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Der Regen troff von den Dächern und Fassaden, den Autos und Bussen, den Bürgersteigen und Fußgängern. Seit Beginn des Frühlings fiel er nahezu unablässig.
Mia kam von einem Treffen mit ihrem Agenten. Creston war ein Gentleman alter Schule, er sagte stets die Wahrheit, tat dies jedoch mit Takt. Elegant bis in die Ausdrucksweise, war er überall respektiert, und seine scharfen, aber nie verletzenden Bemerkungen wurden bei Dinnerpartys oft zitiert. Mia war sein Schützling, was im grausamen und oft rücksichtslosen Filmbusiness als unschätzbares Privileg gelten konnte.
An diesem Tag hatte er sich in einer Privatvorführung Mias neuen Film angesehen, und da sie ihn zu solchen Anlässen nie begleiten durfte, hatte sie in seinem Büro auf ihn gewartet.
Nachdem er seinen Regenmantel abgelegt hatte, hatte Creston es sich in seinem Sessel bequem gemacht und Mia nicht länger auf die Folter gespannt.
»Etwas Action, eine Prise Romantik, die Szenen geschickt um einen zu dünnen Plot konstruiert, aber wen schert das heute noch? … Das wird ein Riesenerfolg!«
Mia kannte Creston gut genug, um zu wissen, dass er nicht mehr dazu sagen würde.
Sie selbst sei wundervoll, fuhr er fort, ein wenig zu oft nackt, darauf müsse man das nächste Mal besser achten und nicht alle naselang ihren Hintern zeigen. Er werde ein Auge darauf haben, im Interesse ihrer Karriere, man würde als Schauspielerin ja so schnell in eine Schublade gesteckt.
»Sagen Sie mir frei heraus, was Sie von dem Film halten, Creston.«
»Du spielst fantastisch, und das ist schon eine Herausforderung angesichts dieser Rolle. Sicher kann man nicht immer nur Filme drehen, in denen die Leute den Herbst zwischen drei Seitensprüngen, zwei Ehebrüchen und einer Tasse Tee verbringen. Das hier ist ein Actionfilm, die Kamera bewegt sich viel, die Figuren ebenfalls … mehr gibt es dazu nicht zu sagen.«
»Die Wahrheit, Creston!«
»Es ist ein Scheißfilm, meine Liebe, ein schöner Scheißfilm, der die Kinokassen füllen wird, weil du und dein Mann die Hauptrollen spielen. Das allein ist es schon wert – und nur das, übrigens. Die Presse wird es lieben, euch gemeinsam auf der Leinwand zu sehen, und noch mehr wird sie es lieben, dass du ihn dabei in den Schatten stellst. Glaube mir, ich sage das nicht, um dir zu schmeicheln, sondern weil es offensichtlich ist.«
»Im Alltag gibt er den Ton an«, gab Mia mit einem matten Lächeln zurück.
Creston strich sich nachdenklich über den Bart. »Wie geht es euch als Paar?«
»Falls wir noch eins sind …«
»Vorsicht, Mia, keine Dummheiten.«
»Was für Dummheiten?«
»Du hast mich genau verstanden. Ist es denn so schlimm?«
»Der Dreh hat uns einander nicht gerade nähergebracht.«
»Das ist genau das, was ich jetzt nicht hören möchte, zumindest bis zum Filmstart. Der Erfolg dieses Meisterwerks basiert allein auf eurem Zusammenspiel, im Kino wie im Leben.«
»Haben Sie neue Drehbücher für mich?«
»Einige.«
»Creston, ich würde gern ins Ausland gehen, weit weg von London und seinem ewigen Grau. Ich möchte eine intelligente, sensible Rolle spielen, Dinge hören, die mich berühren, mich zum Lachen bringen, Gefühle teilen, und wenn e