: Robert Ludlum
: Die Janson-Verschwörung Roman
: Heyne Verlag
: 9783641130343
: JANSON-Serie
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 432
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Paul Janson hat schon zahlreiche Morde vereitelt. Aber diesmal droht ein Krieg.

Seoul: Gregory Wyckoff ist auf der Flucht vor den koreanischen Behörden. Ihm wird vorgeworfen, seine eigene Freundin erdrosselt zu haben. Gregorys Vater, ein bekannter Senator, hat jedoch eine andere Theorie. Soll sein Sohn geopfert werden, um ein finsteres Komplott des U.S.-Außenministeriums zu vertuschen? Ex-Regierungsagent Paul Janson verspricht, die Wahrheit ans Licht zu bringen – und wird bald selbst von einem erbarmungslosen Killer gejagt.



Robert Ludlum erreichte mit seinen Romanen, die in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden, weltweit eine Auflage von über 300 Millionen Exemplaren. Robert Ludlum verstarb im März 2001. Sein Werk wird von handverlesenen Thriller-Autoren in seinem Geiste fortgeführt.

Aus der Lobby des Boutique-Hotels beobachtete Paul Janson verstohlen die drei uniformierten Wachmänner, die starr wie Statuen hinter dem Haupttor der Anlage auf der anderen Straßenseite standen. Es waren keine gewöhnlichen Wachen, sondern Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee, die, wie Janson inzwischen wusste, einen Regierungskomplex bewachten, in dem die Einheit 61398 untergebracht war, die für Chinas systematische Cyberspionage verantwortlich war. Ziel des organisierten Datendiebstahls waren Hunderte von Unternehmen und staatlichen Behörden in zwei Dutzend großen Industriestaaten, was den Betroffenen einen Schaden von Hunderten Milliarden Dollar bescherte.

Im Zentrum der Anlage stand das Hauptquartier der Cyberwar-Einheit 61398, ein etwa 12 000 Quadratmeter großes, zwölfstöckiges Gebäude, das Büroraum für gut zweitausend Mitarbeiter bot. Im Laufe der letzten sechs Monate hatte sich Jansons Interesse nach und nach auf eine bestimmte Person konzentriert, einen achtundzwanzigjährigen Mann, der unter dem Online-NamenStiller Luchs auftrat.

Wie die Raubkatze, die im Norden und Westen Chinas, vor allem im tibetischen Hochland, verbreitet war.

Der für Fußgänger bestimmte Teil des massiven Eisentors wurde geöffnet, und der Mann, den Janson als »Stiller Luchs« kannte, trat hindurch, nickte einem Wachmann zu und ging zu einem der Fahrradständer vor der Anlage. Aus seiner Jacke fischte er einen kleinen Schlüssel, öffnete das Fahrradschloss und schob sein Rad einige Meter, bevor er sich auf den Sattel schwang und losfuhr. Während er langsam davonradelte, schritt Janson durch die Drehtür des Hotels und tauchte in das Meer der Fußgänger ein.

Nach sechs Monaten in Shanghai sehnte er sich nach Einsamkeit. Die Großstadt mit ihren rund siebzehn Millionen Einwohnern und ihren atemberaubenden Wolkenkratzern beeindruckte ihn immer wieder, doch der ständige Verkehr mit seiner Geräuschkulisse – dem Dröhnen der Hupen, dem Brummen der Motoren, dem Kreischen der Bremsen – ließ ihn wehmütig an vergangene Einsätze in Afrika denken.

Während er unter dem tief hängenden grauen Himmel den Gehsteig entlangging, befand sich Janson in einem Zustand höchster Wachsamkeit, auch wenn seine Gedanken für kurze Momente zu dem bevorstehenden Urlaub auf der Hawaii-Insel Maui schweiften, die er zusammen mit Jessie besuchen wollte. Sein Fokus sprang wie der Strahl einer Taschenlampe von einem Gesicht zum nächsten, auf der Suche nach etwas Vertrautem, etwas Auffälligem, einem Blick, der sich allzu schnell von ihm abwandte.

Er selbst hatte sein Aussehen geschickt verändert, sodass er auf den Straßen Shanghais kaum auffiel. Sein grau meliertes Haar war schwarz gefärbt und um einiges länger als gewohnt. Seine grauen, westlich geformten Augen waren hinter einer Ray-Ban-Sonnenbrille verborgen, die rosafarbene Gesichtshaut mit Schminke angepasst. Erstaunlicherweise gelang es dem Amerikaner selbst hier in China, absolut unauffällig zu bleiben.

Aus dem Auge