: Wesley Chu
: Zeitkurier Roman
: Heyne Verlag
: 9783641184438
: 1
: CHF 5.40
:
: Science Fiction
: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In einer zerstörten Zukunft liegt die letzte Hoffnung in der Vergangenheit

Die Erde hat sich in der Zukunft in ein verseuchtes Ödland verwandelt, und die Menschheit musste ins äußere Sonnensystem ausweichen. Dort, in den Weiten des Alls, sind Ressourcen allerdings ein seltener Luxus, und so bedient sich die menschliche Zivilisation der Zeitreise als letztes Mittel. Sogenannte Zeitkuriere reisen in die Vergangenheit, um dort nach Ressourcen und Antworten zu suchen. Bei seinem letzten Auftrag macht der Zeitkurier James Griffin-Mars jedoch den größten Fehler: Er greift in die Zeitlinie ein – und rettet eine Frau. Jetzt bleibt ihnen nur noch die Flucht in die Gegenwart …

Wesley Chu, 1976 in Taiwan geboren, wuchs in den USA auf und studierte Management und Informatik an der Universität von Illinois. Nach einigen Jahren als Berater, Banker und Stuntman wurde sein Erstlingsroman"Das Leben des Tao" ein großer Erfolg. Mit"Der Zeitkurier" hat Wesley Chu internationale Anerkennung gewonnen. Er lebt mit seiner Familie in Chicago.

01

ENDZEIT

Ein Lichtbalken bohrte sich durch das Nichts und schoss zum Zentrum der taktischen Karte. Auf der Brücke hielten die Besatzungsmitglieder gleichzeitig den Atem an und verfolgten den Weg des Lichtstreifens durch das All. Im Raum herrschte Totenstille, wenn man von der monotonen Stimme absah, die die Sekunden bis zum Einschlag herunterzählte. Dann entstand eine Explosionswolke in der Größe eines Daumennagels, blähte sich auf, bis sie die Hälfte des Displays einnahm, und verblasste wieder.

Auf der Brücke brachen Jubelrufe aus, als das Flaggschiff der Neptune Divinity von der holografischen Anzeige verschwand. Der Jubel war jedoch nur von kurzer Dauer. Kapitän Dustinius Monk übertönte die Rufe.

»Stationsstatus!«, befahl er, und die unangenehmen Meldungen über den Zustand des Raumschiffs kamen herein.

»Schilde zusammengebrochen«, meldete ein Adjutant auf der Brücke.

»Manövrierdüsen offline«, fügte ein anderer hinzu.

»Hüllenbruch im Heck.«

Die Liste der Schäden wurde länger, je mehr verhängnisvolle Meldungen von den Stationen eingingen. Es war ein Wunder und ein Beweis für die Fähigkeiten der Mannschaft, dass dieHigh Marker, das Flaggschiff der Technology Isolationists, überhaupt noch flog.

Grace Priestly gähnte gelangweilt. Sie war eigentlich immer gelangweilt, wenn sie sich mit den quälend langsamen Denkprozessen der Durchschnittsmenschen konfrontiert sah. Nicht zum ersten Mal fragte sie sich, wie lange sie warten musste, bis endlich einmal jemand etwas Interessantes sagte.

Monks Stellvertreter schien der Panik nahe, als er Bericht erstattete. »Kapitän, die Schockwelle der Explosion ist noch nicht vorbei!« Das Geplapper erstarb, und wieder breitete sich Totenstille aus.

»Können wir nicht wenigstens einen Schild aktivieren?«, fragte Monk.

»Nicht ohne umfangreiche Außenreparaturen.«

»Flickt mir einen verdammten Schild, damit ich die Druckwelle ablenken kann!«, brüllte Kapitän Monk in die angespannte Atmosphäre. Der Rest der Brückenbesatzung war vor Angst erstarrt. »Was ist mit dem Antrieb? Seitliche Schubdüsen? Können wir das Schiff bewegen? Gebt mir irgendetwas, verdammt!«

»Wir schweben antriebslos im Raum, Kapitän.« Der Adjutant, der neben ihm stand, schüttelte den Kopf. »Kraftwerksleistung ist auf sechs Prozent gefallen. Anscheinend wurde auch die Titanquelle beschädigt.«

»Leiten Sie sofort die Energie um.«

Der Adjutant erbleichte. »Kapitän, die Systemadjutantin berichtet, dass der Umsetzer zerstört wurde.«

»Zerstört? Wie ist das möglich?«

»Das weiß sie nicht, Kapitän.«<