: Julie Holland
: Moody Bitches Die Wahrheit über die Pillen, die wir nehmen, den Schlaf, der uns fehlt, den Sex, den wir vermissen, und was uns wirklich verrückt macht
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641160364
: 1
: CHF 6.20
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: Angewandte Psychologie
: German
: 544
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das ganzheitliche Standardwerk der New Yorker Kult-Psychologin

Liebe das Biest in dir mit allen seinen Launen! Das ist die zentrale Botschaft der Psychiaterin Julie Holland und ihres Handbuchs für Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Stimmungsschwankungen, Sexprobleme, Erschöpfung, Schlaflosigkeit: Frauen gelten als zickig und unberechenbar. Holland warnt Frauen davor, ihre vermeintlichen Defizite zu therapieren, um allzeit perfekt zu funktionieren - als Karrierefrau und Geliebte, als Mutter und Freundin. Im Gegenteil. Frauen können nur gesund und glücklich werden, wenn sie akzeptieren, dass diese in der weiblichen Körperchemie und im weiblichen Gehirn begründeten Schwankungen gut und sinnvoll sind. Die erfahrene Therapeutin rät dringend davon ab, durch Medikamente diese Aufs und Abs einzuebnen. Nur wenn Frauen ihre Emotionen - das heißt, dieMoody Bitchin sich - pflegen und als Quelle ihrer besonderen Fähigkeiten erkennen, werden sie mit sich und ihrer Welt in Einklang leben können.

Julie Holland, betreibt seit über 20 Jahren eine Psychiatrische Praxis in Manhattan. Sie ist Expertin für die Auswirkungen von Medikamenten auf das Gehirn und ist regelmäßig als medizinische Referentin in der Today Show und in CNN zu Gast. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Harlem Valley, New York.

KAPITEL 1

Die eigenen Launen akzeptieren

Meine Arbeit besteht zum größten Teil aus Einzelgesprächen mit Patienten, daneben wurde ich im Lauf der Jahre aber auch immer wieder als Fachärztin für Psychiatrie zu Fernsehsendungen eingeladen. Kürzlich saß ich nachmittags zusammen mit einer Journalistin im Studio. Vor Beginn der Sendung unterhielten wir uns ein bisschen. Sie machte einen selbstbewussten und energiegeladenen Eindruck und schien mit ihrem Umfeld emotional verbunden. Wir hatten sofort einen Draht zueinander und genossen das leise Geplauder vor einer Sendung; doch dann fiel mir auf, dass ihre Fingernägel abgekaut waren. Als ich sie darauf ansprach, erzählte sie mir, dass ihre Therapeutin ihr schon wiederholt empfohlen habe, etwas zur »Beruhigung der Nerven« zu nehmen, aber sie könne sich mit dem Gedanken nicht so recht anfreunden.

»Ich wette, dass Ihnen Ihre Nervosität bei der Arbeit von Nutzen ist«, sagte ich. »Sie müssen ständig Augen und Ohren offen halten, um eine gute Story zu erkennen, über die es sich zu berichten lohnt, und ein großes Einfühlungsvermögen besitzen, um in einem Interview die richtigen Fragen zur richtigen Zeit zu stellen. Außerdem vermute ich, dass Sie ein paar zwanghafte Züge haben, die Ihnen dabei helfen, alles im Griff zu haben, leistungsfähig zu bleiben und nicht lockerzulassen.«

Sie sah mich an, als hätte ich einen Blick in ihre Seele geworfen. »Ja«, sagte sie verblüfft. »Ja!«, wiederholte sie. »So bin ich: unruhig und kribbelig. So war ich schon immer. Warum sollte ich meine Persönlichkeit mit Tabletten bekämpfen?«

Ja, warum?

Noch nie haben so viele Frauen Psychopharmaka geschluckt wie heute. Sie schaffen damit eine neue Normalität, die ganz und gar nicht normal ist. Sie widerspricht unserer Biologie. Unser Gehirn ist anders verdrahtet als das von Männern, und unsere Hormone machen uns launischer.

Frauen sind gefühlsbetonter, und das aus gutem Grund. Während der Evolution hat sich das weibliche Gehirn auf eine Weise entwickelt, die Eigenschaften wie Empathie, Intuition, Emotionalität und Sensibilität stärkte.1 Wir kümmern uns um andere und schenken Leben; unsere Fähigkeit, die Bedürfnisse und Stimmungen anderer wahrzunehmen und darauf zu reagieren, spielt eine entscheidende Rolle für unser aller Überleben, sie ist das Fundament für Familie, Gemeinschaft und Beziehungen. Wir müssen es intuitiv ahnen, wenn unsere Kinder in Gefahr sind oder etwas brauchen oder wenn ein Mann in unserer Umgebung möglicherweise böse Absichten verfolgt. Wir ordnen uns unter, wenn das am sichersten ist, aber genauso verteidigen wir mit Zähnen und Klauen jeden, der unter unserer Obhut steht, sei es ein Familienangehöriger oder ein Freund.

Seit jeher hat man von Frauen verlangt, dass sie schwierige Arbeiten verrichten, und unser Körper verfügt dazu über wirksame Mechanismen. Im Alltag kann es jedoch ziemlich anstrengend sein, mit Mechanismen wie Stimmungsschwankungen und erhöhter Sensibilität leben zu müssen. Und als wäre das noch nicht genug, stehen wir, wie die Journalistin im Fernsehstudio, ständig unter dem Druck, unser Gefühlsleben und unsere angeborenen Stärken im Zaum zu halten.

Die Veränderten Staaten von Amerika: Eine Nation, die sich miserabel fühlt

Dass uns unsere Hormone launenhaft machen, ist eine Sache. Eine andere ist es, dass sich die Pharmaindustrie unsere Biologie durch gezielte Werbung zunutze macht. Antidepressiva werden zum überwiegenden Teil an Frauen verkauft, was zur Folge hat, dass Depression als Frauenkrankheit stigmatisiert ist, dass sich Männer seltener behandeln lassen und Frauen dazu ermuntert werden, brav die tägli