Kapitel 1
Ich war ziemlich außer Atem, als ich um die Ecke in die Mill Lane einbog. Mein Mund war trocken, meine Lungen fühlten sich wie gequetscht an, und einer meiner Schnürsenkel löste sich. Doch ich war entschlossen, nicht langsamer zu werden.
»Komm schon, Holly«, murmelte ich vor mich hin, als die Ziellinie in mein Blickfeld rückte. »Du schaffst das. Beinahe da. Noch mal anstrengen!«
Die letzten einhundert Meter sprintete ich. Die frühe Junisonne schien warm auf meinen Rücken, und ich war trotz meiner leichten Bekleidung – T-Shirt und Shorts – verschwitzt. Jetzt allerdings hielt mich nichts mehr auf! Ich hatte die Schmerzgrenze überschritten, hatte das Ziel fast erreicht …
»Grundgütiger!«, rief Mrs. Fisher, meine ältere Nachbarin, als sie mit ihrem Einkaufswagen aus dem Gartentor trat. »Jetzt haben Sie mich aber erschreckt! So an mir vorbeizulaufen!«
»Entschuldigen Sie, Mrs. Fisher«, keuchte ich, während ich ihr gerade noch auswich. »Ein herrlicher Morgen, nicht wahr?«
»Wie geht es Ihrer Mutter?«, rief Mrs. Fisher hinter mir her.
»Gut, danke!«, rief ich über meine Schulter zurück. »Tut mir leid, kann nicht anhalten!«
Ich rannte bis zu unserem Gatter, die Arme triumphierend über den Kopf gestreckt, als ob ich ein unsichtbares Zielband durchgerissen hätte. Zum ersten Mal überhaupt hatte ich den ganzen Weg geschafft, ohne anzuhalten. Ich sprang über die Schachteln mit Abfall, die zum Recyceln nach draußen gestellt worden waren, und hielt dann atemlos vor der Haustür von Weaver’s Cottage an, dem honigfarbenen Reihenhaus, das ich mit meiner Mutter bewohnte.
Ich warf einen Blick auf meine Uhr: fünf Kilometer in siebenundzwanzig Minuten. Eine persönliche Bestleistung und wirklich nicht übel für jemanden, der sich bis vor Kurzem lieber eine Schachtel mit Petit Fours (am liebsten die mit Zitrone) und die Fernbedienung geschnappt hatte, um es sich vorThe Hotel Inspector bequem zu machen, statt Sport zu treiben.
Ich zog meinen Kopfhörer herunter und grinste vor mich hin, während ShakirasHips Don’t Lie aus meinem iPod ertönte.
Du hast so was von recht, Shakira, dachte ich und wischte mir den Schweiß von der Stirn.Diese Hüften lügen garantiertnicht. Ein kompletter Monat voller Kuchen, in dem ich versucht hatte, einen Job zu finden, hatte absolut nichts für meine Hüften getan. Hoffentlich würde mein neues Fitness-Programm bald Wirkung zeigen. Fitter fühlte ich mich jedenfalls. Und was die Jobsuche betraf … Auch da wartete ich noch darauf, dass meine Anstrengungen Früchte trugen.
Einen Moment lang stand ich da, die Arme in die Hüften gestemmt, und rang nach Atem. Etwas Unkraut lugte zwischen den Bodenplatten hervor, und ich beugte mich herab, um es auszureißen. Ich nahm mir vo