. Sie hatte Guy den Rücken zugewandt – wenn er sich umgedreht hätte, hätte er nur ihr Rückgrat und die scharfen Kanten ihrer Schulterblätter gesehen, bevor der Schleier ihres weiten grauen Baumwolljersey-Oberteils über die weiße Leinenhose mit den weiten Beinen fiel. »Die westliche Variante einer Burka« hatte Guy die Kleider einmal genannt, die sie dieser Tage trug. Er hatte dabei ironisch geklungen, doch sein Gesicht war traurig gewesen.

Obwohl es noch früh war, brannte die Sonne schon durch die weißen Vorhänge und beleuchtete die antiken Schränke im französischen Stil und den Sessel mit dem Kattunbezug und den cremefarbenen bestickten Kissen. Im Morgenlicht, das durch die Milchglasscheibe hereindrang, schien Guy, der in dem riesigen Bett seitlich auf einem Nest aus weißen Kissen und Daunendecken lag, wie eine übergroße Putte auf einer Wolke zu schweben. Nur sein Rücken, ange